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Wer liest, hat mehr vom Buch #3: Achtsamkeit

Welche Bücher waren oder sind für mich persönlich und für meine Arbeit hilfreich, prägend und wichtig? Hier eine weitere kommentierte Liste* aus der Reihe./1/ Diesmal: Bücher über Achtsamkeit. Ja, genau jener lukrative Lifestyle-Trend und Produkt der Berater- und Gesundheitsindustrie. Genau jenes (manchmal sogar überlebens-) wichtige Thema.
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Bauer, Joachim: Das Gedächtnis des Körpers. Wie Beziehungen und Lebensstile unsere Gene steuern. München, 2014.


Wie kommt es dazu, dass wir so sind, wie wir sind? Dass wir uns so verhalten, wie wir uns verhalten? Welche Rolle spielt dabei unsere genetische Disposition und sonstige vererbte persönliche Ausstattung? Welchen Einfluss hat zudem unser Lebensstil auf unser Wohlbefinden? Was hat das alles mit einer achtsamen Lebensweise und vor allem unserem Körper zu tun? Joachim Bauer, seines Zeichens Mediziner, Neurowissenschaftler, Molekularbiologe, Internist, Psychiater, Facharzt für Psychotherapeutische Medizin und außerdem noch begnadeter Publizist und Redner klärt uns kenntnisreich und fundiert auf. Einige Aha-Momente sind garantiert. 

Berzbach, Frank: Die Kunst, ein kreatives Leben zu führen. Oder Anregung zu Achtsamkeit. Mainz, 2013.


Ja, ich weiß, ich habe dieses Buch schon einmal empfohlen (nämlich hier). Ich tue dies hier aber noch einmal. Und zwar deshalb, weil ich will, dass es viele Leser findet. Und natürlich auch, weil es auch in diesem Kontext passt. Frank Berzbach ist genialer Autor, der mit diesem Buch all jenen hilft, die mit ihrem kreativen Wesen in unserer zwanghaften und durchstrukturierten Welt immer mal wieder anecken, an sich zweifeln und manchmal vielleicht sogar nah dran sind zu verzweifeln. Berzbach geht das Thema auf die einzig richtige Art und weise an. Nämlich genauso vielschichtig wie Menschen nun mal sind: Philosophisch, psychologisch, spirituell und vor allem: pragmatisch.

Praktiker unter meinen Lesern, die vielleicht Berührungsängte mit solchen Dingen haben, wird deshalb beruhigen, dass Berzbach im echten Leben eben auch ein erfahrener Praktiker ist, der mit seiner Erfahrung und seinen Kenntnissen Kreativen hilft, sich nicht zu verzetteln und konkret zu liefern.

Mit viel Einfühlungsvermögen gibt Berzbach also Hintergründe und konkrete Hilfestellungen, wie Menschen den Spagat schaffen zwischen offener Kreativität und kreativer Träumerei und auf den Punkt konkret Liefern. Der Weg, den er vorschlägt ist geprägt von Achtsamkeit. Mit seiner sehr schnörkellosen, unprätentiösen, leicht zugänglichen, dabei aber auch immer wertschätzenden Art, die großen und kleinen Phänomene des Lebens zu beschreiben hilft er all jenen über ihre Vorbehalte vor so esoterisch anrüchigen Dingen wie Achtsamkeit und Spiritualität hinweg. Nach der Lektür ist klar: Nur wer regelmäßig den achtsamen Umgang mit sich und seinem Umfeld übt, konzentriert sich auf die wichtigen Dinge, kann auf den Punkt liefern und: kann für sich in Anspruch nehmen, ein Profi zu sein.

Bucej, Johannes B.: Seelenruhe. Philosophisch zur inneren Mitte finden. München, 2014.


Warum in die Ferne, z.B. nach Fernost schweifen, wenn das Gute ist so nah? Eben. Dann versuchen wir es doch zur Abwechslung mal, indem wir unsere eigenen, alten und abendländischen Denker in unseren eigenen Reihen und vor unserer Haustür befragen. Funktioniert nicht wie Meditation. Aber ähnlich gut. Auch hier: Ziemlich viele überraschende Erkenntnisse garantiert. 

Kabat-Zinn, Jon: Gesund durch Meditation 1 bis 3 (Hörbuch), Berlin 2013*


Jon Kabat-Zinn ist der Erfinder des mittlerweile berühmten und auf Meditation basierenden Programms zur Stressreduktion "MBSR" (Mindful Based Stress Reduction), das breit anerkannt ist und weite Verbreitung hat. Kabat-Zinns großes Verdienst ist, das Thema Meditation auf breiter Basis aus der New Age-Ecke herausgeholt und in der "ernsthaften" westlichen Medizin verankert zu haben. In diesem - wie ich finde angenehm gesprochenen - Hörbuch, das auch als Buch zu haben ist, stellt er die Zusammenhänge her, zwischen der mentalen geistigen Übung der regelmäßigen Meditation und unserer ganzheitlichen Gesundheit. Allen, die dieses Zusammenhänge verstehen wollen und Hinweise bekommen, wie sie in eine schnörkellose gesunde achtsame Praxis kommen können (und warum sie das tun sollten), sei dieses Buch wärmstens zur Lektüre empfohlen.


