Montag, 9. April 2018

Werkzeugpflege Moderation, Facilitation & Coaching

Welches Handwerkszeug brauchen Menschen, die regelmäßig oder auch nur gelegentlich in und mit Gruppen arbeiten, also z.B. Moderatoren, Facilitatoren, Scrum Master, Berater, Trainer? Hier, was ich benutze.

Neulich erzählte mir ein Freund, der ein großer Fan des japanischen Holzhandwerks ist, dass zur dortigen Handwerkstradition gehört, jeden Donnerstag Werkzeugpflege zu betreiben. Die Handwerker bringen dann ihr Werkzeug, das sie für ihre tägliche Arbeit brauchen, wieder in einen optimalen Zustand, um bestmöglich weiterarbeiten zu können. In schöner praktischer ZEN-Manier, versteht sich: Tu es. Und tu es konzentriert und bewusst!

Eine großartige Idee! Will ich auch machen! Doch weil ich kein Holzbauer bin, stellt sich mir die Frage, was eigentlich ich zu pflegen habe? Was liegt denn so in meiner Werkzeugkiste? Hier mal alles schön drapiert:


Der Reihe nach und in absteigender Wichtigkeit einzeln vorgestellt:


Flipchart & Moderationswand


Neuland Big One Outliner, Keilspitze, Farbe: Schwarz (permantent Tinte), (010)
Neuland Outliner, Keilspitze, Farbe: Schwarz (permanent Tinte)

Die Neuland BigOnes mit permanent Tinte sind die Stifte, mit denen ich das Allermeiste am Flipchart und der Moderationswand schreibe und zeichne: Überschriften, kleineren Text, Bilder etc. Schwarz bringt für mich den Text und damit auch die Botschaft am klarsten und stärksten rüber. Viel besser jedenfalls als farbig geschriebener Text.

Wenn ich den Text hervorheben möchte, nutze ich dazu farbige Wachsmalkreide (s.u.) oder eben die farbigen BigOnes (ebenfalls s.u.). Letzteres erklärt auch, warum ich den Outliner zum Schreiben benutze: Wenn die schwarze Permanent-Tinte getrocknet ist, verschmiert sie dann nicht mit den Farben der wasserbasierten farbigen BigOnes. Und noch einen praktischen Grund gibt es für die BigOnes: Weil sie groß sind, muss ich sie nicht so oft nachfüllen (zur Nachfülltinte siehe unten).
Praxistipp: Mit dem grünen Punkt markiere ich meine Stifte, damit sie nicht versehentlich wegkommen und damit ich sie von Stiften aus fremden Moderationskoffern unterscheiden kann.

Stockmar Wachsmalblöcke (Achtung! Blöcke, nicht Kreide! Die blaue Blechverpackung sieht identisch aus!)
Hiermit hebe ich - wie gesagt - Text hervor und füge Schatten an Text, Figuren & Flipchart-Rahmen etc. Von Vorteil: Die Farben lassen sich einzeln nachbestellen. 

Neuland Big One, Keilspitze, Wasserbasis, Farben: Schwarz, Orange, Gelb, Grün, Blau, (100, 600, 504, 401, 303)
Mit wasserbasiertem Schwarz ziehe ich den Rahmen um die Flipcharts. Farbe benutze ich, um Text hervorzuheben oder zu unterstreichen oder um Linien zu ziehen. Die Wasserbasis schont Hände und Kleidung und sie beruhigt mein Ökogewissen. Warum diese Farben? Habe einige davon ausprobiert und bin schließlich bei den knalligeren Farben aus dem Repertoire hängengeblieben. Die hier genannten sieht man einfach gut am Flipchart.

