Donnerstag, 6. November 2014

Welche Gewohnheiten braucht ein Projektmanager?

Es gibt Blogbeiträge im Netz, die ich nicht so stehen lassen kann. Sehr beliebt sind Beiträge wie "X Habits Of Successful Project Managers". Finden Sie auch, dass gute Projektmanager Teams managen, Zeitpläne verwalten und verbrauchte Zeit aufschreiben müssen? Ich nicht.
In einem Blogbeitrag von projectmanager.com werden 5 Gewohnheiten eines erfolgreichen Projektmanagers beschrieben /1/. Der oder die Autoren zählen dazu:
  • Das Team managen, weil es so viel zu tun hat. (Deswegen brauchen Projektmanager auch Resource Planning Software, um den Überblick zu behalten.)
  • Zeitplan wöchentlich aktualisieren.
  • Projektrisiken managen
  • Zeiten aufschreiben, um sie mit den ursprünglichen Schätzungen zu vergleichen.
  • Änderungen in die bestehende Umgebung integrieren.
Vor 10 Jahren hätte ich diese Liste auch unterschrieben. Heute nicht mehr. Sehen wir uns diese Punkte an:
  • Team managen: Bei Scrum und im agilen Bereich haben wir gute Erfahrungen mit der Selbstorganisation des Teams gemacht. Wenn das Team zu viel zu tun hat, deutet das für mich auf falsche Prioritäten von der Führung hin. Hier muss nicht das Team gemanaged werden, hier muss einfach weniger getan werden. Das ganze Mutlitasking ist viel zu teuer und erzeugt dazu Verzögerungskosten.
  • Zeitlan aktualisieren und Zeiten aufschreiben: Die geplante und verbrauchte Zeit ist kein Maß für Arbeit. Wir wissen, dass wir zu optimistisch schätzen und die Realität ausblenden. Die Zeitschätzungen helfen uns nicht wirklich bei der Planung. Wir brauchen ein Maß für Arbeit und einen Bezug zu den Ergebnissen. Relatives Schätzen, Burndown-Charts, Earned-Value-Management sind da wirkungsvoller.
  • Projektrisiken managen: Risiken auf das Radar bringen und das regelmäßige Überprüfen finde ich gut. Aber was machen wir mit den Erkenntnissen? Risikomanagement bedeutet "Bezahl mich jetzt oder bezahl mich später". D. h. wenn ich kein Geld in die Hand nehmen kann, weil ich keins mehr habe, mache ich kein Risikomanagement. Besser wäre aus meiner Sicht, so früh es geht, Zwischenergebnisse zu liefern. Dann weiß, dass diese Ergebnisse schon mal sicher habe.
  • Integration der Ergebnisse: Auch eine interessante Sache. Ich weiß nicht, aus welcher Domäne die Autoren kommen. Die Personen auf der "About us"-Seite scheinen überwiegend einen IT-Hintergrund zu haben. IT-Systeme sind per se nutzlos. Nur wenn sie dauerhafte Änderungen in den Geschäftsabläufen unterstützen, hat das Unternehmen einen Vorteil. Aus meiner Sicht ist es viel zu spät, am Ende eines Projekts die IT-Systeme in die Mitarbeiter zu werfen. Die betroffenen Mitarbeiter müssen von Anfang an ihre Prozesse überarbeiten, testen und andere Wege ausprobieren. Irgendwann kommt die Software dazu. Als PM ist es ganz schwierig, wenn ich am Ende erst alle auf das neue System zwinge. Zudem ist das Einführen neuer Abläufe und Werkzeuge die Aufgabe der Unternehmensführung.
Sie merken schon, dass ich mit dieser Aufstellung nicht zufrieden bin. Offenbar verkaufen die Autoren eine Projektmanagement-Software. Ihr Blogbeitrag unterstreicht, wie wichtig eine Software für gute Projektarbeit ist. Es ist also nichts mehr als ein Marketingbeitrag.

Leser, die unseren Blog öfter besuchen, kennen schon meine wichtigste Regel zum Projektmanagement: Projektarbeit bedeutet, Ergebnisse unter Unsicherheit zu liefern. Ein erfolgreicher Projektmanager kümmert sich also um Ergebnisse. Und wenn diese nicht klar sind, klärt er sie zunächst. Insofern habe ich eigentlich im Moment nichts zu den Fähigkeiten hinzuzufügen, die ich im Mai 2014 schon einmal beschrieben habe /2/.

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