Direkt zum Hauptbereich

Notizen zum Lean Coffee Informationssicherheit in Verwaltungen, Nr. 1

Informationssicherheit ist die Voraussetzung für die weitere Digitalisierung in  Verwaltungsbereichen. Wenn Ihr Euch austauschen wollt, gibt es jetzt ein monatliches Lean Coffee, in dem Ihr Eure Fragen loswerdet und in dem Ihr Erfahrungen teilen könnt. Wenn Ihr wissen wollt, was ein rosa High Heel mit Informationssicherheit zu tun hat, kommt gern zum nächsten Online-Lean-Coffee am 27.04.2022.

Zum ersten Lean Coffee am 30.03.2022 trafen sich 5 Pioniere zu früher Stunde im Zoom-Land. Manche Kamera war noch von der Nacht ganz blau. Aber die Farbe kam zurück, als die interessanten Fragen auf dem Board erschienen.

Foto: Fahmi Fakhrudin auf Unsplash
Wer die Einladung zum nächstenTermin nicht verpassen will, meldet sich entweder in der Xing-Gruppe an oder meldet sich direkt bei den Organisatoren Niklas Hirsch oder Jan Fischbach. Wir nehmen Euch dann in den Verteiler auf. 

https://www.xing.com/communities/groups/austausch-informationssicherheit-in-kommunen-und-der-verwaltung-46cb-1152817/

In dieser Runde favorisieren wir eine agile Herangehensweise an das Thema Informationssicherheit in Verwaltungen.

Wie baut man ISMS auf?

In einem Informationssichheitsmanagementsystem (ISMS) definiert eine Organisation Regeln und Verfahren, um ihre Informationen vor dem Zugriff Unbefugter zu schützen. Das betrifft nicht nur IT-Systeme, sondern grundsätzlich alle schützenswerten Daten, mit denen in der Verwaltung gearbeitet wird. Deswegen sprechen wir auch nicht von IT-Sicherheit, sondern von Informationssicherheit. 

Nach dem Sammeln der Themen bekam an diesem Morgen die Frage "Wie baut man ein ISMS auf?" die meisten Stimmen. Die Teilnehmenden tauschten sich über Erfahrungswerte und gute erste Schritte aus.

Es ist hilfreich, sich ein System als Basis zu nehmen, um daraus Arbeitspakete abzuleiten. Die bekanntesten Systeme sind:

Der Grundschutzkatalog ist vielleicht etwas praktischer, aber auch umfangreicher als die ISO-Norm. 

Ein Startpunkt bildet die Verabschiedung einer Informationssicherheitleitlinie, die als übergeordnetes Dokument den Rahmen für alle weiteren Arbeiten in der Organisation gibt.

Eine Top-Down-Herangehensweise bietet den Vorteil, alle Bereiche der Informationssicherheit systematisch zu erfassen. Allerdings zieht sich das Ganze auch, weil meist andere Themen noch wichtiger sind.

Eine andere Herangehensweise orientiert sich an den operativen Problemen. Sie ist am Anfang erst einmal Stückwerk. Aber die Maßnahmen werden schneller umgesetzt, weil jeder die Dringlichkeit der Maßnahme versteht.

Nützen IT-Systeme wie CMDBs etwas? Der wichtigste Baustein von Informationssicherheit ist das Verständnis der Mitarbeitenden über ihren eigenen Beitrag. So sind viele Maßnahmen auch eher organisatorischer als technischer Natur. Ein IT-System kann unterstützen, sollte aber nicht von den eigentlichen Maßnahmen ablenken.

Wie erstelle ich Sicherheitskonzepte?

Der Themengeber stellte die Frage in die Runde, wie man den hohen initialen Aufwand für das Erstellen von Sicherheitskonzepte reduzieren könne. 

Ein Sicherheitskonzept braucht definierte, dokumentierte Prozesse. Es gibt Prozesse. Aber jeder Bereich macht es vielleicht etwas anders. Und nicht alle Schritte sind dokumentiert.

Ein Teilnehmer aus der Runde berichtete, dass er die Konzepte stets mit den betroffenen Mitarbeitenden erstellte. Er ließ sich die Abläufe vor Ort zeigen und füllte das Dokument mit den Kolleg:innen zusammen aus. Dabei fällt den Prozessexpert:innen oft selbst auf, wie sie ihre eigenen Abläufe verbessern können.

