Direkt zum Hauptbereich

Eine Alternative zu SAFe, die Teams selbst gestalten können

Beim Scaled Agile Framework (kurz SAFe) scheiden sich die Geister. Einige sehen es als Hilfe für große Unternehmen. Für andere hat SAFe gar nichts mit Agilität zu tun. Es gibt andere Strukturmodelle wie Scrum @ Scale, Scaled Professional Scrum (Nexus), LeSS oder DAD. Aber es gibt einen viel einfacheren Weg zur Skalierung, den Teams selbst steuern können.

Im Lean Coffee am 05.07.2022 hatten wir eine schöne Diskussion über die Alternative zu SAFe. Danke Doris für dieses Thema.

SAFe ist schwierig

Ich finde SAFe toll. Es macht einen Vorschlag, wie die Geschäftsführung eines Unternehmens Geld und Zeit einsetzen will, um die Ziele des Unternehmens zu erreichen. Ich mag auch das PI-Planning, bei wirklich alle Beteiligten mal im Quartal zusammenkommen, um die weitere Planung abzustimmen.

Ich finde SAFe schrecklich, weil eine Organisation nur mit sich selbst beschäftigt ist. SAFe macht viele Menschen richtig unglücklich. (Doris hat dazu etwas in diesem Beitrag geschrieben. /1/)

Ich habe für mich das Fazit gezogen, dass ich in keine SAFe-Projekte hineingezogen werden möchte.

Warum SAFe so verlockend ist

Ich habe einige Leute getroffen, die sich stark für Strukturen machen, wie SAFe sie vorschlägt. Sie argumentieren, dass ihre Produkte so komplex sind und dass man viele Spezialisten braucht, um etwas zu bauen. Diese Leute brauchen eine Struktur. SAFe macht hier ein Angebot. Für viele Manager bietet SAFe eine Lösung, die zur Komplexität des Produktes passt.

Und hier liegt der Ansatz zur Lösung ohne SAFe.

Wir brauchen mehr Experten

Große Unternehmen unterhalten komplizierte Strukturen, weil sie zu wenig Spezialisten haben. Um die Struktur vom Bauen zu trennen, brauchen wir mehr Experten.

Die Teammitglieder können anfangen, sich gegenseitig auszubilden. Der Aufwand ist nicht höher als der, sich mit SAFe herumzuschlagen. Diese Verantwortung liegt bei den Teams. Mit dem Buch Toyota Talent gibt es ausreichend Anleitung, wie man so etwas organisiert. /2/

Expertise aufbauen braucht Zeit. Aber ich stimme nicht der Aussage zu, dass es ohne hochspezialisierte Leute nicht geht. Denn dies würde ja bedeuten, dass man keine neuen Leute ausbilden kann, dass niemals Fehler auftreten und dass man niemals Projekte gemeinsam machen kann. Für mich ist das eine Ausrede, eine Schutzbehauptung, nichts ändern zu wollen.

Bild von Diggity Marketing auf Pixabay

Wir brauchen mehr Automatisierung und Unterstützung beim Bauen

SAFe (und ähnliche Strukturen) argumentieren, dass ein Team allein nichts bauen kann. Warum muss das so bleiben? Mit Continuous Delivery und DevOps gibt es praktische Anleitungen, um das Bauen zu automatisieren. /3, 4/

Auch hier können sich die Teams im Rahmen von regelmäßigen Open Spaces zusammentun. Sie können die Hindernisse herausfinden und Lösungen entwickeln. Ziel muss sein, dass jedes Team autark neue Features hinzufügen kann.

Damit wir nicht auf komplizierte Strukturen von SAFe angewiesen sind brauchen wir also 2 Dinge:

  • Wir bilden uns in den Unternehmen viel stärker gegenseitig aus, damit wir nicht von einzelnen Spezialisten abhängig sind.
  • Wir automatisieren das Bauen, damit jedes Team autark ausliefern kann.

Ziel sind kleine, autonome, interdisziplinäre Teams. 

Jetzt muss die Organisation noch klären, an welchen Themen sie arbeiten will. Dazu gibt es neben SAFe auch andere Ideen: Flightlevel, Executive MetaScrum, Hoshin Kanri, OKRs. Ich finde für solche Klärungen auch Open Spaces gut.

Literatur

  • /1/ Doris Weißgerber: Safe mit SAFe?, Teamworkblog, erschienen am 17. Mrz 2022, abrufbar unter https://www.teamworkblog.de/2022/03/safe-mit-safe.html 
  • /2/ Liker, Jeffrey K. ; Meier, David: Toyota Talent : Developing Your People the Toyota Way. Madison: McGraw Hill Professional, 2007. Deutsche Ausgabe: Liker, Jeffrey K. ; Meier, David P.: Toyota Talent : Erfolgsfaktor Mitarbeiter - wie man das Potenzial seiner Angestellten entdeckt und fördert. M: FinanzBuch, 2007.
  • /3/ Humble, Jez ; Farley, David: Continuous Delivery : Reliable Software Releases through Build, Test, and Deployment Automation. Amsterdam: Pearson Education, 2010.
  • /4/ Kim, Gene ; Debois, Patrick ; Humble, Jez ; Forsgren, Nicole ; technology), John Willis (Writer on information: The DevOps Handbook, Second Edition : How to Create World-Class Speed, Reliability, and Security in Technology Organizations. Portland, Oregon: It Revolution Press, 2021.


