Direkt zum Hauptbereich

Was tun, wenn ich etwas nicht schaffe? Ein (nicht ganz ernst gemeinter) Tipp

Wie geht man damit um, wenn man Dinge nicht schafft, die man eigentlich erledigen will? Bei Scrum oder bei Appreciative Inquiry lenken wir bewusst den Blick weg von der individuellen Leistung oder dem individuellen Versagen. Aber wie oft hören wir von Chefs oder Mitarbeitern, dass wir persönlich das Problem sind. Hier ein E-Mail-Dialog aus der Redaktion des Teamwork-Blogs.

Zeichnung eines Männchens mit einem Fragezeichen über dem Kopf in einer Denkblase. Es wird von zwei Pfeilen links und rechts bedrängt.
Zeichnung vom Autor

Jan: Liebe Mitblogger, sollen wir mal eine Schreibwoche ausprobieren? Das Ziel ist, in solch einer Woche jeden Tag (oder Werktag) einen Blogartikel zu schreiben. Das Ziel ist nicht, dass die Blogartikel gleich veröffentlicht werden. Das Ziel ist, Übung im Schreiben zu bekommen. BG, Jan

Wolf: Ich bin im Prinzip dabei, kann auf die E-Mail aber leider nicht antworten: ich habe gerade eine Schreibblockade. Edgar, was soll ich tun?

Edgar: Lieber Wolf, hm ... schwierig, vielleicht hilft maximaler Druck? Und nicht drüber nachdenken, ob das sinnvoll ist? Denk auf keinen Fall darüber nach, ob das der richtige Weg ist. Augen zu und durch. Wäre doch gelacht, wenn dir nichts zum Posten einfällt!

Gut dürfte auch sein, dich gedanklich fertig zu machen. Wann immer es geht, führe dir deine Defizite vor Augen, z.B. dass dir auf Knopfdruck nichts Richtiges einfällt oder dir die richtige Formulierung schwerfällt, dein Zeitmanagement MAL WIEDER eine Katastrophe ist. Solche Dinge halt. Sei dir gegenüber dabei ruhig fies, rücksichtslos und unter der Gürtellinie. Viel hilft schließlich viel. War doch schon immer so, oder? Je grundsätzlicher du dabei bist, desto besser. Verwende also allgemeine Formulierungen wie "immer", "alle" etc. Denke gleichzeitig stets daran, dass du ja schon längst hättest einen Schreibkurs auf Journalistenniveau absolvieren sollen. Auch wenn du da jetzt eben erst draufkommst, frage dich möglichst vorwurfsvoll, wie du das hast in der Vergangenheit nicht sehen können! Warum hast du nur so blöd sein können, das nicht zu tun!

Überhaupt: Wie konnte Jan dich nur fragen, mitzubloggen. Mache dir klar, dass das höchst fahrlässig war und dass du Jan das bei nächster Gelegenheit auch sagst. Oder besser noch, versuche diese Gedanken vor dir und jedem anderen zu verheimlichen, baue maximal viel Angst vor Entdeckung auf, nach dem Motto: Hoffentlich merkt keiner, dass du im Grunde genommen GAR NICHTS kannst. ALLE anderen sind schließlich viel besser als DU. Sie machen IMMER ALLES nicht nur richtig, sondern PERFEKT und es geht ihnen locker und super schnell von der Hand. Gleichzeitig haben sie auch noch einen Riesenspaß dabei. Versuche also auch SPASS zu haben, richtig viel und vor allem: JETZT!

Wenn dir das nicht gelingt, schelte dich auch dafür. Was für ein Versagen, noch nicht mal Spaß kannst du haben bei dieser minikleinen Aufgabe!

Jetzt solltest du auf die Uhr schauen und merken, dass du schon wieder viel Zeit mit Grübeln über dich vertrödelt hast statt zu schreiben. Auch noch über dich selbst! Wo doch der Dienst an der Gemeinschaft das höchste Gut ist. Also wird es Zeit, dich selbst noch mehr zu bemitleiden, um dich noch schlechter zu fühlen. Das wird, das MUSS einfach die Kreativität steigern - heißt es nicht, dass Melancholie so manchen Künstler beflügelt? Wie aber ganz richtig, also PERFEKT melancholisch sein, nicht nur so ein bisschen? Halbe Sachen machen andere. Für dich gilt: Ganz oder gar nicht! Also erst mal recherchieren, was es mit der Melancholie so auf sich hat, danach kommt die zündende Idee für den Blogpost ganz bestimmt. Und zwar nicht nur IRGENDEINE, nein, es wird DER BESTE POST EVER! Führe dir vor Augen, dass MAN das von dir nicht nur erwartet, sondern dies selbstverständlich auch erwarten kann und darf. Und schließlich ist alles andere unter deiner Würde.