Edding No. 1 bzw. Edding 3300, schwarz, Keilspitze, 1-5 mm
Diese Stifte benutze ich auf Post-Its, z.B. bei Mitschriften in Moderationen oder für Workshop-Backlogs. Beim Schreiben ist Vorsicht geboten, weil es Permanent-Tinte ist (Kleidung!), die auch noch gerne auf das drunterliegende Papier/Post-It durchsuppt. Warum ich für Post-Its Eddings benutze und nicht die Neuland-Stifte (s.o.)? Weil ich mit Eddings kleineren Text besser, schneller, leserlicher und verhältnismäßig schön schreiben kann. A propos, weil wir gerade bei "schön (=leserlich) Schreiben" sind:

A propos: Keilspitzen
Warum Keilspitzen, Rundspitzen tun es doch auch? Nö. Eben nicht. Nur mit Keilspitzen gelingt selbst jenen ein passables Schriftbild, die sonst mit ihrer Krakelschrift hadern. Der Stift ist dafür aber richtig anzusetzen. „Richtig“ bedeutet: Mit der breiten Seite. (Von dieser Regel dürft Ihr gerne abweichen, wenn Euch das Ergebnis besser gefällt). Mit Keilspitzen kommt es jedenfalls fast automatisch zu schöneren, lesbareren geschwungeneren Linien. Selbst wenn Ihr den Stift „falsch“ ansetzt. Also: Werft die doofen Rundspitzen-Stifte weg (ganz ehrlich) und legt Euch Stifte mit Keilspitzen zu! Dann machen Workshops mehr Spaß!
Praxistipp 1: Bei Neuland gibt es Ersatz-Keilspitzen für die Stifte, die ich benutze, wenn die alten runtergerockt sind. Muss ich nicht den ganzen Stift ersetzen (was dummerweise bei Edding schon der Fall ist). Schöne Sache.

Praxistipp 2: Und nochmal zu den Neuland BigOnes: Auf dem Stift befindet sich ein kleiner Knubbel. Der ist als Orientierung für den Zeigefinger gedacht, damit Ihr den Stift richtig ansetzen könnt, ohne hinzublicken - z.B., wenn es schnell gehen muss beim Mitschreiben in einer Moderation. Deshalb E N O R M wichtig: Verdreht deshalb die Keilspitze nicht! Warum ich das so explizit schreibe? Weil das sehr leicht passiert. Und zwar dann, wenn Ihr beim Öffnen die Kappe dreht statt klappt. Also öffnet den Stift richtig: Kappe nicht abdrehen! Sondern: Aufklappen!


Tinte Neuland RefillOne Outliner, Schwarz (Permanent-Tinte), 45 ml
Tinte Neuland RefillOne, Schwarz (100) (Wasserbasis), 45 ml
Tinte Edding Nachfülltusche MTK25, 25 ml.

Schwarze Nachfülltinte habe ich immer dabei. Denn diese Farben benutze ich am meisten, weshalb ich manchmal während des Workshops auffüllen muss. Die farbigen Stifte benutze ich dagegen seltener. Deshalb fülle ich die alle paar Wochen in Ruhe auf, bevor ich auf Reisen gehe.
Praxistipp: Mir ist schon einmal so eine Flasche in der Tasche aufgegangen. Nicht schön. Seither transportiere ich Tinte in einem Plastiktütchen.

 

Sonstige Stifte 


Stabilo GREENpoint, schwarz.
Stabilo Woody, Blau, Gelb, Grün, Orange, Rot und Lila
COPIC sketch, N4
Aufzeichnungen mache ich gerne als Mindmaps, für die ich mir Farbcodes zugelegt habe. Dafür benutze ich diese Stifte. Die schwarzen GREENpoints sind super, weil sie ein schönes sattes Schwarz haben und eine schöne Spitze, die nicht zu dick und nicht zu dünn ist (und weil sie aus recyceltem Plastik sind). Der COPIC Sketch befriedigt meine in meinem Leben zu kurz gekommene aktive Comic-Zeichner-Seele. Damit male ich Schatten, wenn mir danach ist oder mir in zu langweiligen Veranstaltung die Zeit zu lang wird etc. (Und ich kann mir einbilden, ein gaaanz kleines bisschen cool zu sein, weil ich so ein Zeugs kenne und benutze.)


