Direkt zum Hauptbereich

Lean Coffee Karlsruhe/Frankfurt, Nachschau zum Termin 90

Du suchst Antworten auf Deine beruflichen Fragen rund um agiles Arbeiten? Du suchst Impulse zu einer eigenen Entscheidungsfindung im Berufsumfeld? Du hast im Job eine harte Nuss zu knacken und möchtest Ansatzpunkte erhalten?

Hier findest Du all das, in vertraulicher Runde, im offenen Gespräch, in unseren Joint-Venture-Lean-Coffee-Gruppen (sowas geht nur im Deutschen...):

https://www.xing.com/communities/groups/lean-coffee-frankfurt-am-main-99d1-1139176/about

https://www.xing.com/communities/groups/lean-coffee-karlsruhe-99d1-1139173/about

 

Wertorientierung und bitte ein PO mit Verständnis

Fragen, fragen, fragen

Wie generieren wir Wert? Was ist überhaupt der Wert für den Kunden? Wie nähern wir uns dem ganzen? Es geht in unserer Diskussion um ein Team mit einem PO, der sich schwer damit tut, etwas zu liefern. Ein Silberrücken in unserem Lean Coffee wirbt dafür, dass wir alle mehr Fragen stellen. Im Planning könnte man beispielsweise fragen, ob es ein "lustiges Planning" sei. (Wir alle kennen die Mammutveranstaltungen, manchmal noch Planning I, Planning II, Refinement und so weiter; niemand hat Lust darauf, viele denken an die Codezeilen, die sie in dieser Zeit doch angeblich sinnvollerweise produzieren könnten.) Auf diese Frage würde man vermutlich ein "Nö" bekommen und den Eindruck der Teammitglieder, dass es sich eher um Mikromanagement handele.

Wertorientierung und mehr Spaß statt Mikromanagement-Planning

Daraufhin könne man gemeinsam mit dem PO versuchen, eine explizit wertorientierte Story zu erstellen [dies setzt natürlich voraus, dass man weiß, worin der Wert für den Kunden liegt - die Red.]. Anschließend fragt man, ob es einen Unterschied zu der bisherigen Vorgehensweise gemacht habe. man könnte vereinbaren, das nächste Mal zwei wertorientierte Storys zu erstellen. Wenn ein Team Spaß an seiner Arbeit bekommt oder hat, ist dies ein Hinweis dafür, dass das Team eine bessere Lösung finden wird als die marginale Verbesserung, die ein IT-Mikromanagement herbeizuführen in der Lage wäre. Wenn das Team nun so schön in Schwung ist, mit Spaß bei der Arbeit, kann man weiterfragen: "Woher wissen wir, dass der Kunde das, was wir herstellen, mag? Was wissen wir über den Kunden?" (Braucht er Produke oder Services?)

Nutzbarkeit von Mikromanagement und Überforderung des PO

Jemand stellt die Frage in den Raum, ob der PO vielleicht Schwierigkeiten mit der Vorgehensweise habe und ob es nicht möglich sei, dass sogar die negativen Seiten des Mikromanagements nutzbar sein könnten, wenn das Team selbst in die beschriebene Denkweise hineinkommt und anfängt, immer passendere Fragen zu stellen.
Im Laufe der weiteren Gruppenanalyse kommt heraus, dass der PO, der sich in Thema, Produkt und Firma relativ gut auskennt, keine Kapazität hat, überfordert ist. Dessen Tendenz: "Ich guck' auch nicht so genau hin..." Die Gruppe ist sich einig, dass die Aufgabe des PO geklärt werden müsse. Es müsse beantwortet werden, wozu etwas getan werde, für wen es getan werde, wie dieser Nutzen daraus ziehen könne, und so weiter.

Für wen arbeite ich eigentlich, und was braucht diese Person heute?

Dann werde darüber nachgedacht und mit einiger Sicherheit nach einer Weile festgestellt, dass man sich schon lange nicht mehr gefragt habe, was der Kunde eigentlich brauche. Nicht selten würde man sogar feststellen, dass sich die Kundenbedürfnisse "unbemerkt" [Ausdruck der Red.] geändert hätten und er einen geänderten Bedarf habe. Solche Fragen müssten also viel öfter immer wieder gestelt werden. Jemand gibt den Tipp, dass man fünfmal "weshalb/Wozu" fragen solle, es geht darum, Fragen im agilen Kontext zu stellen, damit Aufmerksamkeit jeweils (wieder) dahin gelenkt wird, wo sie hingehört.

