Jedes Unternehmen hat ein Organigramm. Und fast jedes Organigramm lügt: nicht absichtlich, aber es zeigt nur, wer wem formal berichtet, nicht wer mit wem tatsächlich arbeitet. Ein Projektleiter wundert sich, warum eine Entscheidung drei Wochen braucht, obwohl laut Organigramm nur zwei Abteilungen beteiligt sind. Der Grund liegt selten im Chart selbst, sondern in einem informellen Beziehungsnetz, das dort nicht auftaucht.
Warum du als Führungskraft die ersten 90 Tage nicht dem Zufall überlassen solltest (und schlechtes Onboarding dich mehr kostet, als du denkst)
Der erste Arbeitstag ist meistens gut organisiert: Laptop, Zugänge, ein freundliches Willkommen. Die Wochen danach entscheiden aber, ob jemand bleibt – und genau da lassen die meisten Unternehmen ihre neuen Mitarbeitenden allein. Ich erinnere mich an eine erfahrene SAP-Beraterin, die in ein großes Transformationsprojekt eingestiegen ist. Fachlich absolut top, hoch motiviert, mit besten Referenzen. In der ersten Woche bekam sie einen Laptop, einen Zugang zum Wiki und den Satz: „Schau dich einfach mal ein bisschen um, du findest dich schon zurecht." Niemand hatte Zeit, ihr die Systemlandschaft zu erklären. Niemand stellte sie den Stakeholdern vor, mit denen sie ab Woche zwei zusammenarbeiten sollte. Nach zehn Wochen kündigte sie noch in der Probezeit. Ihre Begründung im Abschlussgespräch: „Ich hatte nie das Gefühl, gebraucht oder eingebunden zu sein. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, ob ich hier überhaupt richtig bin." Das Traurige daran: Sie war fachlich genau richtig. Ver...