Lieber Wolf, das ist fürs Erste, was mir dazu spontan einfällt. Hilft dir das ein bisschen weiter?
:)

Ein schönes Wochenende allerseits!
Edgar




Edgars eigener Blog: www.trellisterium.de
Edgars Podcast: trellisterium.podbean.com 

Edgar Rodehack ist Teamwork-Enthusiast mit einem Faible für agile Formen der Zusammenarbeit. Da trifft es sich natürlich gut, dass er das beruflich macht. Er ist Organisationsberater, Business und Agile Coach, Teamentwickler und Moderator. Außerdem ist er ein Mensch mit Frau und drei Kindern, der viel Spaß am Musikmachen, Schreiben und Lesen hat. Mehr über ihn: www.rodehack.de


Kommentare

  1. Lieber Edgar,

    vielen Dank für dein Engagement mir gegenüber, aber deine blöden Vorschläge kannst du dir sonstwohin ...
    Erst einmal: "Druck machen". Unter Druck kann kein Mensch produktiv arbeiten. Unser Stammhirn schaltet unter Angst auf "Totstellen" und macht jede kreative Arbeit unmöglich.
    Dann dein Vorschlag, sich selbst fertig zu machen. Meinen Hang zur Selbstkritik, ja zur Selbstzerfleischung kennst du doch! Wie soll da noch eine Steigerung möglich sein?? Nichts bekomme ich geregelt, wirklich gar nichts! Du siehst, ich bin - in aller Bescheidenheit! - der größte Selbstkritiker auf dieser Welt! In Sachen Demut ist mir keiner über!
    Dann höre ich irgendwie einen unterschwelligen Ton bei dir heraus, meine Blogposts seien zu theorielastig und ich scheiterte an meinen eigenen Ansprüchen. Also einen ungerechteren Vorwurf habe ich selten gehört. Schon Adorno hat bekanntlich in seiner Kritik an Musil bemerkt, wie praxisfeindlich der Vorwurf der Theorielastigkeit ist und eigentlich auf den dumpf-deutschen Hang zur Intellektuellenfeindlichkeit hinauslaufe. Worauf Popper dann ja schrieb, dass ... aber das lasse ich jetzt mal so stehen.

    Also nichts für ungut, Edgar, aber deine Vorschläge gehen leider völlig am Problem vorbei.
    Deshalb vielen vielen Dank. Ich weiß nicht, wie du es geschafft hast, aber mein Ärger über deinen Rat hat meine Schreiblockade völlig gelöst. Es sprudelt nur so! Wie hast du das gemacht? Was ist dein Trick?
    DANK DANK DANK!

    Liebe Grüße
    Wolf

    PS: Jetzt habe ich aber über dem Schreiben drei andere Sachen liegen gelassen. Wie soll ich die nur schaffen??

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts aus diesem Blog

Optimieren wir uns zu Tode?

Als jemand, der mehr als fünfzehn Jahre in der Welt des IT-Service-Management-Prozessmanagements verbracht hat, musste ich das Buch von Guther Dueck aus dem Jahr 2020 Heute schon einen Prozess optimiert? Das Management frisst seine Mitarbeiter lesen/1/. Typisch für ihn bietet Dueck uns einen provokanten, teils vernichtenden, jedoch humorvoll geschriebener Weckruf. Er behauptet, dass das moderne Management von “Pacesetters” und “Controllers” dominiert wird. Sie sind so sehr auf Optimierung und Profit fokussiert, dass sie den Willen zu Innovation und Unternehmertum abtöten. Jedoch ohne mehr Kreativität und Tatkraft werden wir die Herausforderungen der Digitalisierung, des Klimawandels etc. nicht bewältigen. Ein agiles Mindset kann helfen.

Kategorien in Outlook - für das Team nutzen

Kennen Sie die Kategorien in Outlook? Nutzen Sie diese? Wenn ja wofür? Wenn ich diese Fragen im Seminar stelle, sehe ich oft hochgezogene Augenbrauen. Kaum jemand weiß, was man eigentlich mit diesen Kategorien machen kann und wofür sie nützlich sind. Dieser Blogartikel stellt sie Ihnen vor.

