Mittwoch, 14. August 2013

Welche Methode ist besser? - Was ein Team tun kann, wenn es aus 2 Methoden auswählen muss (Teil 2)

Neben Fachwissen brauchen Teams auch Methodenwissen. Nun herrscht aber kein Mangel an Methoden. Wie soll ein Team damit umgehen, wenn einzelne Mitglieder unterschiedliche Methoden propagieren? Im ersten Teil haben wir uns drei Möglichkeiten angesehen. Hier folgt ein weiterer Vorschlag.

In unserer Ausgangsituation will ein Team sein strategisches Denken verbessern. Zur Auswahl stehen das Dame-Spiel und das Schach-Spiel.

Wie soll das Team nun vorgehen?


Zum einen ist wichtig, dass wenn man über Methoden entscheiden muss, dass das Team darin geschult wurde, und zwar von einem externen erfahrenen Trainer. Sonst hat das Team keine Chance, die Methode zu verstehen. Ohne ein gemeinsames Verständnis wird es sehr schwer.

Alle Teammitglieder müssen beide Spiele mehrfach spielen und sich beim Spielen helfen lassen. Vielleicht müssen die Mitglieder auch anderen Spieler zusehen und sie befragen. Vorher können sie den Sinn des Spiels nicht erfassen.

Zum anderen können Methoden nicht auf der Ebene der Methoden kombiniert werden. Beim Vergleich Dame- und Schachspiel ist das offensichtlich. Schach mit Dame-Figuren spielen setzt eine ordentliche Gedächtnisleistung voraus. Dame mit Schach-Figuren spielen, ist wahrscheinlich nicht so schwer.

Bei Organisationsmethoden wie Scrum und PRINCE2 ist es nicht offensichtlich.

Jedes Methode, jedes Framework ist entstanden, weil ein Unternehmen oder ein Team ein spezifisches Problem hatte. Aus diesem Problem heraus, haben sich die Erfinder einer Methode Rollen, Regeln, Ereignisse und Artefakte überlegt. Damit hatten sie so Erfolg, dass die Methode ausformuliert, ggf. überarbeitet und dann veröffentlicht wurde /1/.


Wenn wir über den Einsatz und auch über die Kombination von Methoden sprechen, müssen wir uns die ursprünglichen Probleme ansehen. Wir müssen überlegen, was die Situation und Intention einer Rolle, einer Regel, eines Ereignisses oder eines Artefakts ist. Daraus können wir ableiten, ob die Lösung der konkurrierenden Methoden auch zur eigenen Situation passt.

Was bedeutet das konkret?

Nehmen wir nochmal das Beispiel. Ich würde folgendes tun:
  1. Gemeinsame Schulung in jeder Methode. Beide Teams lernen Dame und Schach. Der Schulungsaufwand muss ins Verhältnis zum potenziellen Schaden durch das Nicht-Einführen einer Methode gesetzt werden.
  2. Zuhören, nachfragen, diskutieren: Welches Problem könnte die Methode lösen? Welchen Reiz hat das Schachspiel, welchen Reiz hat das Dame-Spiel?
  3. Konsens über die Probleme finden: Die Probleme, die eine Methode löst, müssen für das Team relevant sein. Bei Dame sind die Ressourcen alle gleich und können aufgewertet werden. Bei Schach kämpft man mit unterschiedlichen Ressourcen.
  4. Problemweise entscheiden, welcher Ansatz sinnvoll ist.
  5. Auf Experiment einigen. Was können wir in den nächsten 2 Wochen realistisch ausprobieren, um mehr Gewissheit zu bekommen?
Was passiert dann? Erstaunlicherweise tendieren Teams dann automatisch mehr zu einer Methode, weil sie sich insgesamt stärker mit dem Thema auseinander gesetzt haben. Aber nun ist es zu einer Methode des Teams geworden. Zudem haben sie ein besseres Problemverständnis entwickelt.

Sehen wir genauer hin.
  • Das Team könnte nun feststellen, dass es gar nicht mit unterschiedlichen Ressourcen arbeitet. Zudem sind die Schachregeln komplizierter als die Dame-Regeln. Dann wäre das Dame-Spiel besser. 
  • Vielleicht es auch umgekehrt. 
  • Es könnte ja sein, dass es für dieses Team auf die Schönheit der Figuren ankommt. Dann reicht es ja, wenn man die Dame-Steine verziert.
  • Das Team kann feststellen, dass eine direkte Kombination von Dame und Schach nicht sinnvoll ist. Es sucht stattdessen ein Spiel, in dem die Ressourcen gleichwertig sind und die Komplexität höher ist. Dann wäre das Go-Spiel eine neue Alternative.
Abb.1: Go-Steine (Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Go_board.jpg)

Das Team hat durch die Auseinandersetzung mit den dahinterliegenden Problemen seinen eigenen Bewertungsmaßstab gefunden.

Wenn Sie also vor der Auswahl von Methoden stehen, versuchen Sie Ihr Problembewusstsein zu schärfen. Im betrieblichen Alltag nehmen wir uns nicht oft Zeit dafür. Wir denken selten über Begriffe nach. Wir sind oft zu sehr damit beschäftigt, gleich eine Lösung zu finden, statt erstmal länger über ein Problem nachzudenken.

Sofern Sie eine neue Methode auswählen müssen, die langfristig zu Ihrem Handwerkszeug werden soll, ist die Zeit für das Nachdenken, Problematisieren und Diskutieren keine schlechte Investition, oder?

Anmerkungen

  • /1/ Übrigens: Ob das ursprüngliche Problem wegen der Methode, wegen Zufall oder wegen eines engagierten Teams gelöst wurde, können wir nicht wissen. Die wenigsten Methoden werden wissenschaftlich mit Doppelblindtest geprüft. Vielleicht war die Methode auch erfolgreich, weil das Team wegen der gefundenen Methode etwas gemacht hat, was in ihr selbst nicht formuliert ist.

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