Freitag, 2. Mai 2014

Frage: Welche Fähigkeiten brauchen Projektmanager/-innen?

Ein Tweet hat mich heute morgen darüber nachdenken lassen, welche Fähigkeiten ich in PMs erwarte. Es gibt zu viele Mythen, was PMs alles können müssen.

Heute morgen bin ich (Jan) über eine Seite /1/ gestolpert, über die Stephan List vom Toolblog wie folgt gezwitschert hat:

Ben Ferris von Cobalt PM erwartet dort von PMs folgende Fähigkeiten:
  1. People Skills
  2. Planning Skills
  3. Negotiating Skills
  4. Project Skills
  5. Meeting Skills
  6. Juggling Skills
  7. Time Management Skills
Ich hätte ebenso wie Stephan ein großes "Naja" an diese Liste gehängt. Sie mag trivial sein, weil man dies landläufig von PMs erwartet. Ich finde diese Liste falsch. Ich glaube nicht, dass es solche Über-PMs gibt. Es ist falsch, solch hohe Erwartungen zu stellen.  Hier sind 3 Gründe:

Beispiel 1 - Diese Fähigkeiten sind widersprüchlich: Der Umgang mit Menschen und Verhandlungsgeschick (Nr. 1, 3 und 5) sprechen eher für eine extrovertierte Persönlichkeit. Solch eine Person freut sich über jede Begegnung mit anderen Menschen und wird ständig inspiriert. Planungskompetenz und striktes Zeitmanagement sind Zeichen von eher introvertierten Persönlichkeiten. Sie können sehr fokussiert arbeiten. Es ist nicht leicht, beide Arten von Kompetenz unter einer Schädeldecke zu vereinen.

Beispiel 2 - Projektmanagement bedeutet nicht, am ursprünglichen Plan festzuhalten: Der Autor schreibt: "From the very first day of the project you should have a plan starting to form itself in your mind. Once this is written down and signed off then it is up to you to stick to it." Vielleicht bin ich zu streng, aber ich erwarte von einem PM/einer PMin eher, dass er/sie unterschiedliche Projektprofile erkennt. Es gibt Projekte mit geringer Unsicherheit, da ist es vollkommen richtig, einen Plan zu erstellen und den konsequent zu verfolgen. Es gibt aber auch Projekte mit viel Unsicherheit. Da kann ich nur die nächsten Wochen realistisch planen.

Beispiel 3 - Wir brauchen mehrere Rollen, um Projektergebnisse zu erzielen: Einige der genannten Fähigkeiten verbinde ich eher mit der Rolle des Auftraggebers oder Product Owners. Ihre Aufgabe ist es, die Finanzierung des Projekts sicherzustellen und mit den verschiedenen betroffenen Parteien zu verhandeln. Das ist für mich nicht die Aufgabe des Projektmanagers.

Welche Fähigkeiten finde ich wichtig?


Es gibt in jedem Projekt mindestens drei Rollen:
  • Auftraggeber oder Product Owner: Er oder sie definiert die Ziele und stellt die Finanzierung des Projekts sicher. Er oder sie achtet darauf, dass alle wichtigen Parteien an Bord bleiben.
  • Projektmanager: Er oder sie kümmert sich um das Tagesgeschäft des Projekts. Mehr dazu weiter unten.
  • Team: Das Team produziert Ergebnisse, bis das Projektziel erreicht wurde.
Zur Fachkompetenz eines Projektmanagers/eine Projektmanagerin gehören für mich folgende Punkte:
  1. Formulierung von Teilzielen: Ein PM muss konsequent mit dem Auftraggeber daran arbeiten, dass die Teilziele, Zwischenergebnisse usw. so konkret formuliert werden, dass sie auch erarbeitet werden können. Das Ergebnis von Projekten ist, dass eine Organisation nach dem Projekt neue Fähigkeiten besitzt. Die Beschreibung des Endergebnisses ist nicht trivial. Das ist harte Arbeit. Aber sie lohnt sich. Dazu gehört auch das Aufzeigen von Widersprüchen und das Formulieren von konkreten Tests.
  2. Kommunikation von Teilzielen, Sichtbarmachen des tatsächlichen Status: PMs müssen alles tun, was ihnen einfällt, damit die formulierten Teilziele vom Projektteam verstanden werden. Im Team arbeiten immer gute Leute. Viele PMs behandeln sie aber wie kleine Kinder und schreiben minutiös vor, was sie zu tun haben. Das ist nicht Projektmanagement. Viel besser ist es, mit dem Team so lange zu arbeiten, bis das Team sagt: "Wir verstehen, wo es konkret hingehen soll." Von PMs erwarte ich auch, dass sie den Abstand irgendwie sichtbar machen können, zwischen dem Punkten, wo wir aktuell sind und wo wir hinwollen. Um gut zu arbeiten, brauchen Teams schnelles Feedback.
  3. Infragestellen der Ziele und der Lösungen: Von PMs erwarte ich, dass sie mit dem Auftraggeber immer wieder an der Verfeinerung der Ziele arbeiten. Das bedeutet, dass sie mit Respekt die Ziele in Frage stellen, damit der Auftraggeber sie konkreter formuliert. Das gleiche erwarte ich auch im Umgang mit dem Team. Gute Teams nutzen PMs, um ihre Lösungen zu hinterfragen, damit sie noch bessere Lösungen finden. In Projekten gibt es oft zeitlichen Druck. Länger arbeiten bringt nichts. Eine Lösung zu finden, die sich schneller umsetzen lässt, aber schon.
PMs sollten für diese Zwecke ihre Fähigkeiten ausbilden und erweitern. Projektmanagement bedeutet, einen angemessenen Umgang mit der Unsicherheit im Projekt finden. Dazu ist es gut, wenn man mehrere Herangehensweisen kennt. Weder PRINCE2 noch Scrum noch PMI noch SAFe oder eine andere Methode sind Allheilmittel. PMs sind immer auch der Suche, um die Arbeit für Auftraggeber und Team noch einfacher zu machen.

Noch eine Ergänzung: James Brown (nicht der Musiker) schlägt übrigens vor, dass Organisationen je nach Phase unterschiedliche PMs beauftragen. Am Anfang braucht man eher PMs, die beim Planen helfen. In der Hauptphase kommen dann andere PMs zum Einsatz, die gut in der Umsetzung sind. Am Ende gibt es die Closer. Das sind wieder andere Leute. Die Idee finde ich gut. Nicht jeder PM muss also alle Kompetenzen haben.

Bitte kommentiert meine Liste, da ich sie mit der heißen Nadel zusammengestellt habe. Hättet Ihr solch eine Liste erwartet? Ist sie schon zu lang oder fehlt ein wichtiger Punkt aus Eurer Sicht? Nutzt dazu das Kommentarfeld oder schreibt in Euren Blogs dazu. Vielleicht möchte auch jemand einen Gastbeitrag hierzu schreiben. Kennt jemand noch andere entsprechende Listen im Netz?

Anmerkungen


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