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Wer liest, hat mehr vom Buch #8: Lean

Welche Bücher waren oder sind für mich und für meine Arbeit hilfreich, prägend und wichtig? Dieses Mal eine Bücherliste*/1/ zur Frage: Lean? What‘s that supposed to mean? Oder schlicht: Was ist Lean? Wie funktioniert's? So ganz grundsätzlich.
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Über Lean lässt sich viel lesen. Oder man liest weniger, dafür das Richtige. 😀 Viele von den unten stehenden Literaturhinweisen verdanke ich Jan Fischbach. Danke dafür! (Jan hat übrigens vor einiger Zeit hier im Blog eine eigene Literaturliste zu Lean im Blog veröffentlicht.)/2/

“Ich war froh, schnell antworten zu können, und das tat ich auch. Ich sagte, dass ich es nicht wüsste.” (Mark Twain)


Ohno, Taiichi: Workplace Management. New York: Productivity Press, 1988.
Und: Ohno, Taiichi: Toyota Production System. Beyond Large-Scale Production. Portland, 1988.


Buchcover von Taiichi Ohno "Workplace Management"
Wer sich mit Lean beschäftigt, kommt nicht umhin, sich mit Toyota zu beschäftigen. Denn dort beginnt Lean. Zumindest jenes Lean, wie wir es heute meist verstehen. Taiichi Ohno prägte mit seinem Verständnis von effektivem Wirtschaften und seinen konkreten Ideen für die Organisation von Massenproduktion über Jahrzehnte die Toyota-Firmenkultur und -organisation. Maximal rentabel, wettbewerbsfähig, nachhaltig und flexibel sollte sie sein. Wie werden die Abläufe gestaltet, damit sie möglichst effizient UND effektiv ineinandergreifen? Einige von Toyotas Antworten sind genauso berühmt wie legendär: Just-in-Time, Kanban und „Automation with a human touch“.

"Just because somebody is moving does not mean he is working." (Taiichi Ohno)
 
Die Bücher „Toyota Production System“ und „Workplace Management“ erklären Taiichi Ohnos Philosophie, seine Prinzipien und auch wie sie sich entwickelten und umgesetzt wurden. Auch, was das für die Organisation und deren Kultur bedeutet.

Und auch, wer verstehen möchte, was das Toyota Production System im Detail ausmacht, wie das grundsätzlich funktioniert und warum Toyota so arbeitet, kommt auf seine Kosten (vor allem natürlich in „Toyota Production System“).

Buchcover von Taiichi Ohno Toyota Production Management
Alle, die ihren ohnehin großen Lesestapel jetzt unter der Last umfangreicher Lean-Literatur zusammenbrechen sehen, kann ich beruhigen: Taiichi Ohno vermutete (wohl zurecht), dass vor allem beschäftigte Manager nur dann Bücher lesen, wenn sie kurz und verständlich geschrieben wären. Entsprechend "managerfreundlich" verfasste er seine Bücher. Das kommt uns heute noch zugute, die Bücher hat man schnell durch.

Es lohnt sich allerdings, sie immer wieder mal zu lesen. Bei jedem Lesen kann man eine neue bis dato nicht oder nur halbverstandene Komponente des Lean-Ansatzes entdecken. Und: Die Ansätze sind auch heute noch wahnsinnig aktuell und wirken sehr modern. Das kann durchaus überraschen. Schließlich wurden die Grundideen Mitte des letzten Jahrhunderts entwickelt. Beide Bücher fanden in den 1980er Jahren in englischer Sprache ihren Weg in die westliche Managementwelt. Erstaunlich, dass sie sich nicht schneller weiter verbreitet haben (wer sich fragt, woran das liegt, der kann einmal hier reinlesen: Bob Emiliani: The Triumph of Classical Management Over Lean Management. How Tradition Prevails and what to Do about it. O.O, 2018.)

Wenn Ihr also den Quellcode von Sutherlands/Schwabers Scrum und Andersons Kanban entziffern wollt und verstehen wollt, was dahinter steckt: Bei Taiichi Ohno beginnt alles. 

"Improving efficiency makes sense only when it is tied to cost reduction." (Taiichi Ohno)
 
(Erwähnte ich bereits, dass es sich lohnt, Taiichi Ohnos Bücher immer und immer wieder zu lesen?)


