Direkt zum Hauptbereich

Muss die Führung alle Probleme lösen?

Bei vielen Problemen im Unternehmen wird gefordert, dass sie vom Management angegangen werden müssen. Nur wenn die Führung hinter dem Thema X steht, wird es auf gelöst? Was soll der Mitarbeiter schon ausrichten, wenn sein Chef nicht hinter ihm steht? Sind Sie auch dieser Meinung? Vor ein paar Jahren war ich auch dieser Meinung. Heute sehe ich die Sache etwas differenzierter.

Einer unserer Leser hat mich darauf hingewiesen, dass bestimmte Dinge sich nicht umsetzen lassen, wenn die Chefs nicht dahinter stehen. Bei einigen Dingen unterschreibe ich das sofort. Führungskräfte müssen zum Beispiel führen, d. h. Mitarbeiter für ihre Ziele gewinnen.

Aber ich unterschreibe das nicht mehr bei allen Dingen. Erstens sind Chefs auch nur Menschen mit begrenztem Zeitbudget und limitierten Kompetenzen. Als Mitarbeiter erwarte ich, dass ein Chef meine Endlichkeit respektiert. Der Chef (oder die Chefin) darf dies umgekehrt aber auch erwarten.

Dann gibt es zweitens den Königsglauben: Alles wird gut, wenn der König entscheidet. Ist das so? Haben Sie das mal ausprobiert, was passiert, wenn Ihr Chef Ihre Idee als Entscheidung ausgibt? Ich kann Ihnen sagen, was passiert: Nichts. So geht das halt nicht mit Entscheidungen und Umsetzung.

Weiterhin gibt es den Irrglauben, dass Dinge nur vom Chef (oder von "oben") gelöst werden können, wenn sie komplizierter werden. Von oben geht das auch nicht. Nicht, weil der Chef das nicht entscheidet oder nicht dahinter steht. Komplexe Probleme haben keine triviale Lösung.

Wer löst denn dann Probleme, wenn nicht der Chef?

Antwort: Sie! Blöde Antwort, ich weiß. Wenn ich vor einem Problem stehe, laufe ich immer Gefahr, dass ich es nur aus meiner Sicht betrachte. Aber jeder hat seine eigene Sicht und hat auch eigene Lösungen. Gerald Weinberg beschreibt das Problem, dass es an einer Uni zuwenig Parkplätze gibt. Der Dekan, der das Problem gut lösen könnte, kennt die Situation aber nicht, weil er einen reservierten Parkplatz hat /1/. Wir können also niemals sicher sein, dass unsere Problembeschreibung stimmt, nicht einmal dann, wenn es gelöst wurde.

Für komplexe Probleme gibt es keine einfachen Lösungen. Deswegen gibt es Disziplinen wie Change Management /2, 3/. Wenn unterschiedliche Betroffene unterschiedliche Interessen haben, kann ein Machtwort des Chefs diese nicht auflösen. Wir müssen uns Zeit nehmen, schrittweise vorgehen, Interessen abwägen, Versuchsballone starten usw..

Ich weiß, dass ich mir in der Vergangenheit zu wenig Mühe gegeben habe, um meine (natürlich berechtigten) Interessen durchzusetzen. Wenn der direkte Weg nicht klappte, war ich beleidigt, weil der Chef nicht mitgespielt hat. Heute weiß ich, dass ich nicht so schnell aufgeben darf und mir mehrere Wege überlegen müssen. Das ist Change Management.

Ich sage nicht, dass Chefs keine Verantwortung mehr übernehmen müssen. Die können sie nicht delegieren. Meine Erfahrung ist, dass wir es uns zu einfach machen, wenn wir die Umsetzung immer nur von den Chefs fordern.

Anmerkungen

  • /1/ Gause, Donald C. ; Weinberg, Gerald M.: Are your lights on? : how to figure out what the problem really is. New York: Dorset House Pub., 1990.
  • /2/ The Change Management Institute: The Effective Change Manager: The Change Management Body of Knowledge (CMBoK), Vivid Publishing, Fremantle Western Australia, 2013, Informationen unter https://www.change-management-institute.com/buycmbok
  • /3/ Rising, Linda Ph.D. ; Manns, Mary Lynn Ph.D.: Fearless Change : Patterns for Introducing New Ideas. 1. Aufl.. Amsterdam: Pearson Education, 2004.

Kommentare

  1. 100% auf den Punkt gebracht!
    Man kann aber auch einmal etwas weiter ausarbeiten, auch wenn es im ersten Moment auf Ablehnung stößt. Leider haben viele Mitarbeiter immer wieder "Angst eine auf den Deckel zu bekommen", wenn ein initiativer Vorstß nicht gut angkommt. Das sollte auch ein wichtiges Thema für Führungskräfte sein: Die Angst vor der Eigeninitiative zu nehmen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Den letzten Punkt "Angst vor der Eigentinitiative nehmen" finde ich sehr gut. Danke für Dein Feedback.