Das neue Outlook - One Outlook - erster Eindruck

Microsoft hat ein Problem: Outlook ist nicht gleich Outlook. Da ist das gute alte Outlook in der Desktop-Version. Das ist das, womit fast alle von uns im Alltag arbeiten und worüber ich hier schon oft berichtet habe. Outlook auf dem MAC sieht aber anders aus. Outlook auf Mobilgeräten sowieso. Dann gibt's noch Outlook im Web. Kein Wunder, dass Microsoft das alles entwirren, verschlanken und vereinheitlichen möchte. Gelingt es? Hier die interessantesten Funktionen des neuen Outlooks . 

Eine einfache Anleitung zum Führen eines Notizbuchs im Business

Professionelle Arbeit ist dokumentiert und reproduzierbar. Die Basis für eine gute Dokumentation ist das persönliche Aufschreiben von Dingen. Es gibt im Netz sehr viele Anleitungen für unterschiedliche Einsatzbereiche. Ich habe nach einem integrierten Ansatz gesucht.

Microsoft Teams: Die neuen Besprechungsnotizen - Loop-Komponenten

  Haben Sie in letzter Zeit in einer Teams-Besprechung die Notizen geöffnet? Dort sind inzwischen die Loop-Komponenten hinterlegt. Die sind zwar etwas nützlicher als das, was zuvor zur Verfügung stand. Trotzdem ist noch Luft nach oben. Und es gibt sogar einige ernstzunehmende Stolperfallen. Hier ein erster, kritischer Blick auf das was Sie damit tun können. Und auch darauf, was Sie besser sein lassen.

Und jetzt alle zusammen! Teams - OneNote - Aufgaben - To Do

Ein Meeting jagt das nächste. Sich da nicht zu verzetteln, wird  im Zeitalter virtueller Besprechungen  noch anspruchsvoller. Kein Wunder, dass  im Zusammenhang mit Microsoft 365  zwei Fragen besonders häufig auftauchen: Wie dokumentiert man Besprechungen gut? Was hilft, offene Aufgaben nachzuhalten? Eine gute Lösung: Das in MS Teams integrierte OneNote-Notizbuch als gemeinsame Plattform auch für den Aufgabenüberblick zu nutzen.

E-Mail-Vorlagen gemeinsam nutzen (Outlook)

Mittlerweile wird praktisch alle Routine-Korrespondenz in Outlook erledigt. Was liegt da näher, als ein gutes Set von Vorlagen zu erstellen und diese gemeinsam in Team zu nutzen? Leider hat Microsoft vor diesen – an sich simplen – Wunsch einige Hürden gebaut.

Nie wieder Ärger mit Besprechungsserien in Outlook

Erstellen auch Sie Besprechungsserien in Outlook? Ärgern auch Sie sich manchmal darüber, wenn Sie etwas zu ändern haben? Falls nicht, versenden Sie entweder keine wiederkehrenden Outlook-Besprechungen (Serienterminen). Oder Sie ändern nie etwas daran. Dann ist dieser Artikel nichts für Sie. Lesen Sie aber bitte weiter, falls Sie sich schon immer mal gefragt haben, ob es eine Lösung gibt? 

Outlook-Aufgabenliste: bitte nicht die Aufgaben des ganzen Teams!

Am Tag der Arbeit kommt eine Lösung, nach der ich schon so oft gefragt wurde: Wie schaffe ich es, dass meine Outlook-Aufgabenliste nur meine eigenen Aufgaben anzeigt und nicht auch die E-Mails, die meine Kollegen gekennzeichnet haben oder Aufgaben, die einfach in einem gemeinsamen Postfach stehen?

Das Ubongo Flow Game

Spiele bieten eine gute Gelegenheit, zeitliche Erfahrungen zu verdichten und gemeinsam zu lernen. Karl Scotland und Sallyann Freudenberg haben im Mai 2014 das Lego Flow Game veröffentlicht. Wir haben die Spielidee übernommen, aber das Spielmaterial gewechselt. Statt Legosteinen benutzen wir Material aus Grzegorz Rejchtmans Ubongo-Spiel. Hier präsentieren wir die Anleitung für das Ubongo Flow Game.