Stabilo Filzstifte PEN 68
Ich arbeite in Workshops bevorzugt mit Post-It's. (Statt mit Moderationskarten. Denn im Workshop sind Post-Its schlicht einfacher umzuhängen und beim Aufräumen sind keine Pins abzunehmen, das spart Zeit.) Die TeilnehmerInnen tun sich beim Umgang mit Post-Its mit dickeren Filzstiften leichter als mit dünnen Stiften, z.B. mit Kugelschreiber, weil man damit in der Regel schöner und leserlicher schreiben kann.

 

Präsentation & Moderation

 
Laptop, Stromkabel, optische Maus
Ok. Erklärung erübrigt sich. Den braucht man halt. Optische Maus, weil das Kabelgedöns zwar vielleicht zuverlässiger funktioniert, aber einfach nervt.


Trinkflasche, Nalgene, Everyday On The Fly
Immer in der möglichst besten Verfassung bleiben! Das ist die wichtigste Aufgabe, um den Job gut zu machen. Dazu ist Trinken wichtig (um das Blut gut fließen zu lassen und das Hirn zu durchbluten). Das versprochene Catering hat mich hier schon oft im Stich gelassen, deshalb habe ich auch immer diese spülmaschinenfeste und BPA-freie Trinkflasche dabei, die ich mir mit Leitungswasser auffüllen kann.


Pointer: Logitech  R400
Habe diesen Pointer schon lange, und er hat mich noch nie im Stich gelassen! Plug-and-play funktioniert einwandfrei und sofort. Weitere Vorteile: Der Empfänger für den Laptop lässt sich im Pointer selbst transportieren (Schiebeeinrichtung unten). Und es gibt ein Etui, damit alles schön zusammenbleibt. Und: Der Pointer lässt sich an- und ausschalten, was für den Transport hilfreich ist (Batterie!), auch während der Präsentation ist‘s hilfreich, um im Eifer des Gefechts nicht unbeabsichtigt zu blättern. 

Post-Its & Papier
Klar, für alle Agilisten das A und O. Manche meiner KollegInnen schwören ausschließlich auf die tendenziell höherpreisigen Post-Its von 3M, sie behaupten, nur sie seien klebefest genug. Ja, klar. Stimmt schon irgendwo. Und ich selbst benutze 3M auch. Und zwar für alle Post-Its, die ich öfter benutze, z.B. für Kurs-Backlogs. Ansonsten ist Klebefestigkeit eben relativ und für die Arbeit in Moderationen, Workshops und Coachings reicht mir die Qualität von Tartan oder der Aldi-Marke Rex genauso.

Pritt Kleberoller, non-permanent
Sollte dann aber doch mal das eine oder andere Post-It frühzeitig Herbst einläuten und herunterfallen, z.B. weil sie zu oft umgehängt wurden, helfe ich mit dem Pritt-Roller nach. Praktisch ist auch, dass man mit diesem Roller auch aus Moderationskarten kurzerhand repositionierbare Post-Its macht. Und aus Wänden Moderationswände. Praktisch. Sofern man darauf achtet, non-permanent zu benutzen! Sonst gibt‘s Ärger mit dem Hausmeister, weil der die permantente Tapete an den Wänden vielleicht nicht so gut findet.

Kreppband
Tesa Basic, 50m x 1,9 mm, gelb
Tesa Malerband, 25m x 25mm, blau
Hier bin ich kompromisslos (im Gegensatz zu den Post-Its). Also gilt, was auch für Malerarbeiten gilt: Nur Qualitäts-Band, nix anderes! Also: Tesa. Ich verwende das Band hautpsächlich, um Flipcharts so an die Wand zu bekommen, dass ich beim späteren Abnehmen nicht die Farbe oder die Tapete mit abreiße. Manchmal benutze ich es, um Linien zu ziehen, z.B. in Story-Mapping-Workshops. Da ist eine zweite Farbe oft hilfreich, deshalb das zusätzliche blaue Band.

Reiseklangschale
Mit dieser kleinen Reiseklangschale klingle ich auf eine sanfte Art („Pling!“) meine TeilnehmerInnen aus der Pause.
Praxistipp: Wenn man das zwei Minuten vor Ablauf der Pause macht, kann man relativ rechtzeitig weiterarbeiten.