Mit Fragen bis auf den Grund bohren

"Woher weißt du, dass dein Arbeitssystem funktioniert? Was hindert dich daran, irgendetwas auszuprobieren?" Jemand gibt den Impuls, welche Fragen man stellen müsse, damit jemand merkt, dass er/sie "auf dem falschen Dampfer" sei. (Wir hören bereits die Aufschreie, aber dies war keineswegs diktatorisch gemeint oder als Weisheit des allwissenden Coaches/Beraters.)
Ein Gast hat die Frage parat: "Wieso machst du das eigentlich, ist das, was herauskommt, das, was du haben willst?"

Von der richtigen Formulierung von Fragen

Jemand warnt, dass das Warum an die Prozesse zu stellen sei, nicht an Personen, da ein "Warum" sofort zu Selbstverteidigung einlädt. Als beinahe witzige Rekursion hören wir einen anderen Silberrücken aus der Runde: "Warum stellst du, X, uns so eine komische Frage?" Der Themengeber lacht, dieses Thema sei eine Einladung, ihn zu unterstützen und komische Fragen zu stellen.
"Welche Frage würde unser Nachfolger stellen?" könnte man einen scheidenden Chef fragen. Zwei aus der Diskussionsrunde erwähnen das Buch "The coaching habit" (siehe Literaturhinweise). Einer empfiehlt die Frage, zu fragen, was passiert, wenn ein Team die eigenen Regeln (sowohl technisch als auch sozial) nicht einhält, woraufhin ein anderer zu der Frage geleitet wird: "Was passiert, wenn wir was weglassen (als Vereinfachung)?" Beim nächsten Mal in einem Team können wir alle hoffentlich mehr fragen.
 

Beste Starthilfe für einen Anfänger-PO

Erst das Dringlichste und eins nach dem anderen

"Wo brennt der Kittel am meisten?" (gemeint: für die Person, aber auch im Team) Diese Frage wird von einigen als Eröffnung genommen. Wenn die Antworten der einzelnen Personen deckungsgleich sind, kann sogleich daran gearbeitet werden, wenn nicht, sollte man ins Gespräch gehen. Wichtig ist (wie bei einem MVP, nicht alles auf einmal, sondern) eins nach dem anderen anzugehen. Wenn man sich dann nicht einig darüber ist, was das Wichtigste ist, kann die gedankliche Übung mit der Wasserlinie eingesetzt werden: Ist das Thema weit unter der Wasserlinie oder noch oberhalb? Anschließend ist meist allen klar, was zuerst bearbeitet werden sollte.

Gordischen Knoten lösen

Jemand beschreibt eine üble Situation: Es gibt keine Klarheit, keine Transparenz, keinen Kontakt zum Endkunden, das Team weiß nicht, was dieser will, die Anforderungen sind unklar, die Zusammenarbeit funktioniert nicht (der PO ist beispielsweise allein für Anforderungen zuständig, es gibt keine Sicht auf die Rolle "Experte/Expertin"), das Backlog läuft über...
Ein Gast beschreibt dies als "gordischen Knoten lösen, den die Firma über Jahre aufgebaut hat".

Ein Überblick über Kunde, Produkt, Kundennutzen daraus und Umfeld 

Man könne fragen, was ausgeliefert wird, ob jemand ein überblickshaftes Bild darüber hat. "Was weißt du über den Kunden, warum liebt der unsere Produkte? Wie lange dauert es, eine Zeile code auszuliefern?" (Es könnte z. B. aufgrund von schlecht aufgesetzten Tests ewig dauern). Prozesse sollen schnell und vernünftig laufen, der Teamcoach sollte das Team darauf vorbereiten, dass es jeden Tag damit genervt werden wird, dass Verbesserungen angestoßen werden. Es ist zweckdienlich, sich hierfür ein Mandat zu holen.

Woher weißt du, dass das Produkt geil ist?

Der PO erzählt am besten etwas über den Kunden, den Lieferprozess, und man kann nachfragen (O-Ton eines Teilnehmers): "Woher weißt du, dass das Produkt geil ist?" (Hier sind wir wieder beim Thema der tiefergehenden Fragen.) Rein mechanische Fragen sind diejenigen nach den Kunden des PO, dem Weg zu ihnen, der Vorgehensweise, über die das Team Themen aus dem Backlog herausbekommt (abarbeiten, niederpriorisieren, nachfragen, ob obsolet...)

Einfach und kompliziert

Der Themengeber ärgert sich über eine just ausprobierte Banking-App mit einer Zweifaktor-Authentifiziertung in einem hochkomplizierten Verfahren, und er fragt sich, warum immer so kompliziert, obwohl das doch einfacher ginge.

