Montag, 5. Februar 2018

Was ist ein Inkrement?

Der Begriff Inkrement wirkt außerhalb der Scrum-Community irgendwie künstlich. Inkrement ist halt das, was die Softwareentwickler am Ende eines Sprints zeigen. Woanders brauchen wir das ja nicht. Ist das so? Ein Inkrement ist nützlich, um den aktuellen Stand zu erfassen. Wie könnte das Inkrement für ein etwas aufwändigeres Produkt mit Hardware, Software und Dokumentation aussehen?

Wenn Teams anfangen, sich mit Scrum und Agilität auseinanderzusetzen, versuchen die Rollen, Teamitgliedschaft und die Ereignisse für sich zu übersetzen. Zu leicht wird aber vergessen, dass alle Elemente von Scrum darauf ausgerichtet sind, möglich früh etwas zu liefern. Wenn am Ende eines Sprints nichts geliefert wird, dann ist es kein Scrum.

Woher wissen wir wirklich, was noch fehlt?

In "Lean Strategy" geben die Autoren ein einfaches Beispiel. Um den Führungskräften klar zu machen, wie wichtig das Liefern ist, haben zwei Lean Coaches, Pierre Vareille und Yves Mérel, in der Abfertigungshalle eines Betriebs, Quadrate auf den Boden gezeichnet ("Truck Preparation Area", TPA) /1, S. 180/. Jedes Quadrat steht für eine LKW-Ladung. Diese Flächen wurden schon vorab gefüllt. Wenn der entsprechende LKW kam, wurde alles, was sich auf dieser Fläche befand, eingeladen.

Die Idee war einfach, die Wirkung enorm. Wenn jemand wissen wollte, ob die Ladung vollständig war, konnte er einfach zum entsprechenden Quadrat gehen und nachsehen. Wenn das gesuchte Paket nicht im Quadrat war, war es nicht da. Man musste keine unterschiedlichen Systeme prüfen. Der LKW-Fahrer konnte klar erkennen, was er mitnehmen musste.

Das, was auf der TPA stand, ist für alle ein überprüfbares Inkrement. Wie könnte das nun bei unserem o. g. Produkt aussehen?

Wie sieht der Auslieferungsbereich aus?

Größere Produkte bestehen aus vielen Teilen:
  • Geräten mit alten und neuen Komponenten
  • Software mit alten und neuen Funktionen
  • Dokumentation in unterschiedlichen Formen für unterschiedliche Empfänger
  • Ggf. Verpackungs- und Hilfsmaterial
Alle Teile kommen aus unterschiedlichen Unternehmensbereichen. Wie können wir dafür einen Auslieferungsbereich erstellen? Sie könnten mit einer Produktcheckliste anfangen, wie sie PRINCE2 empfiehlt. Listen selbst können aber auch veralten.

Eine andere Möglichkeit ist, einen elektronischen Ordner anzulegen. Dort werden alle elektronischen Dokumente kopiert, die für die Lieferung selbst gebraucht werden. Es kann auch Hilfsprodukte wie Testprotokolle oder Bestelllisten geben.

Viele Dokumente sind noch leer oder es fehlen wesentliche Informationen. Aber jeder kann prüfen, was fehlt und was schon da ist.

Mit jedem Sprintreview wird überprüft, was hinzugekommen ist und was noch für die Auslieferung fehlt.

Für die Hardware müssen Sie sich etwas überlegen. Am besten gibt es auch hier einen physikalischen Ablageort. Dazu sollte es etwas wie interne Lieferscheine im elektronischen Ordner geben, damit man weiß, was da ist. Für lange Zeit könnte auch ein CAD-Modell die Hardware symbolisieren.

Während des Studiums bestand einer meiner Professoren immer auf eine Skelettversion für Programmtexte oder Dokumente. Im Dokument wurden schon alle Überschriften und ggf. Stichworte eingefügt. Bei den Programmtexten wurden schon die Struktur angelegt und Kommentare eingefügt. Toll fand ich das nicht. Ich war jetzt ja gezwungen darüber nachzudenken, was ich eigentlich erreichen will.

Agiles Arbeiten fördert eine schneller Auslieferung. Durch das Inkrement können alle Beteiligten besser verstehen, wie weit wir schon gekommen sind. Hilfreich ist es, wenn Sie schon am ersten Tag die Lieferung zusammenstellen. Im Laufe der Arbeit werden dann die Lücken geschlossen.

Anmerkungen

  • /1/ Balle, Michael ; Jones, Daniel ; Chaize, Jacques ; Fiume, Orest: The Lean Strategy: Using Lean to Create Competitive Advantage, Unleash Innovation, and Deliver Sustainable Growth. Madison: McGraw Hill Professional, 2017.

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