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Selbstverbesserung für Berater:innen, Scrum Menschen und Führungskräfte mit NLP, MI und Toyota Kata

Wie verbessern sich Leute, die andere Menschen beraten? Kann man auch mit sich selbst Coachinggespräche führen und bringen die etwas? Ja, das geht. Es gibt einige Frageraster, über die man auf neue Perspektiven kommt und erste Verbesserungsideen entwickelt. Wir schauen uns in diesem Beitrag an, welche Fragen wir beim Neurolinguistischen Programmieren (NLP), Motivational Interviewing (MI) und Toyota Kata finden. Und ich verrate, was die wichtigsten Werkzeuge sind.

Der Jahreswechsel ist für viele Menschen ein Moment des Innehaltens. Manchmal haben wir Lasten aus dem alten Jahr mitgenommen, von denen wir uns gern trennen würden. Aber wie macht man das genau? Kürzlich habe ich einen lieben Beraterkollegen getroffen. Im Gespräch entdeckte er bei mir ein paar Glaubenssätze, die mich in meiner Entwicklung einschränken. Ob ich mich nicht einmal damit auseinandersetzen wolle?

Warum sich selbst verbessern?

Als Führungskraft, Berater oder Scrum Masterin hat man auch Prozesse. Und wahrscheinlich nehmen wir uns dafür weniger Zeit als für die Menschen, denen wir zur Seite stehen. Auch wir können uns fragen, ob es uns nicht besser ginge, wenn wir mehr fertigstellen und weniger Zeit dafür brauchen. Gibt es einen Bereich (Gesundheit, Familie, Beziehungen, Arbeitsbelastung, Engagement für die Gemeinschaft) in unserem Leben, mit dem wir nicht zufrieden sind? Vielleicht sind es auch Kleinigkeiten: "Ich bin in zu vielen Meetings." oder "Mein Schreibtisch ist immer unordentlich."

Wir bringen anderen bei, dass wir uns regelmäßig Zeit nehmen sollten, um Dinge zu verbessern. Aber reservieren wir uns selbst einen Block pro Woche, um die Säge zu schärfen? Ich glaube, dass wir uns verbessern können, indem wir uns selbst Fragen stellen. Die Arbeit mit einem persönlichen Coach ist natürlich noch effektiver. Bis wir einen finden und beauftragen, können wir ja schon einmal selbst anfangen. 

Ein Hinweis noch: Viele Situationen verbessern sich erst, wenn man das Arbeitssystem insgesamt verbessert. Teamverbesserung geht vor Einzelpersonenverbesserung. In diesem Beitrag gehe ich davon aus, dass die Leserinnen und Leser an Punkten arbeiten wollen, in denen sie kein Team haben oder brauchen.

Für das Selbstcoaching brauchen wir Werkzeuge. 

Zeit reservieren und schriftlich nachdenken

Bevor wir uns die Fragen ansehen: Besorgt euch ein Notizbuch und einen schönen Stift, mit dem ihr gern schreibt. Es macht einen Unterschied, ob man mit der Hand oder mit der Tastatur schreibt. Es ist auch etwas Besonderes, wenn ihr später eure eigenen Notizen lest und dabei eure Handschrift erkennt. Das seid ihr.

Foto von Mike Tinnion auf Unsplash

Vielleicht plant ihr aktiv die Zeit für das schriftliche Nachdenken in euren Kalender ein. Wie wäre es mit drei Sitzungen pro Woche, die 30–45 Minuten dauern? Die Zeit wäre gut investiert.

Aber was für Fragen kann ich mir selbst stellen? Sehen wir uns Fragen aus drei Bereichen an:

  • Neurolinguistisches Programmieren (NLP)
  • Motivierende Gesprächsführung (engl. Motivational Interviewing - MI)
  • Toyota Kata

Starten wir mit unbewussten Denkblockaden. 

Die Sache mit den Glaubenssätzen (NLP)

Richard Bandler und John Grinder haben Anfang der 1970er-Jahre angefangen, sich mit Sprache und ihrem Einfluss auf unser Handeln auseinanderzusetzen. Sie wollten herausfinden, mit welchen Interventionen Therapeuten wie Fritz Perls, Virginia Satir, Gregory Bateson und Milton Erickson ihre Klienten zu Veränderungen bewegen. Sie haben daraus ein Konzept für positive Psychologie entwickelt und ihm den Namen "Neurolinguistisches Programmieren" gegeben. Einige Kollegen sind sehr begeistert von der Idee. Allerdings möchte ich gleich erwähnen, dass es keine wissenschaftlichen Studien gibt, die die Wirksamkeit belegen.