Nicht gut, nur (im besten Fall) gut gemeint

Ein Gast gibt den Kommentar ab, dass manche Verfahren nicht gut, sondern nur gut gemeint seien, was sich dann durch geschicktes Nachfragen nach dem Nutzen herauskristallisieren kann. Ein anderer Gast: "Die Mitarbeitenden der Verwaltung haben sich an die unendlich quälenden langen Prozesse der Verwaltung gewöhnt..." Die Runde konstatiert, dass bei Prozessen immer angebaut werde, die Dringlichkeit eines regelmäßigen "Ausmistens" aber fehle.

Prozesse ausmisten mit den richtigen Führungskräften

Jemand zitiert Jeff Bezos, der sicherlich gesagt hätte, dass der betreffende Prozess "nicht ok" sei. Insgesamt fehlten Führungskräfte, die den Umbau unterstützten. Fraglich ist, wie dieses (unbeliebte) Thema vermittelt werden kann. Man sollte z. B. jeden Tag etwas kleines verbessern, "... es gibt kein System, das uns daran erinnert." Standardausrede: "Wenn’s mal wieder ruhiger wird, kümmern wir uns darum."

Zurück zum Ursprung: Wozu tun wir das hier?

Impulse aus der Diskussionsrunde: "Beharren ist einfacher als Hinterfragen und Umbau", "die Dringlichkeit hindert uns immer", "einzelne Verbesserungen machen alles noch blöder", "wir müssen zum Ursprung zurückgehen und fragen: Was wollen wir? Wozu tun wir das eigentlich? Welches Ziel steckt dahinter?"
Als schönes Schlusswort rät uns ein Silberrücken, man müsse den "Verbesserungsmuskel trainieren".


Themenüberblick


 

Literaturtipps 

The coaching habit (Michael Bungay Stanier): https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1049503558 (endlich zur Abwechslung mal kein Amazon-Link...)

https://www.mbs.works/best-books-training-for-coaches-leaders-and-mentors/the-coaching-habit-hub/
 
https://www.hugendubel.de/de/buch_kartoniert/michael_bungay_stanier-the_coaching_habit-32179418-produkt-details.html?adCode=320R20D32S40I

Columbo: Ach, eine Frage hätte ich noch… https://t2informatik.de/blog/columbo-ach-eine-frage-haette-ich-noch/

https://www.teamworkblog.de/2021/09/wie-starte-ich-ganz-konkret-mit-einem.html

Podcastfolgen "Lage der Nation": Teil 1 https://lagedernation.org/podcast/ldn301-keine-weiteren-fragen-digitalisierung-der-deutschen-verwaltung-teil-1/, Teil 2: https://lagedernation.org/podcast/ldn302-baustellen-loesungen-digitalisierung-der-deutschen-verwaltung-teil-2/
 
https://agile-verwaltung.org/2022/09/19/ldn-podcast-grunde-fur-das-scheitern-des-ozg/

Coaching-Kata https://www.osiander.de/shop/home/artikeldetails/A1030475042?ProvID=11021865
 
https://www.amazon.de/Kaizen-Forever-Teachings-Chihiro-Nakao/dp/0989863107 oder https://bobemiliani.com/product/kaizen-forever/

https://www.romanpichler.com/tools/product-vision-board/

Produktvision: https://www.linkedin.com/pulse/product-goals-jan-fischbach/

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Die Profi-Tools im Windows-Explorer

Haben Sie bei der Urlaubsvertretung sich manches Mal geärgert, wenn Sie Dateien gesucht haben, die ein Teammitglied abgelegt hat? Die Suche im Explorer funktioniert tadellos, aber manchmal sollte man den Suchbegriff noch ein bisschen genauer fassen können. Z.B. mit UND oder ODER oder NICHT... Das geht so einfach, dann man von alleine kaum drauf kommt:

Warum du als Führungskraft klügere Mitarbeiter einstellen solltest (und Mikromanagement dein größter Fehler ist)

Es ist einer der am häufigsten zitierten Führungsratschläge: Umgib dich mit Menschen, die klüger sind als du. Und einer der am seltensten wirklich befolgten. Warum? Weil er sich leichter sagt, als er sich anfühlt.

Das Ubongo Flow Game

Spiele bieten eine gute Gelegenheit, zeitliche Erfahrungen zu verdichten und gemeinsam zu lernen. Karl Scotland und Sallyann Freudenberg haben im Mai 2014 das Lego Flow Game veröffentlicht. Wir haben die Spielidee übernommen, aber das Spielmaterial gewechselt. Statt Legosteinen benutzen wir Material aus Grzegorz Rejchtmans Ubongo-Spiel. Hier präsentieren wir die Anleitung für das Ubongo Flow Game.

