Direkt zum Hauptbereich

Wie überprüft man den aktuellen Stand einer neuen gemeinsamen Ablage?

Ihr habt in eurem Team die individuellen, unordentlichen Ablagen auf eine gemeinsame Ablage, die nach Vorgängen und Prozessen geordnet ist, umgestellt. Woher wisst ihr, ob das wirklich funktioniert? In diesem Beitrag gibt es 10 Auditfragen.

Was ist nach der Umstellung auf die gemeinsame Ablage anders? 

Wir haben hier im Teamworkblog immer wieder Beiträge zur gemeinsamen Ablage veröffentlicht. In der einfachsten Version der Ablage gibt es für jeden laufenden Vorgang einen Ordner. Es gibt einen Ordner für die laufenden Vorgänge und einen für die abgeschlossenen Vorgänge. Wenn ein Vorgang abgeschlossen wurde, verschieben wir ihn ins Archiv.

Abb. 1: 2 laufende Vorgänge, 1 archivierter Vorgang

Da es in den meisten Organisationen viele laufende Vorgänge gibt, bündeln wir diese nach ähnlichen Abläufen, also nach Prozessen. Beim Suchen und Ablegen fragen wir uns immer: "Was mache ich gerade?". 

Wir legen so ab, dass wir stets den Überblick darüber behalten, was zu tun ist. Und wir machen die Ablage so einfach, dass wir Dokumente, die sich erledigt haben, schnell archivieren können, ohne jedes Dokument einzeln zu prüfen. Wissen über unsere wichtigen Objekte und über unser Prozesswissen werden in der Ablage besonders behandelt, damit wir sie genau dann finden, wenn wir sie brauchen.

Daraus können wir nun ein paar Fragen ableiten, um besser zu verstehen, ob die neue Ablage auch funktioniert.

Fragen zur Bewertung der neuen Ablage 

Mit den folgenden Fragen wollen wir mit den Kolleginnen und Kollegen ins Gespräch über die neue Ablage kommen.

Frage 1: Wird nach Vorgängen abgelegt? Hier kann man sich ausgewählte Vorgänge zeigen lassen.

Frage 2: Werden abgeschlossene Vorgänge nach Abschluss archiviert? Nachfragen: Wer hat archiviert? Wann passiert das?

Frage 3: Wie viele laufende Vorgänge hat das Team/die Fachabteilung gerade? Daran erkennt man, ob schon in Vorgängen gedacht wird.

Frage 4: Was sind die wichtigsten Prozesse? Welches Wissen ist für die einzelnen Prozesse wichtig? Daran erkennt man, ob das Prozesswissen auch genutzt und gepflegt wird.

Frage 5: Was sind die wichtigsten Objektkategorien? Welche Daten werden dazu aufgehoben? Für manche Prozesse gibt es Objekte mit umfangreichen Informationen. Im Personalbereich sind das Personalakten, in einer Werkstatt Maschinenakten, in einer Verwaltung Maßnahmenakten, in einer Zeichenabteilung ein Katalog mit CAD-Zeichnungen.

Frage 6: Sind die Akten der Objekte "sauber"? Akten sollen nur über Änderungsvorgänge verändert werden, d. h. in den Akten liegen keine Vorgänge, die die Ablage wieder unübersichtlich machen würden.

Frage 7: Wie behalten die Bearbeiter:innen in komplexen Vorgängen die Übersicht? Auch innerhalb der Vorgänge soll so abgelegt werden, dass man zusammengehörige Dokumente (z. B. in offenen Punkten) bündelt und lokal archiviert.

Frage 8: Werden auch E-Mails abgelegt? E-Mails müssen zusammen mit den anderen Dokumenten im Vorgang abgelegt werden. So werden Vorgänge nachvollziehbar. Bei Rückfragen geht keine große Sucherei los. Alles liegt an einer Stelle. Die Postfächer sind leer.

Frage 9: Greift noch jemand schreibend auf die alte Ablage zu? Alte Dokumente werden meist nicht umgezogen. Der Aufwand lohnt sich selten. Neue Vorgänge liegen in der neuen Ablage. Vorgänge, die kurz vorm Abschluss stehen, bleiben in der alten Ablage.

Frage 10: Sind die Dokumente mit dem Aktenplan und den Ablageregeln des Teams aktuell? Eine Ablage verändert sich ständig. Die Beteiligten sollten wissen, wo sie die vereinbarten Regeln finden. 