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Vom geheimen Anderssein in (deutschen) Unternehmen

Vielleicht kennen einige noch die Werbung einer Orangenlimonadenfirma aus den 80er Jahren: "Sind wir nicht alle ein bisschen bluna?" Dieses Wissen, metaphorisch gesprochen, setzt sich sehr zögerlich immer mehr im öffentlichen Bewusstsein fest: unsere Hirne sind nicht alle gleich. Im Arbeitskontext kann es zu nicht verstandenen Konflikten kommen, wenn alle über einen Kamm geschoren werden. Außerdem wundern sich Krankenkassen über steigende Ausgaben wegen Depressionen, Burnouts und Angstzuständen ihrer Mitglieder. Dafür könnte es Gründe geben, die weitgehend noch im Dunkeln zu liegen scheinen.

Die Profi-Tools im Windows-Explorer

Haben Sie bei der Urlaubsvertretung sich manches Mal geärgert, wenn Sie Dateien gesucht haben, die ein Teammitglied abgelegt hat? Die Suche im Explorer funktioniert tadellos, aber manchmal sollte man den Suchbegriff noch ein bisschen genauer fassen können. Z.B. mit UND oder ODER oder NICHT... Das geht so einfach, dann man von alleine kaum drauf kommt:

Das Ubongo Flow Game

Spiele bieten eine gute Gelegenheit, zeitliche Erfahrungen zu verdichten und gemeinsam zu lernen. Karl Scotland und Sallyann Freudenberg haben im Mai 2014 das Lego Flow Game veröffentlicht. Wir haben die Spielidee übernommen, aber das Spielmaterial gewechselt. Statt Legosteinen benutzen wir Material aus Grzegorz Rejchtmans Ubongo-Spiel. Hier präsentieren wir die Anleitung für das Ubongo Flow Game.

Warum du als Führungskraft klügere Mitarbeiter einstellen solltest (und Mikromanagement dein größter Fehler ist)

Es ist einer der am häufigsten zitierten Führungsratschläge: Umgib dich mit Menschen, die klüger sind als du. Und einer der am seltensten wirklich befolgten. Warum? Weil er sich leichter sagt, als er sich anfühlt.

Microsoft Teams: Die neuen Besprechungsnotizen - Loop-Komponenten

  Haben Sie in letzter Zeit in einer Teams-Besprechung die Notizen geöffnet? Dort sind inzwischen die Loop-Komponenten hinterlegt. Die sind zwar etwas nützlicher als das, was zuvor zur Verfügung stand. Trotzdem ist noch Luft nach oben. Und es gibt sogar einige ernstzunehmende Stolperfallen. Hier ein erster, kritischer Blick auf das was Sie damit tun können. Und auch darauf, was Sie besser sein lassen.

The Ubongo Flow Game (instruction and templates)

Games are a good opportunity to condense temporal experiences and learn together. Karl Scotland and Sallyann Freudenberg published their Lego Flow Game in May 2014. We took the game's main idea, and changed the material. Instead of Legos we use the material of Gregorz Rejchtman's Ubongo Game. These are the instructions of the Ubongo Flow Game.

Kategorien in Outlook - für das Team nutzen

Kennen Sie die Kategorien in Outlook? Nutzen Sie diese? Wenn ja wofür? Wenn ich diese Fragen im Seminar stelle, sehe ich oft hochgezogene Augenbrauen. Kaum jemand weiß, was man eigentlich mit diesen Kategorien machen kann und wofür sie nützlich sind. Dieser Blogartikel stellt sie Ihnen vor.

Kleine Schritte in die Zukunft

Wie erreiche ich meine Ziele im neuen Jahr? Ich habe früher gedacht, dass ich große Kraft und Disziplin aufbringen muss, um meine Ziele zu erreichen. Aber damit war ich nicht erfolgreich. Ich habe einen besseren Weg in zwei Büchern gefunden, die ich in diesem Beitrag teilen möchte. Darin habe ich zwei gute Begründungen gefunden, warum der einfachere Weg mit kleinen Schritten besser funktioniert.

Wenn das Gehirn lügt: Cognitive Biases und warum sie Teamarbeit sabotieren (Cognitive Biases Teil 1/3: Confirmation Bias)

In meiner Arbeit als Agile Coach beobachte ich immer wieder, wie kluge, gut ausgebildete Menschen in Teams Entscheidungen treffen, die im Nachhinein kaum nachvollziehbar scheinen. Nicht weil sie unaufmerksam waren oder schlechte Absichten hatten – sondern weil unser Gehirn uns systematisch in die Irre führt. Ich habe lange gedacht, das sei vor allem eine individuelle Herausforderung. Mittlerweile bin ich überzeugt: Es ist eine kollektive. Und man kann etwas dagegen tun.