Kornfield, Jack: Das weise Herz. Die universellen Prinzipien buddhistischer Psychologie. München, 2012.


Sie wollen nicht nur lernen, warum Sie meditieren sollen, nicht nur wissen, wie das konkret geht? Sie wollen ein bisschen oder sogar ein bisschen mehr unter die Oberfläche? Sie wollen tiefer einsteigen in die Frage, welche Gedankenkonstrukte und Haltungen hinter dieser jahrtausendealten Kulturtechnik stecken? Gleichzeitig möchten Sie sich nicht durch meterlange Regale alter Schriften der buddhistischen Gelehrten wühlen? Dann ist Jack Kornfields Buch vielleicht das Richtige für Sie. Denn Kornfield hat Tiefgang, spricht unsere Sprache (hier seine Wiki-Vita) und fasst vieles vom Wesentlichen für den oben genannten Zweck auf eine gute Weise zusammen. Eines der wichtigsten Bücher für mich, um zu verstehen, welche vor allem praktische Ansätze fernöstliche Philosophie allgemein und natürlich der Buddhismus im Speziellen verfolgt.


Ott, Ulrich: Meditation für Skeptiker. Ein Neurowissenschaftler erklärt den Weg zum Selbst. Frankfurt am Main, 2011.


Jetzt wollen Sie es aber mal wissen: Was ist denn - neben diesem Klangschalen-Gedöns - wirklich dran an der Achtsamkeit und vor allem der Mediation? Der Psychologe und "Meditationsforscher" (Wikipedia) Ulrich Ott erklärt es Ihnen. (Fast schon ein bisschen zu nüchtern für meinen Geschmack.)


Parks, Tim: Die Kunst stillzusitzen. München, 2013.


Sie sind dabei zu erkennen, dass es Sinn machen kann, achtsam mit sich umzugehen? Vielleicht sind Sie schon dabei, mit achtsamen Routinen herumzuprobieren? Sie sind sich aber nicht ganz sicher, ob das der richtige Weg ist? Was ist das Richtige zu tun? Sie kämpfen damit, die ersehnte Achtsamkeit im Alltag zu integrieren und kämpfen mit den Schwierigkeiten, die unser Leben für Menschen wie  Sie und mich so bereithält? Sie wollen nicht viel Theoretisches Lebsen über dieses Thema? Lieber mal was aus dem echten Leben?
Dann begeben Sie sich mit Tim Parks auf seine spirituelle Reise, die er in diesem wirklich unterhaltsamen und gleichzeitig tiefgründigen Buch beschreibt. Sie werden erkennen: Da ist sehr viel Tröstliches, weil Bekanntes für Sie (und mich und uns alle) dabei.


Ressourcen – Innere und äußere Kraftquellen – BR2 Podcast 18.12.2013 


Sie sind gestresst und wissen nicht, wie Sie das ändern sollen? Hören Sie diesen Podcast! 20 Minuten. Kann man schon mal investieren, finde ich.

Rinpoche, Mingyur: Buddha und die Wissenschaft vom Glück. München, 2014.


Mingyur Rinpoche galt schon als Kind als Meditationsmeister. Das hat sich seither nicht geändert. Deshalb wurde er - auf ausdrücklichen Wunsch des Dalai Lama - von der modernen Neurowissenschaft vermessen, was erstaunliche Erkenntnisse zutage treten ließ und dazu führte, dass Meditation heute auch in den Augen der westlichen Medizin immer mehr und schneller an Bedeutung gewinnt. Mingyur Rinpoches Buch ist also schon für alle westlichen Skeptiker eine lohnende Lektüre. Vor allem aber für alle Achtsamkeitsenthusiasten, die konkrete Anleitungen für die Mediatioin und auch Tipps für ihre achtsame Lebenspraxis haben wollen. In humorvollem, oft augenzwinkernden Ton verpackt bekommen wir hier eine praktische Einführung in buddhistische achtsame Routinen. Und gleichzeitig erfahren wir aus wissenschaftlicher sowie psychologosicher, philosophischer und historischer Sicht, warum das Ganze hilft. Und zwar nicht nur uns. Sondern allen. Prädikat: Besonders empfohlen!

Der Stress.


Broschüre der Techniker Krankenkasse zum kostenlosen Download. Wie Stress entsteht und was Sie dagegen tun können. Kurz und knapp. Und gut.


Tan, Chade-Meng; Goleman, Daniel; Kabat-Zinn, Jon: Search Inside Yourself. Optimiere dein Leben durch Achtsamkeit. München, 2013


Häh!? Bei Google wird meditiert?! Bei SAP auch?! Was ist denn da los? Ach so, die optimieren sich. Natürlich. Könnte Achtsamkeit also auch mir helfen?

Naja. Trotzdem ist das Buch sehr lesenwert. Weil es nämlich auch den Effizienzjüngern und erfolgssuchenden Selbstoptmierern all das nahe bringen, was sie so oder so ähnlich in den hier genannten Büchern auch lernen könnten. Außerdem ist es sehr gut und auf eine wertschätzende Art geschrieben, was für mich ein entscheidendes Qualitätskriterium ist. Sehr lesenswert!



Hier finden Sie alle Artikel von Edgar Rodehack.

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