      Löschen

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts aus diesem Blog

Das neue Outlook - One Outlook - erster Eindruck

Microsoft hat ein Problem: Outlook ist nicht gleich Outlook. Da ist das gute alte Outlook in der Desktop-Version. Das ist das, womit fast alle von uns im Alltag arbeiten und worüber ich hier schon oft berichtet habe. Outlook auf dem MAC sieht aber anders aus. Outlook auf Mobilgeräten sowieso. Dann gibt's noch Outlook im Web. Kein Wunder, dass Microsoft das alles entwirren, verschlanken und vereinheitlichen möchte. Gelingt es? Hier die interessantesten Funktionen des neuen Outlooks . 

Kategorien in Outlook - für das Team nutzen

Kennen Sie die Kategorien in Outlook? Nutzen Sie diese? Wenn ja wofür? Wenn ich diese Fragen im Seminar stelle, sehe ich oft hochgezogene Augenbrauen. Kaum jemand weiß, was man eigentlich mit diesen Kategorien machen kann und wofür sie nützlich sind. Dieser Blogartikel stellt sie Ihnen vor.

Microsoft Teams: Die neuen Besprechungsnotizen - Loop-Komponenten

  Haben Sie in letzter Zeit in einer Teams-Besprechung die Notizen geöffnet? Dort sind inzwischen die Loop-Komponenten hinterlegt. Die sind zwar etwas nützlicher als das, was zuvor zur Verfügung stand. Trotzdem ist noch Luft nach oben. Und es gibt sogar einige ernstzunehmende Stolperfallen. Hier ein erster, kritischer Blick auf das was Sie damit tun können. Und auch darauf, was Sie besser sein lassen.

Und jetzt alle zusammen! Teams - OneNote - Aufgaben - To Do

Ein Meeting jagt das nächste. Sich da nicht zu verzetteln, wird  im Zeitalter virtueller Besprechungen  noch anspruchsvoller. Kein Wunder, dass  im Zusammenhang mit Microsoft 365  zwei Fragen besonders häufig auftauchen: Wie dokumentiert man Besprechungen gut? Was hilft, offene Aufgaben nachzuhalten? Eine gute Lösung: Das in MS Teams integrierte OneNote-Notizbuch als gemeinsame Plattform auch für den Aufgabenüberblick zu nutzen.

Outlook-Aufgabenliste: bitte nicht die Aufgaben des ganzen Teams!

Am Tag der Arbeit kommt eine Lösung, nach der ich schon so oft gefragt wurde: Wie schaffe ich es, dass meine Outlook-Aufgabenliste nur meine eigenen Aufgaben anzeigt und nicht auch die E-Mails, die meine Kollegen gekennzeichnet haben oder Aufgaben, die einfach in einem gemeinsamen Postfach stehen?

Das Ubongo Flow Game

Spiele bieten eine gute Gelegenheit, zeitliche Erfahrungen zu verdichten und gemeinsam zu lernen. Karl Scotland und Sallyann Freudenberg haben im Mai 2014 das Lego Flow Game veröffentlicht. Wir haben die Spielidee übernommen, aber das Spielmaterial gewechselt. Statt Legosteinen benutzen wir Material aus Grzegorz Rejchtmans Ubongo-Spiel. Hier präsentieren wir die Anleitung für das Ubongo Flow Game.

E-Mail-Vorlagen gemeinsam nutzen (Outlook)

Mittlerweile wird praktisch alle Routine-Korrespondenz in Outlook erledigt. Was liegt da näher, als ein gutes Set von Vorlagen zu erstellen und diese gemeinsam in Team zu nutzen? Leider hat Microsoft vor diesen – an sich simplen – Wunsch einige Hürden gebaut.

"Denn sie wissen nicht was sie tun ...! Freigeben und teilen in OneDrive und SharePoint und per E-Mail

Neuerdings können Sie bei Ihren E-Mails entscheiden, ob Sie den Anhang als Datei (Kopie) anhängen wollen oder einen Link senden. Doch was kann dieser Link? Wie sicher ist er? Wer kann was damit tun? Lesen Sie hier was sinnvoll ist und was weniger.

Nie wieder Ärger mit Besprechungsserien in Outlook

Erstellen auch Sie Besprechungsserien in Outlook? Ärgern auch Sie sich manchmal darüber, wenn Sie etwas zu ändern haben? Falls nicht, versenden Sie entweder keine wiederkehrenden Outlook-Besprechungen (Serienterminen). Oder Sie ändern nie etwas daran. Dann ist dieser Artikel nichts für Sie. Lesen Sie aber bitte weiter, falls Sie sich schon immer mal gefragt haben, ob es eine Lösung gibt? 

OneNote Prinzipien: Zugriffsrechte und Speicherorte

OneNote ist praktisch – ohne jeden Zweifel. OneNote ist auch einfach und intuitiv zu bedienen… Ja… so am Anfang. Doch früher oder später kommen Fragen wie: - wer genau hat eigentlich wie Zugriff auf die Daten? Wie ist das mit Synchronisation zwischen Büro-PC und Smartphone oder iPad? Wie funktioniert OneNote auf dem SharePoint? Auf diese Fragen findet sich die Antwort nicht ganz so leicht. Ich versuche hier die nicht ganz so offensichtlichen Zusammenhänge deutlich zu machen und "gern genommene" Fallen zeigen.