Montag, 3. Juni 2019

War es das mit DevOps?

Wie steht's eigentlich um DevOps? Ein Interview mit Oliver Hankeln und Peter Götz, zwei Kollegen, die sich gut damit auskennen.


Oliver Hankeln und Peter Götz sind Kollegen aus unserem Netzwerk./1//2/ Beide sind gestandene Profis aus der Welt der Software-Entwicklung. Heute sind sie freiberufliche IT-Consultants und Scrum-Trainer. Ihr Herz schlägt vor allem für das Thema DevOps, das sie in ihrer Arbeit und natürlich in ihren DevOps-Kursen einbringen./3/

Edgar Rodehack: Kürzlich habe ich über eine Studie von Gartner /4/ gelesen, die besagte, dass DevOps nicht funktioniere. Heißt das etwa, dass DevOps tot ist?

Peter Götz [PG]: Nein, das glauben wir nicht. Aber wir sind natürlich auch voreingenommen.

Oliver Hankeln [OH] OH: Diese Studie zielt ja nicht darauf ab, dass DevOps nicht funktioniert. Sondern sie besagt, dass viele Firmen Probleme mit der Einführung von DevOps haben. Und das erleben wir ja auch in unserer Arbeit. Ein Grund für die Schwierigkeiten ist, dass es keine einheitliche Definition von DevOps gibt. Jeder kann etwas anderes darunter verstehen.

PG: Stimmt. Wenn Du einen Toolhersteller wie Microsoft fragst, dann ist DevOps sein Produkt. Andere Firmen wiederum sehen in DevOps eine Rolle. Ihre Mitarbeiter arbeiten dann als DevOps-Engineers oder generell in DevOps-Teams.

Offenbar liegt also ein Missverständnis vor. Was meint Ihr, wie kommt das?

OH: Anders als bei Scrum gibt es für DevOps keine offizielle Definition, also keinen „DevOps-Guide“. Deshalb ist der Begriff vielseitig geprägt.

PG: Gleichzeitig versuchen einige Akteure am Markt, den Begriff für ihre Zwecke zu verwenden. Wie eben zum Beispiel die Hersteller von Werkzeugen zur Unterstützung von DevOps. Die profitieren davon, wenn Unternehmen glauben, es würde reichen, nur ein Produkt einzukaufen, um erfolgreich DevOps zu „machen“.

Was ist denn Eure Definition von DevOps?

OH: Wir verstehen DevOps zuallererst als kulturelles Thema. Wir brauchen ein gemeinsames Werteverständnis, aus dem sich Prinzipien ableiten. Die helfen uns dabei, bessere Software in kürzeren Zyklen erfolgreich auf den Markt zu bringen.

PG: Gene Kim, einer der wichtigen Protagonisten rund um das Thema DevOps, hat in seinem Buch „The Phoenix Project“ dafür die „Drei Wege“ entwickelt./5/


Drei Wege? Das klingt ja geheimnisvoll. Was steckt da dahinter?


OH: Die drei Wege sind komplementäre Ansätze, die man gleichzeitig verfolgen kann – und auch sollte! –, um zu einer besseren Zusammenarbeit zu kommen.
Der erste Weg versucht, die Entwicklung und den Betrieb von Software eben nicht getrennt voneinander zu betrachten, sondern es als Gesamtsystem zu verstehen und zu optimieren. Kim nennt das „Improve flow from left to right“. Denn es ist wichtig, den Fluss von Arbeit durch das System zu optimieren und Verzögerungen sowie Übergaben zu vermeiden.

PG: Beim zweiten Weg geht es darum, Feedbackzyklen in das von Oliver beschriebene Gesamtsystem einzubauen. Das heißt, wir wollen nicht einfach nur schnelleren Arbeitsfluss erreichen, sondern außerdem an allen relevanten Stellen im Prozess überprüfen, ob wir auch das Richtige tun. Dieser Weg heißt „Amplify Feedback Loops“.

OH: Beim dritten Weg gehen wir davon aus, dass Menschen immer irgendwie Fehler machen werden – in komplexen Systemen sind diese ja schon definitionsgemäß unvermeidbar. Fehler sehen wir als Quelle für Lernen an. Deshalb schaffen wir Rahmenbedingungen, in denen Fehler keine katastrophalen Folgen haben. Diese Rahmenbedingungen helfen uns dann, dass wir nicht mehr so viel Energie in das Vermeiden von Fehlern stecken müssen. Stattdessen lassen wir Fehler sogar zu. Im Phoenix Project wird dieser Weg „Culture of constant experimentation and learning genannt“.

PG: Für mich ist der wichtigste Begriff beim dritten Weg „Experiment“. Wir versuchen, risikoarme Experimente zu entwickeln und durchzuführen, um mehr über das Problem zu lernen. So wie ein Wissenschaftler von Experiment zu Experiment mehr über sein Fachgebiet lernt.


"Organizations, year over year, show increasing importance of their need to understand and implement DevOps and its core technical practices of Continuous Integration and Continuous Delivery while also focusing on how those technical practices paired with increasing Test Automation can transform the culture between the Development and Operations organizations. Organizations and their teams want to address the visibility and delivery speed challenges they have with DevOps and its technical practices but struggle to understand where the best place to start is because many DevOps transformations start as 'bigbang' efforts." (Aus dem aktuellen 'State of Agile-Report' /6/)


Ist das nicht recht theoretisch? Ist es da nicht einfacher, schlicht ein Werkzeug zu installieren? Oder wie lassen sich die drei Wege konkret auf meine Arbeitsbereiche übertragen?

OH: Die drei Wege stellen eine Art Lackmustest dar, die mich bei der Auswahl von Praktiken und Werkzeugen unterstützen. Wenn ich nicht weiß, wozu ich ein Werkzeug einsetze, laufe ich Gefahr, dass ich ungute, dysfunktionale Strukturen mit diesem Werkzeug nachbaue.

PG: Was Oliver sagen möchte ist, dass die drei Wege natürlich schon theoretische Denkansätze sind. Die aber haben sogar sehr starken Bezug auf mein konkretes Handeln. Wenn ich zum Beispiel die Softwareentwicklung strikt vom Betrieb der Systeme getrennt habe, dann behindert das den Fluss von Arbeit durch das Gesamtsystem. Mit dem ersten Weg im Blick kann ich mir überlegen, welche Ideen und Werkzeuge mich dabei unterstützen, diesen Fluss zu verbessern. Das kann zum Beispiel durch die Einführung einer Continuous Deployment Pipeline passieren.

OH: Und das gleiche Werkzeug kann die bestehende Abtrennung der zwei Einheiten konkret und sehr praktisch noch verstärken. Und zwar dann, wenn die konkreten und praktischen Auswirkungen der augenscheinlich so theoretischen DevOps-Prinzipien nicht richtig verstanden wurden.

Und wie ich selbst schon bei Euch lernen durfte, geht es euch in Euren Vorträgen und Trainings genau um diese praktische Umsetzung der Prinzipien in DevOps.

OH: Ganz genau. In unserem DevOps-Lab tauchen wir in zwei Tagen recht tief in diese Materie ein und verknüpfen die Werte und Prinzipien mit konkreten Werkzeugen und Abläufen. Uns geht es um das Vermitteln solider Grundlagen. Und dann um den Transfer in die Praxis. Das ist schlussendlich ja das Wichtigste.

Lieber Olli, lieber Peter, vielen Dank für Eure Zeit und das Gespräch!

OH: Gern geschehen, vielen Dank für die Einladung.
PG: Vielen Dank und bis bald.


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