Box
Die Laptop-Lautsprecher reichen in den Besprechungsräumen nicht aus für Filmchen, die ich gelegentlich im Kurs zeige. Deshalb habe ich mir eine kleine, leichte (!) und gleichzeitig passabel klingende Box zugelegt, die auch ein bisschen was an Lautstärke bringt.
Praxistipp 1: Klinke-Kabel, und kein Bluetooth. So stöpsle ich nur und fertig.
Praxistipp 2: Darauf achten, dass es keine automatische Standby-Funktion gibt. Das Ding soll ja tun, wenn es soll. Möchte ja nicht immer noch vorher checken, ob es auch wirklich noch an ist. 

USB-Stick
Auf den USB-Stick kommt die Präsentation drauf. Für den Fall, dass der Rechner mal nicht so will wie ich.

Ball, Smiley Hacky Sack
Den kleinen Hacky Sack habe ich immer als kleinen, leichten und freundlich dreinblickenden Ball dabei. Vor allem für Feedbackrunden, wo das Bällewerfen passt. Also so genannte Stuhlkreisseminare, also Teambuilding, Führung etc. Aber auch gelegentlich im Agile oder im sonstigen Teamcoaching, wenn die Runde Spaß dran hat.


Aufbewahrung 


Mich nervt, wenn die Dinge rumfliegen und ich mehr suchen muss als nötig (ist eh noch genug Sucherei). Deshalb habe ich mir diese drei Taschen bzw. Taschentypen zugelegt:

Tatonka One Day - Kulturtasche
Mit einem Griff das Allerallerallernötigste, wenn ich mal zu einem Noteinsatz muss, und ich nicht viel Zeit zum Überlegen habe: Moderationsstifte, Wachsmalblöcke, Pointer, Nachfülltinte,Taschenmesser, Ersatzbatterien (Pointer und Maus), Powerbank (s.u.).


Reißverschlussbeutel, FolderSys
Für alles andere, vor allem Post-Its. Diese Foldersys-Dinger (die es so oder so ähnlich auch von anderen Anbietern gibt) sind praktisch, weil sie  reißfest, durchsichtig, wiederverschließbar und verhältnismäßig günstig sind.

Kruscht'ltasche, Stoff-Brotkorb
Während des Workshops werfe ich alles in diesen Brotkorb aus Stoff. Dann sieht es nicht so unordentlich aus. Und ich weiß, wo ich etwas vermutlich finde, wenn ich im Eifer des Workshops etwas suche.
Praxistipp: Ein Garant fürs Finden ist's nicht. Aber eine sehr gute zweitbeste Lösung.

 

Sonstiges

Powerbank, Ladekabel, USB-Ladestecker
Wenn das Smartphone keinen Strom mehr hat, ist man heute einfach aufgeschmissen: E-Mails, Fotoprotokoll, Bahnkarten... Besser dafür sorgen, dass es läuft.

Ersatzbatterien
Für Pointer und Maus.

Taschenmesser
Das Messer kommt häufiger zum Einsatz als man denkt, z.B. zum Aufschneiden irgendwelcher Kartons mit den Unterlagen.

Planning-Poker-Karten

Klebepunkte, mehrfarbig
Ich benutze diese Punkte eigentlich nicht so gerne, normalerweise lasse ich die TeilnehmerInnen mit dem Stift punkten. Gelegentlich aber eben schon auch mit den Klebedingern. Deshalb habe ich immer ein paar von den Punkten dabei. Ich benutze die von Avery.

Pins
Eine kleine Dose mit Pins habe ich auch immer dabei. Denn die Moderationskoffer sind gelegentlich eher schlecht damit ausgestattet.

Pflaster & Kopfschmerztabletten
Für den Fall der Fälle. Für die TeilnehmerInnen und für mich.


So, das war es erst einmal. Mit diesem Werkzeug arbeite ich auf die eine oder andere Art und Weise (fast) jeden Tag. Ab jetzt werde ich es jede Woche wieder auf Vordermann bringen und pflegen. Da freue ich mich schon drauf. :)  

Hier finden Sie alle Artikel von Edgar Rodehack.


Literatur & Links*

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