Ballé, Michael u.a.: The Lean Strategy: Using Lean to Create Competitive Advantage, Unleash Innovation, and Deliver Sustainable Growth. Madison, 2017.

 
Buchcover von "The Lean Strategy"
Um Lean vom Grundsatz her zu verstehen, reichen ja eigentlich Taiichi Ohnos Bücher vollkommen aus (die Praktiker, also die Umsetzer und praktischen Begleiter unter euch seien auch noch auf Mike Rothers Buch verwiesen, s.u.). Wer eine Ahnung davon bekommen will, wie die Ideen von Toyota zum (westlich geprägten) Lean Management System geworden sind, und wer auch verstehen will, was das im Detail heißt, pfeiffe sich gerne dieses Buch von ausgewiesenen Lean-Spezialisten rund um Michael Ballé rein. Das Buch ist ein guter Überzieher darüber, was es heißt, Unternehmen lean aufzustellen und zu führen. Zuträglich ist dem Buch definitiv, dass mehrere Autoren daran geschrieben haben. So kommen viele anschauliche Erfahrungsberichte und Sichtweisen zusammen, die helfen zu verstehen, wie vielfältig Lean sein kann.

"Lean thinking is a cognitive revolution first, one that inevitably leads to an organizational one. It's about learning new thinking and doing skills (and indeed, learning by doing) to come to grips with business situations differently and look for new, innovative, not-thought-of-before ways of better solving our problems, with all employees, not against them." (aus: "The Lean Strategy")

Im Vergleich mit Ohnos Büchern wird allerdings auch deutlich: Lean ist nicht nur ein Strategie- und Organisationsinstrument. Es ist auch: Ein Produkt der Beraterbranche. Aber das ist eine andere Geschichte... 
 
 "The root idea of all Lean thinking is kaizen: continuous, small step-by-step improvements done by the people who do the work themselves." (aus: "The Lean Strategy")

Byrne, Art: The Lean Turnaround. Madison, 2012.


Buchcover von Art Byrne "The Lean Turnaround"
Lean ist von den allgemeinen Prinzipien und Praktiken einfach zu verstehen, wenngleich es uns oft konterintuitiv vorkommt, weil wir von unserer Kultur und Ausbildung anderes sozialisiert sind. In den grundsätzlichen Strukturen ist es aber dennoch einleuchtend, auch wenn manches zu schön klingt, um wahr zu sein. Also fragt sich der geneigte Leser: Wie geht das in der Praxis? Wie gestalte ich eine Unternehmung um? Was bedeutet das? Was bringt das mit sich.

Art Byrne hat genau das getan, wovon so viele reden und auch träumen: Er hat Unternehmen lean geführt. Darüber berichtet er recht detailliert in seinem Buch „The Lean Turnaraound“. Warum ist was geschehen? Welche Maßnahmen wurden ergriffen und welche Tools aus der Lean-Welt wurden angewendet? Welche Effekte und Konsequenzen hatte das? Welche Lehren hat er mit seinen KollegInnen daraus gezogen? 
 
 "The typical CEO is going to say, 'Gee, I’m the CEO. Why do I have to become a Lean expert? I can hire someone or use a consultant for that.' This is clinging to their traditional management approach where this is the way things are done: give orders, hire the expertise you need, and stay ot of the nitty-gritty." (Art Byrne)
 
Für wen ist dieses Buch geeignet? Für alle,
  • die keine Angst davor haben, sich zu hinterfragen und auch die Weise, wie sie denken und handeln. 
  • die wissen wollen, wie Lean-Praxis aussieht (vor allem auch aus der Warte des Managements)
  • die sich inspirieren lassen wollen, wie eine gute, Leistungs- und eine auf Rentabilität orientierte Firmenkultur aussehen kann
  • die sich fragen, wie sie sich, das Team oder die Unternehmung flexibler, agiler zukunftsfähiger machen können 
  • die einen Lean-Change machen wollen und sich fragen, wie das geht
  • die sich motivieren lassen wollen. Denn motivierend ist Byrnes Buch in jedem Fall.
Kurzum: Alle Praktiker, die JETZT Probleme zu lösen haben und sich nicht wieder dem immerselben Restrukturierungsgedöns hingeben wollen, sondern diesmal wirklich etwas ändern möchten und deshalb auf der Suche nach guten Ideen sind, all diese Leute lesen bitte dieses Buch!

