Montag, 7. September 2020

Szenarien sind Lernwerkzeuge

Szenarien sind keine verlässlichen Vorhersagen oder Prognosen, sondern Lernwerkzeuge. Planer arbeiten deswegen auch nicht alleine mit einem Szenario. Mehrere Szenarien helfen, blinde Flecken zu entdecken. Wie entstehen Szenarien?

Was sind Szenarien?


Szenarien sind Geschichten über die Zukunft. Wenn ein Planungsteam Szenarien entwickelt, legt es dazu so genannte Schlüsselunsicherheiten fest. Das sind Einflüsse, die für das, was geplant und auch umgesetzt werden soll, besonders wichtig sein oder werden können. Ausgehend davon entwerfen die Planer und ihre Helfer aus der Praxis Zukunftsbilder, die auch - das ist wichtig - den Weg in diese Zukunft beschreiben. Wie jede gute Geschichte bekommen selbstverständlich auch Szenarien einen möglichst guten und sprechenden Titel, durch den der Inhalt besser verständlich und die Hauptaussage prägnant hervorgeht.

Den Standard für die szenarienbasierte Planung hat Shell gesetzt. Auf der Shell-Webseite werden regelmäßig Szenarien veröffentlicht.

Aktuell gibt es drei Shell-Szenarien, die sich aus den beiden Schlüsselunsicherheiten "Stärke der (globalen) Führung" und der "Fähigkeit, Interessen gemeinsam zu vertreten" ergeben:
  • Mountains: "Das Mountains-Szenario beschreibt eine Welt, in der Regierungen und andere Machthaber am politischen und wirtschaftlichen Status quo festhalten. Stabilität ist das oberste Gebot."
  • Oceans: "Im Oceans-Szenario erstreckt sich der Machteinfluss über viele Bereiche. Macht wird dezentralisiert und konkurrierende Interessen bestehen nebeneinander – Kompromisse regieren die Welt."
  • Sky: "Das Sky-Szenario veranschaulicht einen technisch möglichen, aber anspruchsvollen Weg für die Gesellschaft, um die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen."
Mountains und Oceans sind in einem Dokument zusammengefasst und über die Seite New Lens on the Future abrufbar. (Es gibt auch eine Version in deutscher Sprache.) Das Sky-Szenario wurde später in einem eigenen Dokument veröffentlicht. (Eine Version in deutscher Sprache gibt es bisher noch nicht.)

Für den Einsatz in Unternehmen ist ein Punkt zentral: Szenarien beschreiben immer die Außenwelt. Was passiert um das Unternehmen herum? Was beeinflusst das eigene Handeln positiv oder negativ? Wir sehen bei Szenarien niemals auf die eigenen Leistungen oder besonderen Fähigkeiten!

Szenarien sind entweder normativ oder explorativ. Aus letzteren lässt sich allgemein mehr lernen. Denn es werden dort "Was-wäre-wenn-Fragen" untersucht. Bei den normativen Szenarien steht dagagen die Frage im Raum, was passieren müsste, damit... Bei normativen Szenarien besteht deshalb die Gefahr, dass die Karten so gelegt werden, wie man die Welt gerne hätte. Zwar haben normative Szenarien auch ihre Vorteile. Wenn es aber darum geht, mit Unsicherheiten besser umzugehen lernen, ist aus unserer Erfahrung immer zunächst besser zu fragen: "Welche wichtigen Entwicklungen, die denkbar sind (nicht aber unbedingt wahrscheinlich!), könnten unser Vorhaben gefährden? Was müsste (um uns herum) passieren, damit unser Business oder Projekt scheitert?"

Wie entstehen Szenarien?

Szenarien sind Teamwork. Und das macht sie für die strategische Planung so interessant. Zu Beginn ist ein möglichst diverses Team von großem Vorteil. Die ersten Gespräche dienen dazu, Trends und Unsicherheiten zu erkunden. Nach einer gewissen Zeit ist klar, welche Unsicherheiten besonders interessant sind. Das sind solche, die zum einen sehr stark in unterschiedliche Richtungen ausschlagen können und zum anderen große Auswirkungen haben. Das sind dann die so genannten Schlüsselunsicherheiten.

Wer einen Eindruck davon bekommen möchte, wie Szenarien geschrieben sein können und wie sie entstehen: Eine niederländische Stiftung hat Szenarien zur Zukunft des Journalismus auf der Webseite www.journalism2025.com veröffentlicht. Neben den Szenarien wird auch der Prozess beschrieben, wie diese Szenarien erstellt wurden.

Wie Szenarien benutzt werden, beschreiben wir im nächsten Beitrag.

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