Microsoft Teams: Die neuen Besprechungsnotizen - Loop-Komponenten

  Haben Sie in letzter Zeit in einer Teams-Besprechung die Notizen geöffnet? Dort sind inzwischen die Loop-Komponenten hinterlegt. Die sind zwar etwas nützlicher als das, was zuvor zur Verfügung stand. Trotzdem ist noch Luft nach oben. Und es gibt sogar einige ernstzunehmende Stolperfallen. Hier ein erster, kritischer Blick auf das was Sie damit tun können. Und auch darauf, was Sie besser sein lassen.

Unternehmenskultur frisst Agilität zum Frühstück

Zyklische Abfolgen sind an vielen Stellen im Leben beobachtbar: Wiederkehrende vier Jahreszeiten, alte Songs, die plötzlich als Cover-Versionen wieder auf den Markt kommen (Jugendliche identifizieren diese dann als "Grundform", denn sie kennen das Original nicht), erst Karottenjeans, dann wieder Hosen mit Schlag, dann wieder Karotte, in der Politik Republikaner, Demokrat, Republikaner, Demokrat..., Hardliner-Papst, Vermittler-Papst... - alles kommt in regelmäßigen Abständen wieder. So auch die Erkenntnis, was man alles tun müsste, um in Unternehmen wirklich agil arbeiten zu können. Warum aber gelingt die Installation agiler Zusammenarbeit in größeren Unternehmen bis heute so wenig zufriedenstellend? Werden dabei vielleicht Aspekte immer noch zu wenig gesehen?

Coaching- und Führungsframeworks im Überblick: 21 Linsen für Teams und Organisationen

Gute Scrum Master:innen und Coaches betrachten das Geschehen durch mehr als eine Brille oder Linse. Jede Linse gibt andere Hinweise für angemessene Interventionen. Im Prinzip suchen wir immer nach der kleinsten Intervention mit der größten Wirkung. Aber welche Linsen gibt es eigenlich? In diesem längeren Beitrag stelle ich die wichtigsten 21 Konzepte von 37 Autor:innen vor, die mir bei der Recherche begegnet sind.

Kategorien in Outlook - für das Team nutzen

Kennen Sie die Kategorien in Outlook? Nutzen Sie diese? Wenn ja wofür? Wenn ich diese Fragen im Seminar stelle, sehe ich oft hochgezogene Augenbrauen. Kaum jemand weiß, was man eigentlich mit diesen Kategorien machen kann und wofür sie nützlich sind. Dieser Blogartikel stellt sie Ihnen vor.

High Performance Teams: 10 Prinzipien, die Spitzenteams von innen heraus stark machen

Manche Teams liefern konstant Spitzenleistung, nicht weil sie aus lauter Ausnahmetalenten bestehen, sondern weil sie Prinzipien verinnerlicht haben und danach arbeiten. Sie finden schneller gemeinsame Richtung, erholen sich als Einheit von Rückschlägen und wachsen an Herausforderungen, anstatt an ihnen zu zerbrechen. Was steckt dahinter? Kein Geheimrezept, sondern eine Handvoll Prinzipien, die High Performance Teams konsequent leben: im Umgang miteinander, in der Art wie sie lernen, Entscheidungen treffen und mit Druck umgehen. Die folgenden zehn Prinzipien dienen als Orientierung für Teams, die nicht nur irgendwie gut funktionieren wollen, sondern wirklich gemeinsam stark sein wollen. 

Die besten Bücher zum Thema Teamleistung

Es gibt viele Bücher, die sich mit Teams beschäftigen. Doch wo sollen wir anfangen? In diesem Artikel stelle ich die wichtigsten Quellen vor.

Warum Veränderungsinitiativen scheitern - und wie Du veränderungsresistente Strukturen knackst

[TL;DR] Viele Veränderungsinitiativen stossen auf harten Widerstand - nicht weil die Idee der Veränderung oder das Zielbild schlecht ist, sondern weil Organisationen wie Tensegrity-Strukturen funktionieren: hochgradig vernetzt, unter Spannung, systemisch. Wer das versteht, geht Veränderung anders an. Hast Du schon mal von Tensegrity Strukturen gehört? Nimm Dir doch mal kurz Zeit und schau Dir das Video an. Dann hast Du's sofort im Kopf. Und wenn Du die 58 Sekunden nicht hast und lieber weiterliest: Tensegrity-Strukturen sind faszinierende Gebilde aus schwebenden Stäben und Seilen, bei denen sich kein Stab direkt berührt - und trotzdem hält das ganze Ding sehr resilient gegen Störungen zusammen. Ich bin Tensegrity-Strukturen zuerst in einem ganz anderen Zusammenhang begegnet - in der Trainingslehre. Der menschliche Körper wird nämlich von einer solchen Struktur aus Zug und Druck - Muskeln, Faszien, Sehnen - permanent im Gleichgewicht gehalten. Das Elegante daran: Stabilität entsteh...