"Oh, and by the way, any Lean consultant that is worth hiring knows that he/she can't get results unless the CEO is fully committed and driving the change. If a Lean consultant senses you are not, don't be surprised if he/she comes in one day and fires you as a client. Even in the area of consultants, Lean is 180 degrees from the traditional approach." (Art Byrne)

Rother, Mike: Die Kata des Weltmarktführers. Toyotas Erfolgsmethoden. Frankfurt am Main, 2013.

 
Buchcover von Mike Rother "Die Kata des Wletmarktführers"

Taiichi Ohno und Art Byrne eröffnen eine detaillierte Management-Sicht auf Lean. Ballé und KollegInnen nehmen eher eine Berater-Perspektive ein. Mike Rother hingegen möchte es konkreter wissen: Was machen die Menschen in ihrer Zusammenarbeit anders? Was tun sie? Wie? Warum? Was ist anders als anderswo? Wie funktioniert das Toyota-geprägte Lean-System im Tagtäglichen? Wie gehen Vorgesetzte anders mit ihren Teams um und umgekehrt? Wer hat welche Rolle mit welchen Verantwortungen? Wie werden sie wahrgenommen und gelebt?

Mike Rother für uns dorthin, wo die Arbeit erledigt wird ("Going to the Gemba"), schaut genau hin, macht sich und uns einen Reim daraus und erklärt uns, was da wie passiert und zu welchem Zweck. Dabei sieht er sich die Kata an, also jene Verhaltens- und Herangehens-Muster, mit welchen Toyota seine alltäglichen Business-Hindernisse bearbeitet und überwindet. 
 
 "Denken Sie daran: Die Fähigkeit eines Unternehmens, konkurrenzfähig zu sein und zu überleben, liegt nicht so sehr in den Lösungen selbst, sondern in der Fähigkeit der Menschen in der Organisation, eine Situation zu verstehen und Lösungen zu entwickeln. Und die Ortganisation muss keineswegs perfekt sein, sondern in den Bereichen Produkt oder Service lediglich einen Vorsprung vor ihren Konkurrenten haben." (Mike Rother)
 
Herauskommt dabei nicht nur das „How to“-Handbuch für alle, die Lean umsetzen wollen. Mike Rothers Buch ist für mich auch die eine Profi-Werkzeugkiste, die ich in meiner Arbeit - auch im nicht-lean Umfeld, ständig brauche. (Es heißt, Rothers Buch sei das einzige, das den „Toyota Way of Doing Things“ am nächsten kommt.)

Indem Mike Rother die Kata erläutert, beantwortet er natürlich auch die Frage, wie Organisationen insgesamt und strukturiert zu nachhaltigen Lösungen finden. Für mich wirklich unverzichtbar. Pflichtlektüre und Nachschlagewerk für alle Führungungskräfte, Berater, Teamcoaches und -begleiter, die es ernst meinen mit ihrer Verantwortung. 

Wenn ich mich für ein einziges Coaching-Buch entscheiden müsste, ich würde dieses behalten.

Schwaber, Ken; Sutherland, Jeff: The Scrum Guide. The Definitive Guide to Scrum: The Rules of the Game. o.O. 2020.
Und: Sutherland, Jeff: Scrum. The Art of Doing Twice the Work in Half the Time, New York, 2014. (Dt. "Die Scrum-Revolution")

 
Buchcover von Jeff Sutherland "Scrum - The Art of Doing Twice The Work In Half The Time"
Warum Scrum-Literatur in einer Liste für Lean? Weil Scrum im Grunde ein Lean-Framework ist, das für spezielle Anwendungsfälle da ist und deshalb "nur" unter der eigenen Flagge "Agile" segelt (und sich so vielleicht auch besser vermarkten lässt?).
 