Die Arbeit an Glaubenssätzen finde ich interessant. Mit gefallen die Bücher "Sleight of mouth" und "Sleight of mouth II" von Robert Dilts. /1/ Dilts schreibt, dass Sprache unsere Realität konstruiert. Damit wäre es doch möglich, unsere Realität neu zu konstruieren, indem wir unsere Sprache ändern.

Wenn man mit einschränkenden Glaubenssätzen arbeitet, will man sie verschieben. Robert Dilts hat dazu im Buch eine Pyramide mit verschiedenen Ebenen veröffentlicht: Umwelt, Verhalten, Fähigkeiten, Identität. Er versucht, Glaubenssätze, die sich auf die Identität einer Person beziehen, auf niedrigere Ebenen zu verschieben. So wird die Person handlungsfähig. Aus dem Glaubenssatz "Ich bin halt ein unordentlicher Mensch" wird dann "Wenn ich viel unterwegs bin, ist es nicht leicht, Ordnung zu halten".

Dilts schlägt mehrere Phasen für die Arbeit mit Glaubenssätzen vor:

  • Glaubenssätze identifizieren: Immer, wenn wir denken "Ich kann das nicht ...", "Ich bin nicht der Typ für .." oder "Das funktioniert bei mir nie", könnte dahinter ein Glaubenssatz stehen. Diese sammeln wir nun in unserem Notizbuch.
  • Glaubenssatz untersuchen: Ursprung, Beweise und Gegenbeweise, Funktion (wovor schützt mich dieser Glaubenssatz?), Kosten
  • Struktur verstehen: Auf welcher Ebene in der Pyramide ist der Satz verankert?
  • Transformation vorbereiten: Wir verändern den Glaubenssatz und stellen uns unser zukünftiges Ich vor.

Dilts schlägt verschiedene Techniken vor, um den Glaubenssatz zu verändern: positive Absicht herausfinden, Umdefinieren, Konsequenzen untersuchen, andere Ergebnisse erkunden, zerlegen (chunk down), auf eine höhere Ebene heben (chunk up), Analogien nutzen, Gegenbeispiele finden, Bewertungskriterien verändern, auf sich selbst anwenden, Bezugsrahmen ändern, Weltsicht, Wirklichkeitsstrategie und Metaframe. 

Natürlich wenden die NLP-Praktiker nicht alle Techniken an. Mit etwas Erfahrung findet man die Schwachstellen von Glaubenssätzen. 

Die KI-Chatbots können diese Techniken verständlich erklären und einen beim Erkunden von Glaubenssätzen anleiten./2/

Das Erkennen der eigenen Glaubenssätze ist ein guter Start. Wir wollen etwas in unserem Leben verändern. Daher reicht für mich NLP nicht aus und ich wechsle zu einer Technik, deren Wirksamkeit auch bewiesen ist: Motivierende Gesprächsführung.

Veränderungen anstoßen (Motivational Interviewing) 

Die Psychologen W. Miller und S. Rollnick haben Anfang der 1990er Jahre dieses Konzept entwickelt. Sie wollten Menschen mit Suchtproblemen helfen, Veränderungsbereitschaft aufzubauen./3/ 

Die Technik funktioniert sehr gut und geht bewusst auf Ambivalenz ein. Wir haben immer gute Gründe für Veränderungen, aber auch gute Argumente dafür, die Dinge so zu lassen, wie sie sind. Das können wir auch für das Selbstcoaching nutzen. 

