Freitag, 6. März 2015

Was tun, wenn ich etwas nicht schaffe? Ein (nicht ganz ernst gemeinter) Tipp

Wie geht man damit um, wenn man Dinge nicht schafft, die man eigentlich erledigen will? Bei Scrum oder bei Appreciative Inquiry lenken wir bewusst den Blick weg von der individuellen Leistung oder dem individuellen Versagen. Aber wie oft hören wir von Chefs oder Mitarbeitern, dass wir persönlich das Problem sind. Hier ein E-Mail-Dialog aus der Redaktion des Teamwork-Blogs.


Jan: Liebe Mitblogger, sollen wir mal eine Schreibwoche ausprobieren? Das Ziel ist, in solch einer Woche jeden Tag (oder Werktag) einen Blogartikel zu schreiben. Das Ziel ist nicht, dass die Blogartikel gleich veröffentlicht werden. Das Ziel ist, Übung im Schreiben zu bekommen. BG, Jan

Wolf: Ich bin im Prinzip dabei, kann auf die E-Mail aber leider nicht antworten: ich habe gerade eine Schreibblockade. Edgar, was soll ich tun?

Edgar: Lieber Wolf, hm ... schwierig, vielleicht hilft maximaler Druck? Und nicht drüber nachdenken, ob das sinnvoll ist? Denk auf keinen Fall darüber nach, ob das der richtige Weg ist. Augen zu und durch. Wäre doch gelacht, wenn dir nichts zum Posten einfällt!

Gut dürfte auch sein, dich gedanklich fertig zu machen. Wann immer es geht, führe dir deine Defizite vor Augen, z.B. dass dir auf Knopfdruck nichts Richtiges einfällt oder dir die richtige Formulierung schwerfällt, dein Zeitmanagement MAL WIEDER eine Katastrophe ist. Solche Dinge halt. Sei dir gegenüber dabei ruhig fies, rücksichtslos und unter der Gürtellinie. Viel hilft schließlich viel. War doch schon immer so, oder? Je grundsätzlicher du dabei bist, desto besser. Verwende also allgemeine Formulierungen wie "immer", "alle" etc. Denke gleichzeitig stets daran, dass du ja schon längst hättest einen Schreibkurs auf Journalistenniveau absolvieren sollen. Auch wenn du da jetzt eben erst draufkommst, frage dich möglichst vorwurfsvoll, wie du das hast in der Vergangenheit nicht sehen können! Warum hast du nur so blöd sein können, das nicht zu tun!

Überhaupt: Wie konnte Jan dich nur fragen, mitzubloggen. Mache dir klar, dass das höchst fahrlässig war und dass du Jan das bei nächster Gelegenheit auch sagst. Oder besser noch, versuche diese Gedanken vor dir und jedem anderen zu verheimlichen, baue maximal viel Angst vor Entdeckung auf, nach dem Motto: Hoffentlich merkt keiner, dass du im Grunde genommen GAR NICHTS kannst. ALLE anderen sind schließlich viel besser als DU. Sie machen IMMER ALLES nicht nur richtig, sondern PERFEKT und es geht ihnen locker und super schnell von der Hand. Gleichzeitig haben sie auch noch einen Riesenspaß dabei. Versuche also auch SPASS zu haben, richtig viel und vor allem: JETZT!

Wenn dir das nicht gelingt, schelte dich auch dafür. Was für ein Versagen, noch nicht mal Spaß kannst du haben bei dieser minikleinen Aufgabe!

Jetzt solltest du auf die Uhr schauen und merken, dass du schon wieder viel Zeit mit Grübeln über dich vertrödelt hast statt zu schreiben. Auch noch über dich selbst! Wo doch der Dienst an der Gemeinschaft das höchste Gut ist. Also wird es Zeit, dich selbst noch mehr zu bemitleiden, um dich noch schlechter zu fühlen. Das wird, das MUSS einfach die Kreativität steigern - heißt es nicht, dass Melancholie so manchen Künstler beflügelt? Wie aber ganz richtig, also PERFEKT melancholisch sein, nicht nur so ein bisschen? Halbe Sachen machen andere. Für dich gilt: Ganz oder gar nicht! Also erst mal recherchieren, was es mit der Melancholie so auf sich hat, danach kommt die zündende Idee für den Blogpost ganz bestimmt. Und zwar nicht nur IRGENDEINE, nein, es wird DER BESTE POST EVER! Führe dir vor Augen, dass MAN das von dir nicht nur erwartet, sondern dies selbstverständlich auch erwarten kann und darf. Und schließlich ist alles andere unter deiner Würde.

Lieber Wolf, das ist fürs Erste, was mir dazu spontan einfällt. Hilft dir das ein bisschen weiter?
:)

Ein schönes Wochenende allerseits!
Edgar


1 Kommentar:

  1. Lieber Edgar,

    vielen Dank für dein Engagement mir gegenüber, aber deine blöden Vorschläge kannst du dir sonstwohin ...
    Erst einmal: "Druck machen". Unter Druck kann kein Mensch produktiv arbeiten. Unser Stammhirn schaltet unter Angst auf "Totstellen" und macht jede kreative Arbeit unmöglich.
    Dann dein Vorschlag, sich selbst fertig zu machen. Meinen Hang zur Selbstkritik, ja zur Selbstzerfleischung kennst du doch! Wie soll da noch eine Steigerung möglich sein?? Nichts bekomme ich geregelt, wirklich gar nichts! Du siehst, ich bin - in aller Bescheidenheit! - der größte Selbstkritiker auf dieser Welt! In Sachen Demut ist mir keiner über!
    Dann höre ich irgendwie einen unterschwelligen Ton bei dir heraus, meine Blogposts seien zu theorielastig und ich scheiterte an meinen eigenen Ansprüchen. Also einen ungerechteren Vorwurf habe ich selten gehört. Schon Adorno hat bekanntlich in seiner Kritik an Musil bemerkt, wie praxisfeindlich der Vorwurf der Theorielastigkeit ist und eigentlich auf den dumpf-deutschen Hang zur Intellektuellenfeindlichkeit hinauslaufe. Worauf Popper dann ja schrieb, dass ... aber das lasse ich jetzt mal so stehen.

    Also nichts für ungut, Edgar, aber deine Vorschläge gehen leider völlig am Problem vorbei.
    Deshalb vielen vielen Dank. Ich weiß nicht, wie du es geschafft hast, aber mein Ärger über deinen Rat hat meine Schreiblockade völlig gelöst. Es sprudelt nur so! Wie hast du das gemacht? Was ist dein Trick?
    DANK DANK DANK!

    Liebe Grüße
    Wolf

    PS: Jetzt habe ich aber über dem Schreiben drei andere Sachen liegen gelassen. Wie soll ich die nur schaffen??

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