Montag, 5. August 2019

Gehört Atmen zu Teamwork?


Wie bitte? Was hat Atmen mit Teamwork zu tun?

Wer in Ihrem Team hat die höchste Stimme von allen? Wie gut können Sie dieser Person zuhören? Wie fühlt sich Ihr Kehlkopf an, wenn Sie dieser Person länger zuhören (müssen)? Fängt es irgendwo an zu kratzen? Müssen Sie sich räuspern? Wie genau bleiben Ihnen die Inhalte im Kopf, die diese Person gesagt hat? Wie sehr stimmen Sie der Person zu?

Haben Sie mal beobachtet, wie die Person atmet? Was bewegt sich ihrem im Oberkörper, wenn sie spricht? Wieviel Zeit und Freiraum nimmt sie sich für ihren Atem? Wie viel Raum gibt sie anderen im Team?

Vermutlich atmet sie zu flach, im Oberkörper bewegt sich sehr wenig. Wenn Sie ihr zuhören fühlt sich Ihr eigener Kehlkopf angestrengt an und vielleicht finden Sie ihre Äußerungen auch nicht immer überzeugend. Sie fühlen sich vielleicht grundsätzlich etwas gehetzt in ihrer Anwesenheit. Irgendwie unwohl. Woran liegt das?

Unser Kehlkopf spiegelt die Bewegungen des Sprechenden


Wenn wir jemandem zuhören, macht unser eigener Kehlkopf die Bewegungen des Sprechers, vielmehr seine Bewegungen im Kehlkopf mit. Wenn also jemand seine eigene Stimme anstrengt, strengt uns das auch an. Wir können weniger gut zuhören und die Inhalte kommen weniger überzeugend bei uns an. Sobald also ein Teammitglied seine Stimme anstrengt, strengt er damit seine anderen Teammitglieder auch an.


Zwei einfache Übungen helfen


Die häufigsten Ursachen für eine hohe Stimme sind ein zu flacher Atem, eine zu geringe Kieferöffnung beim Sprechen, Zungen- und Lippenträgheit und Müdigkeit. Mehr Schlaf hilft der Stimme, eine größere Kieferöffnung und mehr Zungen- und Lippenaktivität erfordern häufiges Training. Tiefer Atmen und den Atem beim Sprechen zu nutzen lassen sich am einfachsten üben und zeigen schnell Wirkung. Hier sind zwei Übungen.

Den „inspiratorischen Zug“ nutzen


Wir müssen unseren Körper nicht dazu erziehen, tief einzuatmen. Wir müssen vor dem Sprechen auch nicht aktiv einatmen, damit unsere Stimme voller wird. Es reicht völlig unserem Körper zu sagen, dass wir viel Luft brauchen und ihn dann machen zu lassen.

Setzen Sie sich einen Augenblick hin, schließen Sie die Augen (nachdem Sie diesen Absatz gelesen haben), und beobachten Sie Ihren Atem, oder genauer: Was passiert nach dem Moment, nach dem Sie ausgeatmet haben? Ihr Körper zieht die Luft automatisch ein - auch „inspiratorischer Zug“ genannt. Beobachten Sie, welche Bewegung z.B. in Ihrem unteren Bauch und Rücken der inspiratorische Zug auslöst. Was darf sich in Ihrem Oberkörper bewegen? (Achtung: Ein Anheben der Schultern ist für eine volle Stimme nicht notwendig.) Sie können die Atembewegung forcieren. Je kräftiger und länger Sie ausatmen, z.B. bequem auf den Laut „f“, desto mehr wird Ihr Körper einatmen und, wenn Sie es sich gestatten, Ihrem Oberkörper eine angenehme Massage verpassen.

Probieren Sie diese Übung für fünf Minuten aus. Beobachten Sie, was sich am Anfang in Ihrem Oberkörper bewegt und wie sich Ihr Oberkörper danach anfühlt und welchen Einfluss das auf Ihre Stimme hat.

Ein Satz, ein Gedanke, ein Atemzug


Mit der nächsten Übung übertragen Sie Ihren neue Atemkapazität auf Ihr Sprechen: Suchen Sie sich einen langen Satz aus, der mehrere Zeilen lang ist, vielleicht einen Satz aus dem Leitbild Ihres Unternehmens. Z.B. diesen hier: „Der Ausschuss berät und überwacht den Vorstand bei Maßnahmen, die die wirtschaftliche Entwicklung der Bank langfristig sicherstellen und gleichzeitig dazu beitragen sollen, natürliche Ressourcen zu schützen, soziale Verantwortung zu übernehmen und die Prinzipien einer verantwortungsbewussten Unternehmensführung zu beachten.“ (/1/)

Stellen Sie sich an eine Wand, atmen Sie bewusst aus, sagen Sie Ihrem Körper, dass er viel Luft braucht, lassen Sie den inspiratorischen Zug walten und versuchen Sie den Satz in einem Atemzug zu einem Punkt an der gegenüberliegenden Seite zu sprechen. Und zwar so, dass dieser Punkt, den Sie ansprechen, den Satz versteht. Wenn Ihnen der Atem zwischendurch ausgeht, machen Sie einfach eine kurze Pause, lassen den Atem wieder einströmen, und sprechen weiter, mit dem Ziel, dass sich Ihr Zuhörerpunkt den Inhalt genau vorstellen kann. Vermeiden Sie allerdings, jeweils bei den Kommata eine Pause zu machen. Wenn wir sprechen machen wir ja auch nicht immer dort eine Pause, wo ein Komma stehen würde.

Wiederholen Sie diese Übung so lange, bis Sie den Satz bequem ohne Atempausen durchsprechen können und gleichzeitig den Eindruck haben, dass Ihr Zuhörerpunkt Ihrem Gedankenfluss folgen kann. Jetzt haben Sie zwei Dinge geübt: Den Atem für Ihre Stimme zu nutzen und gleichzeitig Ihre Zuhörer in Ihren Gedankenfluss mit einzubinden. Und dabei haben Sie es zusätzlich geschafft, vermeintlich sinnhafte Sätze überzeugend zu vermitteln.

Zurück zum Teamwork: Genauso, wie wir im Team lernen können, uns besser zuzuhören, z.B. indem wir lernen darauf zu hören, was anders sein könnte oder darauf zu achten, wo wir etwas Neues lernen könnten ("listen for what's different"), genauso können wir im Team darauf achten, mit unserem Atem Ruhe ins Team zu bringen. Und wenn wir sprechen uns darauf zu konzentrieren, dass unsere Zuhörer uns verstehen.

Anmerkung
  • (/1/) Ein Auszug über den Integritätsausschuss der Deutschen Bank, gefunden hier: https://www.db.com/cr/de/konkret-kulturwandel.htm



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