Die MI-Sessions laufen in folgenden Phasen ab:

  • Aktuelle Situation klären: Was ist gerade mein Thema? Was finde ich nicht gut? Was ist der aktuelle Zustand?
  • Ambivalenz erkunden: Was spricht für das Bewahren? Was wären die Nachteile der Veränderung? Welche Werte und Bedürfnisse könnten hinter dem Bewahren und dem Verändern stecken?
  • Change Talk evozieren: Wie sieht die Veränderung genau aus? Was wäre besser? Sind dir vielleicht bestimmte Änderungen schon einmal gelungen? Wie wichtig ist dir die Änderung auf einer Skala von 0-10? Warum nicht niedriger?
  • Skalieren: Wie groß ist meine Bereitschaft auf einer Skala von 0-10, mich zu verändern? Wie zuversichtlich bin ich auf einer Skala von 0-10, dass ich das auch schaffe? Was bräuchte es, um die Werte um 1-2 Punkte zu erhöhen? Was zeigt mir, dass ich mehr kann, als ich mir im Moment zutraue?
  • Diskrepanzarbeit: Was ist mir im Leben wirklich wichtig? Wie passt mein aktuelles Verhalten zu meinen Werten? Wie wäre ich in ein paar Jahren, wenn ich alles so ließe, wie es gerade ist? Und wo könnte ich in ein paar Jahren sein, wenn ich heute mit dem ersten kleinen Schritt starte?
  • Konkrete Schritte planen: Was könnte morgen ein kleiner, realistischer Schritt sein? Was könnte mir helfen am Ball zu bleiben? Wie könnte ich Hindernisse verringern?
  • Reflexion am Ende einer Coaching-Session: Was habe ich durch diese Fragen über mich gelernt? Wie haben sich meine Gedanken verändert? 

Allan Zuckoff hat eine kurze Anleitung mit vielen Arbeitsblättern zur Selbstverbesserung mit MI veröffentlicht. Von Stijn van Merendonk gibt es einen Fächer mit ganz vielen Fragen zu einzelnen MI-Phasen. Dieser Fächer ist auch digital verfügbar./4/

Die Glaubenssatzarbeit macht sichtbar, dass ich an manchen Dingen hänge. Mit Motivational Interviewing komme ich schneller in konkrete Veränderungen. Für das Verändern gibt es noch eine Technik, mit der man auf innovative Lösungen kommt.

Regelmäßig nach Lösungen suchen, mit Toyota Kata

Mike Rother hat beobachtet, wie man bei Toyota gezielt nach Verbesserungen sucht. Er hat seine Erkenntnisse in den Büchern "Toyota Kata" und "The Toyota Kata practice guide" veröffentlicht.

Seine Idee: Man definiert Zielbedingungen, unter denen man arbeiten will, um die eigentlichen Ziele zu erreichen. Beispiel: Es könnte mein Ziel sein, an einem Marathon teilzunehmen und gesund die Ziellinie zu überschreiten. Ich kann allerdings nicht jeden Tag einen Marathon laufen, um herauszufinden, was ich verbessern könnte. Stattdessen strebe ich Zielbedingungen an: Laufen nach Trainingsplan, gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf in jeder Nacht. Damit kann ich nun experimentieren. Ich versuche jeden Tag etwas, damit es mir gelingt, meinen Trainingsplan einzuhalten oder rechtzeitig schlafen zu gehen.

Rother hat eine Liste mit Fragen veröffentlicht. Die können wir auf das Selbstcoaching anpassen:

  • Was sind die Zielbedingungen?​
  • Wie ist der aktuelle Zustand jetzt?​
    • Was habe ich als letzten Schritt geplant?​
    • Was habe ich erwartet?​
    • Was passierte wirklich?​
    • Was habe ich daraus gelernt? ​
  • Welche Hindernisse halten mich gerade davon ab, die Zielbedingungen zu erreichen? ​
  • An welchem Hindernis will ich arbeiten?​
  • Was ist der nächste Schritt, das nächste Experiment? Was erwarte ich?​
  • Wie schnell kann ich sehen, was dieser Schritt bringt? 

Der Schlüsselbegriff ist "Zielbedingung" (oder Zielzustand). Ich überlege mir also nicht irgendwelche Aktionen. Sondern ich überlege mir, welchen Zustand ich anstrebe und lasse mir dann sehr viele Ideen einfallen. Vielleicht ist eine dabei, die mich dem Zielzustand oder den Zielbedingungen näher bringt.

Sowohl bei NLP als auch bei MI stellen wir uns immer die Frage, wie mein künftiges Leben oder Ich konkret oder genau aussieht. Diese Fragen kann man besser mit Zielbedingungen als mit Aktivitäten beantworten.