Der IT-Grundschutzkatalog kann Ideen und Leitfragen liefern. Aber die Fachleute vor Ort haben die Antworten. Das Zirkulieren lassen von Dokumenten ist da nicht die Lösung und würde sehr lange dauern. Technische Administratoren schreiben z. B. ungern.

In manchen Situationen könnte es interessant sein, einen großen Open Space mit allen Beteiligten zu veranstalten. Bei dieser Großgruppenmethode erstellen die Teilnehmenden selbst zu Beginn die Agenda. Das könnte eine gute Gelegenheit, Dokumente direkt und gemeinsam mit Interessierten zu erstellen.

Wie nimmt man (alle) Mitarbeitenden mit?

Die Themengeberin fragte nach den Erfahrungen beim Bewusstmachen für dieses Thema. Es reicht zum Beispiel nicht, einfach E-Learnings ins Intranet zu stellen. Zu viele Informationen können zudem schnell überfordern. Was sind also gute Kanäle und wie kann man das Programm ausgewogen gestalten?

Eine Teilnehmerin berichtete aus ihren Besuchen in Führungsrunden. Sie hat erst einmal nachgefragt: Welche Veranstaltungen brauchen Sie? Was wollen sie auf keinen Fall? Was sind die Erwartungen der Lernenden? Aus den Antworten lassen sich eigene Pakete für verschiedene Zielgruppen packen.

Alle Teilnehmer:innen in diesem Lean Coffee waren sich einig, dass man Informationssicherheit nicht mit dem erhobenen Zeigefinger präsentieren dürfe. 

Es gab die Frage, ob es in hierarchischen Organisation gut wäre, wenn es eine Anweisung von oben zur Umsetzung gäbe? Es ist immer gut, wenn die Leitung dahintersteht. In hierarchischen Organisation hilft das immer etwas. Aber vertrauen die Mitarbeitenden den Chefs?

Ein Teilnehmer ergänzte, dass er Sitzungen mit Führungskräften vorher vorbereitete. Überlicherweise berichtet jede Führungskraft, dass es in ihrem Bereich keine Probleme mit Phishing-Mails oder Passwörtern auf Haftnotizzetteln gäbe. Der Teilnehmer war vorher deshalb durch das ganze Gebäude gegangen und hat mögliche Angriffspunkte markiert. Zudem hat er über einen sicheren Dienst Phishing-Mails erzeugt, um zu zeigen, dass es eben doch Leute gibt, die in der eigenen Organisation solche E-Mails öffnen.

Die Stunde war schnell vorbei und es waren noch ein paar Themen offen. Aber die können wir ja beim nächsten Mal, am 27.04.2022 von 8-9 Uhr besprechen.


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Kategorien im Neuen Outlook - für das Team nutzen: Remake

Einer unserer erfolgreichsten Artikel auf diesem Blog ist im Teenageralter angekommen! Grund genug für ein Remake mit der aktuellen Outlook-Version. Spoiler: Es ändert sich nur wenig. 😉

Vom geheimen Anderssein in (deutschen) Unternehmen

Vielleicht kennen einige noch die Werbung einer Orangenlimonadenfirma aus den 80er Jahren: "Sind wir nicht alle ein bisschen bluna?" Dieses Wissen, metaphorisch gesprochen, setzt sich sehr zögerlich immer mehr im öffentlichen Bewusstsein fest: unsere Hirne sind nicht alle gleich. Im Arbeitskontext kann es zu nicht verstandenen Konflikten kommen, wenn alle über einen Kamm geschoren werden. Außerdem wundern sich Krankenkassen über steigende Ausgaben wegen Depressionen, Burnouts und Angstzuständen ihrer Mitglieder. Dafür könnte es Gründe geben, die weitgehend noch im Dunkeln zu liegen scheinen.

Wie versteht mich mein Team besser? - Über freie Textanalysetools im Netz

Mitglieder von Teams beklagen sich oft, dass sie nicht verstanden werden. Wieso wird die gute Idee nicht aufgenommen? Wieso antwortet keiner auf die guten Konzepte? Mein Punkt ist, dass viele Texte einfach nicht verständlich sind. Interessanterweise gibt es Werkzeuge, die die Verständlichkeit messen können. Hier ist meine persönliche Auswahl. 

