Montag, 23. Januar 2012

Machen Ziele ein Team produktiver?


Wolf hat in der letzten Woche über Ziele geschrieben. Aber braucht ein Team Ziele, um produktiv zu arbeiten?

Es gibt mehrere Meinungen dazu. Stephen Covey (/1/) plädiert dafür, Ziele festzulegen, um bewusster zu leben. Seine Kunden beklagen sich, dass das Leben an ihnen vorbei zieht, weil sie zu viel arbeiten. Das Nachdenken über Ziele und Festlegen von Schritten in ihre Richtung reduziert die Gefahr, dass man sich (nur) mit den unwesentlichen Dingen beschäftigt. Das gleiche gilt für Unternehmen. Viele Managementbücher  fordern, dass Unternehmen eine Strategie festlegen müssen.

David Allen hat eine andere Meinung (/2/). Das Planen von oben nach unten ist schwierig. Allein die Anzahl der Möglichkeiten ist so groß, dass man sich nie richtig entscheiden wird. Besser ist es, seine Aufgaben vernünftig zu organisieren und regelmäßig zu prüfen, ob man auf der richtigen Spur ist. Eine ähnliche Meinung vertritt Jim Collins in seinem Buch über herausragende Unternehmen (/3/). Die besten Unternehmen lassen erst die richtigen Leute in den Bus einsteigen und legen danach fest, wohin es geht.

Ich glaube, bei Teams kommt es weniger auf Ziele sondern auf Überprüfen und Anpassen seiner Arbeitsweise an. Eric Ries hat darüber ein lesenswertes Buch (/4/) geschrieben. Ein Team sollte Annahmen über seine Kunden treffen und sich überlegen, wie es diese überprüft. Dann experimentiert es, um die Annahmen zu bestätigen oder einen anderen Kurs einzuschlagen.

Wenn alle klagen, dass so viel zu tun sei, planen Sie eine Besprechung mit dem Team ein. Diskutieren Sie folgende Punkte:
  1. Was ist unser Aufgabenschwerpunkt? Die genaue Formulierung ist nicht wichtig, sondern, dass das Team sich einig ist, was es ungefähr tun muss.
  2. Welche Qualität ist für unsere Kunden wichtig? Eins der folgenden Worte reicht als Antwort: schnell, billig, genau, kundenindividuell
  3. Mit welchen Zahlen können wir messen, ob diese den Kunden wirklich wichtig ist? z. B. Rework-Quote, Anzahl Anrufe, Anzahl Beschwerden, Dauer von Vorgängen, Antwortzeiten
  4. Welche Experimente wären für uns möglich, um diese Zahlen zu bekommen? z. B. jeden Kunden abwechselnd eins von zwei Formularen schicken. Auf einem wird ein Telefontermin ausgemacht, an dem zusammen mit dem Kunden die Anfrage gelöst wird. Auf dem anderen Formular muss der Kunde die Daten für die Anfrage selbst eintragen und ein Teammitglied macht das sofort im Hintergrund.
  5. Für welches Experiment entscheiden wir uns heute?
So finden Sie heraus, welche Aufgaben und Ziele wichtiger sind und welche Aufgaben damit unwichtiger sind. Wenn zu viel zu tun ist, können Sie die unwichtigen Aufgaben als erste streichen.

Literaturhinweise:

1 Kommentar:

  1. Du sprichst in deinem Blog, Jan, viele Themen an, und grundsätzliche. Der Kopf schwirrt mir. Ich würde mich den von dir angesprochenen Fragen gerne ganz behutsam nähern.
    Zuerst habe ich erneut das Gefühl, dass verschiedene Autoren das gleiche Wort „Ziel“ verwenden, aber unterschiedliche Dinge damit bezeichnen. Ich habe das Buch von Eric Ries nicht gelesen, sehe aber: Er verwendet das Wort „successful“ im Titel. Nach ihm sind demnach Unternehmen erfolgreicher, wenn sie sich weniger auf Ziele fixieren. Habe ich das richtig verstanden?
    Aber: Wenn ich das richtig verstanden habe, verstehe ich es nicht. Erfolg ist doch auch ein Ziel, oder? Für Ries wohl sogar ein Oberziel? Also wäre das Argument von Ries eher: „Brecht das das Oberziel ‚Erfolg’ nicht auf konkrete, quantifizierte Unterziele runter, sondern bleibt flexibel. Dann erreicht ihr euer Oberziel besser!“ – Wäre diese Interpretation okay?
    Wenn ja, dann ginge es zuvörderst darum, eine Begriffsdifferenzierung vorzunehmen. Welche Arten von Zielen gibt es? Strategische Ziele, Unterziele, taktische Ziele, Tagesziele, Vermeidungsziele, Annäherungsziele, Haltungsziele, Lebensziele, Karriereziele, Unternehmensziele, Teamziele – ich höre mal auf, aber auf 50 Zielarten komme ich locker.
    Und dann zu schauen: In welchem Verhältnis stehen diese Zielarten zueinander? Welche fördern und welche behindern uns?
    Diese kleinteilige Analysearbeit würde ich gerne in nächster Zeit anfangen. Dann, stelle ich mir vor, kommen wir leichter zu einer Synthese der verschiedenen Ansätze, die in der Teampraxis nützen kann. Wäre das ein Ziel?
    Wobei wir nie vergessen sollten: Wer ein Ziel erreicht hat, hat es verloren.

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