 "Just because everyone has always told you that's the way the world works doesn't mean they're right. There IS a different way of doing things - a different way of working." (Jeff Sutherland)
 
Wie auch immer: Scrum ist jedenfalls gelungen, was Lean über ein halbes Jahrhundert verwehrt blieb: Sich als Idee, Muster, und Organisationsform signifikant zu verbreiten. Noch ist zwar auch für Scrum nicht ganz ausgemacht, ob ihm nicht dasselbe Schicksal zuteil wird, ob Scrum (bzw. Agile) also tatsächlich gekommen ist, um zu bleiben. Denn längst schon treten klassische Managementansätze auf den Plan, um Agile teils sehr erfolgreich wieder zurückzudrängen. Insgesamt aber experimentieren viel mehr Unternehmen in viel mehr Bereichen mit Scrum (bzw. Agile) als sie es jemals zuvor mit Lean getan haben.
 
Doch ob es nun Scrum, Agile oder Lean heißt: Wichtig ist, dass die zugrundeliegenden Ideen möglichst breit in die Welt getragen werden und sich so hoffentlich verankern. Denn: Auch wenn es aus Jeff Sutherlands und Ken Schwabers Worten - auch in diesem Buch - nicht immer hervorgeht (weil sie dazu neigen, prozess-, effizienz- und renditeorientiert zu argumentieren), so geht es Agile wie auch ganz besonders Ohno-geprägtem Lean im Grunde doch um NACHHALTIGES Wirtschaften mit MENSCHLICHEM Ansatz. Darum, ECHTE Werte zu schaffen, ohne Überflüssiges zu produzieren oder materielle oder menschliche Ressourcen zu verschwenden. Es geht eben NICHT darum, blind Masse nur um der Masse oder der Kostenersparnis willen zu produzieren. Sondern darum, nur das zu erarbeiten, was es auch wert ist zu erarbeiten. Und zwar nur mit dem nötigsten Aufwand OHNE Verschwendung. Und es geht darum, permanent dazuzulernen und sich anzupassen. Als gesamte Unternehmung, die als Gemeinschaft von Menschen verstanden wird. 
 
 "Don't just get better; get better constantly. How you get there is to be constantly creating experiments to see if you can achieve improvement. What if I change this one thing?" (Jeff Sutherland)
 
Wie das mit Scrum funktioniert, lesen sie im sehr übersichtlichen und leicht zu verstehenden Scrum-Guide. Ein bisschen ausführlicher erfahren das Leser von Jeff Sutherlands Buch, das sich schon lohnt, um eben zu verstehen, warum das Scrum Framework so ist, wie es eben ist.


Edgars eigener Blog: www.trellisterium.de
Edgars Podcast: trellisterium.podbean.com 

Edgar Rodehack ist Teamwork-Enthusiast mit einem Faible für agile Formen der Zusammenarbeit. Da trifft es sich natürlich gut, dass er das beruflich macht. Er ist Organisationsberater, Business und Agile Coach, Teamentwickler und Moderator. Außerdem ist er ein Mensch mit Frau und drei Kindern, der viel Spaß am Musikmachen, Schreiben und Lesen hat. Mehr über ihn: www.rodehack.de





Anmerkungen und Links

 

Die empfohlene Literatur auf einen Blick

  • Ballé, Michael u.a.: The Lean Strategy: Using Lean to Create Competitive Advantage, Unleash Innovation, and Deliver Sustainable Growth. Madison, 2017. 
  • Byrne, Art: The Lean Turnaround. Madison, 2012. 
  • Emiliani, Bob Emiliani: The Triumph of Classical Management Over Lean Management. How Tradition Prevails and what to Do about it. O.O, 2018.
  • Ohno, Taiichi: Toyota Production System. Beyond Large-Scale Production. Portland, 1988. 
  • Ohno, Taiichi: Workplace Management. New York: Productivity Press, 1988.
  • Rother, Mike: Die Kata des Weltmarktführers. Toyotas Erfolgsmethoden. Frankfurt am Main, 2013. 
  • Schwaber, Ken; Sutherland, Jeff: The Scrum Guide. The Definitive Guide to Scrum: The Rules of the Game. o.O. 2020.
  • Sutherland, Jeff: Scrum. The Art of Doing Twice the Work in Half the Time, New York, 2014. (Dt. "Die Scrum-Revolution")

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