Samstag, 20. September 2014

Beyond project management? - Teil 2, Antworten auf die bisherigen Beiträge

Marcus Raitner lädt auf führung-erfahren zu einer Blogparade (Beyond Project Management) ein. Nun sind einige Beiträge erschienen, auf die ich gern reagiere. Besonders der Beitrag von Roland Dürre hat es mir angetan.

In einem ersten Beitrag habe ich schon geschrieben, dass wir noch genug zu tun haben, um das Verständnis von Projektarbeit in der Breite zu verbessern. Roland Dürre hat nun mit seinem Beitrag klar gestellt, warum ihm das Motto "Beyond Project Management" so wichtig ist. Mir hat seine Betrachtungsweise auf das Thema gut gefallen. (Schade, dass ich schon Termine habe und nicht am PM-Camp teilnehmen kann. Es wäre tolle Stunden gewesen. Ich stelle mich einfach als geistiger Schatten hinter Stephan List :-)).

Wie debattieren wir?

Also, wo stehen wir? Die Beiträge von Gebhard, Reinhard Wagner, Stefan und Bernhard stellen (aus meiner Sicht richtig) fest, dass Diskussion um verschiedene Denkrichtungen und Ansätze von wichtigeren Themen ablenken (und sogar "langweilen"). Ich fand den Hinweis vom Freund von Christian Botta gut, dass wir Menschen zu gern an solchen Debatten und Denkmustern festhalten wollen. Wenn wir in der Diskussion um die Zukunft des Projektmanagements etwas erreichen wollen, müssen wir auf zwei Ebenen diskutieren:
  • Inhaltlich: Wie entwickeln wir Projektmanagement weiter?
  • Metaebene: Wie denken wir über Projektmanagement nach und wie können wir uns auf diese Ebene begeben?
Obwohl mir der zweite Punkt nun logisch sinnvoll erscheint, wäre ich ohne Christians Beitrag nicht darauf gekommen (@Christian: Falls wir uns im realen Leben einmal treffen, gebe ich Dir und deinem Freund je ein weiteres Bier aus.)

Bevor wir in die inhaltliche Diskussion gehen, wünsche ich mir vom PM-Camp eine Art Türöffner, der es mir einfach macht, mit anderen Projektmanagern in die Diskussion zu kommen, ohne dass sie sich genervt ("Jetzt geht das schon wieder mit Scrum vs. PMBoK los") oder bedroht fühlen ("Oh, da kommt ein Experte, dem ich keine Gegenargumente bieten kann.").

In welcher Gesellschaft wollen wir leben?

Zurück zum Beitrag von RMD, der die Frage nach der Zukunft gestellt hat. Wenn wir einmal über den Projektmanagementtellerrand hinaus blicken, was wäre denn wichtig, wenn wir in 50 Jahren auf die heutige Zeit zurückblicken? Welche Rolle will ich gespielt haben? Welchen Anteil will ich an den Änderungen haben, die in den nächsten 50 Jahren passieren oder auch nicht passieren?

RMD und Michael Frahm (und von Gebhard weiß ich es sowieso) weisen darauf hin, dass uns die bisherigen Organisationsmuster weit gebracht haben. Aber wir stoppen gerade kurz vor dem Abgrund. Gerade die vermeintlich westlichen Gesellschaften müssen umdenken und sich klar machen: Ein Klimawandel wird es nicht geben, wenn wir nicht WENIGER verbrauchen. Diese klitzekleine Problemchen lässt sich mit technischen Tricks und guten Projektmanagement nicht lösen. Dem Klima ist es übrigens egal, ob es sich wandelt.

In anderen Beiträgen wurde auf die oft überholten Organisationsmuster in Unternehmen verwiesen. Wir werden dort mit besserem Projektmanagement niemals etwas ändern. Wenn Mitarbeiter als Umsetzungssoldaten betrachtet werden, die jedes noch so sinnlose Projekt auf den Tisch bekommen, ist besseres Projektmanagement keine Lösung. Nur ein anderer Umgang, ein menschlicher Umgang und SINN-volles Wirtschaften hilft.

Ich komme nochmal auf das schon im ersten Beitrag erwähnte Buch von Harald Welzer ("Selbst Denken") zurück. Der Autor stellt fest, dass wir als Konsumenten keine Politik machen können. Nur der mündige Bürger macht Politik, indem er sich Zeit für Diskutieren und Abwägen nimmt und politische Entscheidungen trifft. Dazu brauchen wir Ideen, was uns als Gesellschaft wichtig ist.

Im gleichen Maße lösen Projektmanager keine Probleme, wenn nicht an richtiger Stelle Entscheidungen getroffen werden. Nicht ohne Grund gibt es bei Scrum Werte. Dazu gehören Mut, Respekt und Offenheit.

Wir können etwas ändern

Zu oft finden wir uns damit ab, dass wir je doch nichts ändern könnten. Das wäre hier so, die Situation sei zu komplex, die Dynamik zu hoch und die Führungskräfte da oben könne man nicht ändern. DAS STIMMT NICHT. Vielleicht ziehen wir für ein paar Minuten in Betracht, dass wir es einfach noch nicht richtig versucht haben.
  • Vielleicht haben wir unsere Geprächspartner vorverurteilt. ("Sie als Mitarbeiter/Sie als Führungskraft sind hier das Problem.") Versuchen wir es noch einmal mit Respekt und Offenheit.
  • Vielleicht war die Idee, dass es eine große richtige Lösung falsch. Oft gibt es keine Wahrheit. Wir werden die Lösung durch kleine Experimente herausfinden (inpect & adapt).
  • Vielleicht haben wir geglaubt, dass nur eine Sichtweise richtig ist. Dann wäre gegenseitiges Sehen-lernen und mehr Transparenz einen Versuch wert.
  • Vielleicht war nicht klar, wie Änderungen praktisch aussehen. Dann nehmen wir uns Zeit, die konkreten Schritte im Alltag herauszufinden.
Im Vergleich zu vielen anderen Teilen in der Welt geht es uns in Europa ziemlich gut. Wenn wir uns nicht die Zeit nehmen, die vor allem von uns erzeugten Probleme zu lösen. Wer dann?

Im Vergleich zu anderen Mitarbeitern in einem Unternehmen und in anderen Branchen geht es Projektmanagern ziemlich gut. Haben wir dann nicht auch den Auftrag, weiterzudenken und weiterzuhandeln?

Und nun kommt das Paradoxe: Wenn wir eine klare Vision davon haben, wie die Welt und wie Organisationen in Zukunft aussehen sollen, spielt Projektmanagement selbst gar keine Rolle. Jeder packt mit an und hilft mit. Dann wären wir "Beyond Project Management".

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