Ablauf einer Bewertung

Es hat sich bewährt, die Ablage mit DMS-Paten, Ablagebeauftragten und/oder Führungskräften gemeinsam anzusehen. Vor dem Termin kann man rechtzeitig einen Selbstbewertungsbogen an alle verschicken, die mit der Ablage arbeiten. Hier sind Beispielfragen:

  • Frage 1: Ich arbeite mit der neuen Ablage. [ja/nein]
  • Frage 2: Ich finde meine Dokumente [immer/meistens/selten/nie].
  • Frage 3: Ich finde die Dokumente der ANDEREN, wenn ich sie brauche: [immer/meistens/selten/nie/Meistens]
  • Frage 4: Ich lege MEINE Dokumente ab ... [Immer in der neuen Struktur/Meistens/Selten/Ich benutze sie nicht]
  • Frage 5: Unser Umgang im Team mit E-Mails und Aufgaben hat sich verändert. [Ja, es ist besser geworden/Ja, aber es ist jetzt schlechter als vorher./Nein, ich habe keine Veränderung bemerkt.] 
  • Frage 6: Ich archiviere regelmäßig meine abgeschlossenen Vorgänge, bzw. ich bekomme mit, dass andere ihre Vorgänge regelmäßig aufräumen [ja/nein]
  • Frage 7: Ich habe noch folgende, konkrete Fragen zur Ablage.
  • Frage 8: Das gefällt mir bisher ganz gut an der neuen Struktur.

Zu Beginn des Bewertungstermins schaut man sich die Ergebnisse der Umfragen. Danach gibt es vielleicht offene Fragen zur Ablage, die zu klären sind.

Anschließend gehen die Beteiligten die o. g. zehn Fragen durch. Sie notieren den Handlungsbedarf und vereinbaren die nächsten Termine.

Was wir oft sehen

Hier sind ein paar Punkte, die immer wieder auffallen:

  • Prozess und Vorgang wird verwechselt. Ein Vorgang ist immer konkret; hat einen Auslöser und ein Ergebnis und oft einen konkreten Objektbezug. Ein Prozess ist ein Ordner für die Vorgänge, die ähnlich ablaufen.
  • Es fehlen Prozesse. Deshalb wurden einige Vorgänge nicht an der richtigen Stelle angelegt.
  • Alte Vorgänge wurden bisher nicht archiviert.
  • Es gibt noch Unordnung in komplexen Vorgängen. Die kritische Frage lautet: "Woher erkennst Du an der Ablage, was als nächstes zu tun ist?" 
  • Es gibt keine Dokumente für die Aktenstruktur und die gemeinsamen Teamregeln oder diese Dokumente sind nicht aktuell. (Diese Dokumente muss es auch nicht geben, wenn wirklich alle wissen, was vereinbart wurde.) 
Die Ablage ist kein Selbstzweck. Sie soll den Beteiligten helfen, ohne viele zusätzliche Listen den Überblick zu behalten und Vorgänge schnell abzuschließen. Wenn jemand meint, seine Vorgänge seien komplex, stimmt meist nur die Ablagestruktur nicht.


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Die Profi-Tools im Windows-Explorer

Haben Sie bei der Urlaubsvertretung sich manches Mal geärgert, wenn Sie Dateien gesucht haben, die ein Teammitglied abgelegt hat? Die Suche im Explorer funktioniert tadellos, aber manchmal sollte man den Suchbegriff noch ein bisschen genauer fassen können. Z.B. mit UND oder ODER oder NICHT... Das geht so einfach, dann man von alleine kaum drauf kommt:

Warum du als Führungskraft klügere Mitarbeiter einstellen solltest (und Mikromanagement dein größter Fehler ist)

Es ist einer der am häufigsten zitierten Führungsratschläge: Umgib dich mit Menschen, die klüger sind als du. Und einer der am seltensten wirklich befolgten. Warum? Weil er sich leichter sagt, als er sich anfühlt.

Unternehmenskultur frisst Agilität zum Frühstück

Zyklische Abfolgen sind an vielen Stellen im Leben beobachtbar: Wiederkehrende vier Jahreszeiten, alte Songs, die plötzlich als Cover-Versionen wieder auf den Markt kommen (Jugendliche identifizieren diese dann als "Grundform", denn sie kennen das Original nicht), erst Karottenjeans, dann wieder Hosen mit Schlag, dann wieder Karotte, in der Politik Republikaner, Demokrat, Republikaner, Demokrat..., Hardliner-Papst, Vermittler-Papst... - alles kommt in regelmäßigen Abständen wieder. So auch die Erkenntnis, was man alles tun müsste, um in Unternehmen wirklich agil arbeiten zu können. Warum aber gelingt die Installation agiler Zusammenarbeit in größeren Unternehmen bis heute so wenig zufriedenstellend? Werden dabei vielleicht Aspekte immer noch zu wenig gesehen?