Das Ubongo Flow Game

Spiele bieten eine gute Gelegenheit, zeitliche Erfahrungen zu verdichten und gemeinsam zu lernen. Karl Scotland und Sallyann Freudenberg haben im Mai 2014 das Lego Flow Game veröffentlicht. Wir haben die Spielidee übernommen, aber das Spielmaterial gewechselt. Statt Legosteinen benutzen wir Material aus Grzegorz Rejchtmans Ubongo-Spiel. Hier präsentieren wir die Anleitung für das Ubongo Flow Game.

Was macht eine Vorgangsverwaltung?

Eine Vorgangsverwaltung ist ein Mittelding aus persönlicher Aufgabenverwaltung, Projektmanagementsoftware und einem Helpdesksystem. Leider gibt es solche Produkte bisher nicht fertig. Diese Lücke haben meist Dokumentenmanagementsysteme gefüllt. Wie könnte eine Vorgangsverwaltung konkret aussehen?

Profi-Suche für Teams, OneDrive und SharePoint

Wenn ich nur eine Sache aus meinem kompletten Portfolio zeigen dürfte, würde ich die Suche wählen. Brauchen alle, kennt kaum jemand wirklich und ist zu alldem noch schnell umzusetzen. Ich zeige dir hier, wie du Dateien oder Informationen aus deiner Microsoft 365-Umgebung schnell und sicher findest.

Rebellieren für den Wandel: die 8 Regeln des totalen Stillstandes von Prof. Dr. Peter Kruse

In einem legendärem Vortrag skizzierte Peter Kruse 8 Regeln des totalen Stillstands. Ihm zufolge wurden die Regeln entwickelt, um Managern und Führungskräften dabei zu helfen, Bereiche mit potenziellem Widerstand gegen Veränderungen zu erkennen und Menschen auf strukturierte Weise durch den Veränderungsprozess zu führen.

Warum du als Führungskraft die ersten 90 Tage nicht dem Zufall überlassen solltest (und schlechtes Onboarding dich mehr kostet, als du denkst)

Der erste Arbeitstag ist meistens gut organisiert: Laptop, Zugänge, ein freundliches Willkommen. Die Wochen danach entscheiden aber, ob jemand bleibt – und genau da lassen die meisten Unternehmen ihre neuen Mitarbeitenden allein. Ich erinnere mich an eine erfahrene SAP-Beraterin, die in ein großes Transformationsprojekt eingestiegen ist. Fachlich absolut top, hoch motiviert, mit besten Referenzen. In der ersten Woche bekam sie einen Laptop, einen Zugang zum Wiki und den Satz: „Schau dich einfach mal ein bisschen um, du findest dich schon zurecht." Niemand hatte Zeit, ihr die Systemlandschaft zu erklären. Niemand stellte sie den Stakeholdern vor, mit denen sie ab Woche zwei zusammenarbeiten sollte. Nach zehn Wochen kündigte sie noch in der Probezeit. Ihre Begründung im Abschlussgespräch: „Ich hatte nie das Gefühl, gebraucht oder eingebunden zu sein. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, ob ich hier überhaupt richtig bin." Das Traurige daran: Sie war fachlich genau richtig. Ver...

Wer nicht Nein sagen kann, dessen Ja ist nichts wert.

Klar, wir wollen hilfsbereit sein, Dinge möglich machen, niemanden enttäuschen. Das ist eine gute, eine schöne Motivation, ein schönes Ziel. Nur: Wer immer ja sagt, gefährdet genau das: das gute Ergebnis. Ein Plädoyer für leistungsorientierte Ehrlichkeit.

Erfolgsvermeider - Eine Buchrezension

  Du übernimmst ein Team und merkst schnell, dass einige Dinge nicht rund laufen. Es gibt "Ja, aber ..."-Blockierer oder Unsichtbare im Team. Es gibt Überforderte und Dramageneratoren. Für den Autor Dieter Strak sind das Zeichen für erfolgsvermeidende Muster. Er hat eine kurze Anleitung für Führungskräfte und Teams geschrieben, die solche Muster erkennen und durchbrechen wollen. Lohnt sich das Buch?