Zusammenfassung

Nun haben wir alle wichtigen Begriffe für das Selbstcoaching zusammen:

  • Wir suchen uns Themen oder Bereichen, mit denen wir nicht zufrieden sind.
  • Vielleicht sind wir uns gar nicht bewusst, welche inneren Überzeugungen aus der Vergangenheit (Glaubenssätze) uns eigentlich von einem besseren Leben abhalten.
  • Wir erkunden unsere eigene Ambivalenz für und gegen eine Veränderung, um unsere eigene Veränderungsbereitschaft zu erhöhen.
  • Bevor wir in blinden Aktionismus verfallen, überlegen wir uns Zielbedingungen, die wir eigentlich erreichen wollen.
  • Wir starten kleine Schritte, um uns zu verbessern. Jeder Schritt ist nicht mehr als ein Experiment, um den Zielbedingungen näher zu kommen. Wenn wir auf Hindernisse stoßen, lernen wir wieder etwas über die Zusammenhänge. Wir passen unser inneres Bild an und probieren etwas Neues. 

Wichtige Begriffe für das Selbstcoaching

Für das Selbstcoaching reservieren wir uns jede Woche Zeit. Ein Notizbuch hilft uns dabei, uns selbst Fragen zu stellen und uns selbst Antworten zu geben. 

Literatur

  • /1/ Dilts, Robert B. (1999). Sleight of mouth. Meta Publications. und Dilts, Robert Brian. (2023). Sleight of mouth volume II: How words change worlds. Dilts Strategy Group. Der deutsche Ausgabe hat den Titel "Die Magie der Sprache". Das englische Wort sleight entspricht eigentlich dem deutschen Wort Schlauheit oder Schläue. Die Schläu der Sprache trifft es aus meiner Sicht besser.
  • /2/ Hier ist ein Prompt für den Start: Ich möchte Neurolinguistisches Programmieren nutzen, um mich selbst zu verbessern. Ich brauche Dich als erfahrenen NLP-Praktiker. Ich weiß, dass die Wirksamkeit von NLP nicht bewiesen ist. Mich interessiert die Arbeit mit Glaubenssätzen. Wie finde ich sie? Wie kann ich darüber nachdenken? Wie kann ich sie ändern? Ich finde die Ideen von Robert Dilts gut. Kannst Du mir einen Leitfaden mit Fragen erstellen, mit denen ich meine eigenen Glaubenssätze finde und bearbeiten kann? Ich habe bisher folgende Schritte bei Dilts im Buch "Sleight of mout II" gefunden: 1. Glaubenssätze identifizieren (Immer, wenn wir denken "Ich kann das nicht ...", "Ich bin nicht der Typ für .." oder "Das funktioniert bei mir nie", könnte ein Glaubenssatz dahinter stehen. Diese sammeln wir nun in unserem Notizbuch.), 2. Glaubenssatz untersuchen (Ursprung, Beweise und Gegenbeweise, Funktion (wovor schützt mich dieser Glaubenssatz?), Kosten), 3. Struktur verstehen: Auf welcher Ebene in der Pyramide ist der Satz verankert? 4. Transformation vorbereiten: Wir verändern den Glaubenssatz und stellen uns unser zukünftiges Ich vor.
  •  /3/ William Miller, Stephen Rollnick: Motivierende Gesprächsführung. Lambertus, Freiburg im Breisgau 2015
  • /4/ siehe Zuckoff, A. (2015). Finding Your Way to Change: How the Power of Motivational Interviewing Can Reveal What You Want and Help You Get There. The Guilford Press. sowie Stijn van Merendonk (2021): Motivierende Gesprächsführung kompakt: Arbeitshilfen für Therapie und Beratung
    /5/ siehe Rother, M. (2009). Toyota Kata: Managing people for improvement, adaptiveness and superior results, McGraw-Hill. Deutsche Ausgabe: Rother, M. (2013). Die Kata des Weltmarktführers: Toyotas Erfolgsmethoden (S. Kinkel, Übers.; 2. Aufl.). Campus; Rother, M. (2023). The Toyota Kata practice guide: Practicing scientific thinking skills for superior results in 20 minutes a day. McGraw-Hill Education.

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