Das Ubongo Flow Game

Spiele bieten eine gute Gelegenheit, zeitliche Erfahrungen zu verdichten und gemeinsam zu lernen. Karl Scotland und Sallyann Freudenberg haben im Mai 2014 das Lego Flow Game veröffentlicht. Wir haben die Spielidee übernommen, aber das Spielmaterial gewechselt. Statt Legosteinen benutzen wir Material aus Grzegorz Rejchtmans Ubongo-Spiel. Hier präsentieren wir die Anleitung für das Ubongo Flow Game.

Microsoft Teams: Die neuen Besprechungsnotizen - Loop-Komponenten

  Haben Sie in letzter Zeit in einer Teams-Besprechung die Notizen geöffnet? Dort sind inzwischen die Loop-Komponenten hinterlegt. Die sind zwar etwas nützlicher als das, was zuvor zur Verfügung stand. Trotzdem ist noch Luft nach oben. Und es gibt sogar einige ernstzunehmende Stolperfallen. Hier ein erster, kritischer Blick auf das was Sie damit tun können. Und auch darauf, was Sie besser sein lassen.

Coaching- und Führungsframeworks im Überblick: 21 Linsen für Teams und Organisationen

Gute Scrum Master:innen und Coaches betrachten das Geschehen durch mehr als eine Brille oder Linse. Jede Linse gibt andere Hinweise für angemessene Interventionen. Im Prinzip suchen wir immer nach der kleinsten Intervention mit der größten Wirkung. Aber welche Linsen gibt es eigenlich? In diesem längeren Beitrag stelle ich die wichtigsten 21 Konzepte von 37 Autor:innen vor, die mir bei der Recherche begegnet sind.

Warum Veränderungsinitiativen scheitern - und wie Du veränderungsresistente Strukturen knackst

[TL;DR] Viele Veränderungsinitiativen stossen auf harten Widerstand - nicht weil die Idee der Veränderung oder das Zielbild schlecht ist, sondern weil Organisationen wie Tensegrity-Strukturen funktionieren: hochgradig vernetzt, unter Spannung, systemisch. Wer das versteht, geht Veränderung anders an. Hast Du schon mal von Tensegrity Strukturen gehört? Nimm Dir doch mal kurz Zeit und schau Dir das Video an. Dann hast Du's sofort im Kopf. Und wenn Du die 58 Sekunden nicht hast und lieber weiterliest: Tensegrity-Strukturen sind faszinierende Gebilde aus schwebenden Stäben und Seilen, bei denen sich kein Stab direkt berührt - und trotzdem hält das ganze Ding sehr resilient gegen Störungen zusammen. Ich bin Tensegrity-Strukturen zuerst in einem ganz anderen Zusammenhang begegnet - in der Trainingslehre. Der menschliche Körper wird nämlich von einer solchen Struktur aus Zug und Druck - Muskeln, Faszien, Sehnen - permanent im Gleichgewicht gehalten. Das Elegante daran: Stabilität entsteh...

Office-Hacks - Sammlung Teil 2: OneNote und PowerPoint

Immer wieder werde ich nach speziellen Hacks, Tipps und Tricks gefragt, die einem die Arbeit mit MS-Office-Produkten erleichtern. Also habe ich eine zeitlose Sammlung von kleinen Handgriffen zusammengestellt, die in meinen Seminaren oft für erhellende AHA-Momente sorgen. Dies ist der zweite Teil meiner kleinen Serie mit OneNote und  PowerPoint. Der erste Teil hat Outlook und Teams behandelt;  Word, und Excel werden folgen.

Kategorien in Outlook - für das Team nutzen

Kennen Sie die Kategorien in Outlook? Nutzen Sie diese? Wenn ja wofür? Wenn ich diese Fragen im Seminar stelle, sehe ich oft hochgezogene Augenbrauen. Kaum jemand weiß, was man eigentlich mit diesen Kategorien machen kann und wofür sie nützlich sind. Dieser Blogartikel stellt sie Ihnen vor.

Neuer Scrum Master? Mit drei einfachen Fragen sofort wirksamer werden (drei praktische Linsen)

Es gibt eine Vielzahl von Linsen, durch die Scrum Master:innen und Agile Coaches auf die Arbeit eines Teams schauen können. Man muss sich aber auch mit ihnen beschäftigen, um gut zu sehen. Gibt es vielleicht Linsen, die neue Scrum Master:innen schnell benutzen und lernen können? Ja, die gibt es und sie haben ihre Nützlichkeit 1,7 Mio. mal bewiesen. Aber fast kein Scrum Master kennt sie.