Direkt zum Hauptbereich

Burnout Prävention - persönliche und gruppendynamische Optionen

Heute war es anstrengend! Ich bin richtig fertig! 

An einem arbeitsreichen Tag völlig ausgepowert nach Hause kommen, ist völlig in Ordnung. Dieser Tag erfüllt Sie vermutlich mit Stolz, und Sie sind mit sich zufrieden. Anschließend hat jede Person ihre eigene Art, um wieder zu Kräften zu kommen. Manche bevorzugen die Sauna oder Meditieren, andere treffen sich mit Freunden, treiben Sport oder schlafen etwas länger als sonst.


Jetzt stelle ich Ihnen ein paar Fragen:

  • Haben Sie immer häufiger einen Durchhänger?
  • Erleben Sie gerade Situationen in denen Sie sich sehr gestresst oder unwohl fühlen?
  • Können Sie sich an den Wochenenden erholen und im Urlaub richtig abschalten?
  • Ist es möglich, dass andere Personen Ihre Stressverursacher für Sie übernehmen?
Bei einem persönlichen Burnout stimmt die eigene Energiebilanz über längere Zeit nicht mehr, denn es ist ein Zustand von emotionaler und oft auch körperlicher Erschöpfung. Kennen Sie die Anzeichen dazu?
Abb. 1
Frau Dr. Dagmar Ruhwandl beschreibt den Burnout Zustand in drei Phasen:
  • 1. Phase - Emotionale Erschöpfung: Hierzu gehören: Gefühl des Ausgebranntseins, Frustration, Verlust der Fähigkeit zu regenerieren
  • 2. Phase - Depersonalisation: Hierzu gehören: Gereiztheit, Gleichgültigkeit, Gefühllosigkeit gegenüber Mitarbeitern und Kunden, Kontaktvermeidung
  • 3. Phase - Leistungseinschränkung: Hierzu gehören: Verlust von Selbstvertrauen, negative Selbsteinschätzung, wenig positive Erlebnisse, Verlust von Kompetenz- und Effizienzgefühl, reduzierte Produktivität, Rückzug: Arbeitsunfähigkeit, Kündigung
Anmerkung: Wenn Sie sich bereits in der 3. Phase befinden, ziehen Sie bitte sofort die Notbremse und suchen möglichst schnell professionelle Hilfe!

Mit steigendem Stress wächst die Häufigkeit des Burnout-Syndroms. Laut amerikanischen Arbeitsmedizinern gilt derzeit ein „Webjahr“ - durch die stetig ansteigende Informationsflut von dauerhaft vernetzten Berufstätigen - wie zwei bis drei Arbeitsjahre vor dem Einfluss des World-Wide-Webs. Vermutlich lesen Sie oft in irgendwelchen Zeitschriften, was gut für Sie ist oder sein könnte. Weder ich noch andere dieser Autoren kennen Ihren Körper besser als Sie selbst. Finden Sie für sich heraus, was Ihnen gut tun könnte. Um chronischem Stress entgegenzuwirken, habe ich heute folgende Impulse für Sie, auch wenn Sie vieles davon schon wissen. Fangen Sie einfach jetzt damit an. Die Wirkung zeigt sich erst im TUN!

Impulse zur Burnout Prävention während der Arbeitszeit

  • Holen Sie sich häufiger Wasser, Tee oder manchmal Kaffee! (und bringen ihn wieder weg ;-). Gewöhnen Sie sich eine Trinkroutine an und trinken Sie ausreichend alkoholfreie und ebenso koffeinfreie Getränke, das unterstützt Ihre Konzentration und Sie bewegen sich immer wieder von Ihrem Arbeitsplatz weg. Animieren Sie Ihre auch Ihre Arbeitskollegen zum Trinken, dies muss nicht erst im Biergarten geschehen.
  • Öffnen Sie wenn möglich immer wieder Ihr Fenster. Frischluft macht aktiv.
  • Bei Bildschirmtätigkeiten hat sich das Palmieren der Augen bewährt. (Hände kurz warmreiben und die Handinnenflächen sanft auf die Augenlider legen). Falls Sie fragende Blicke Ihrer Kollegen ernten, fordern Sie diese einfach zum Mitmachen auf.
  • Haben Sie eine besonders mühsame Aufgabe zu erledigen? Dann arbeiten Sie 10-15 Minuten hochkonzentriert und verknüpfen diese mit Kurzpausen, damit das Erreichen des Ziels nicht zur Qual wird. Spätestens nach 90 Minuten sollten Sie Ihre persönliche „Batterie“ wieder gezielt aufladen. Arbeiten Sie effizient; sorgen Sie heute für geregelte Pausen!
  • Beleben Sie Ihr Netzwerk und halten ein motivierendes „Schwätzchen“ mit Kollegen. Bekommen die Themen einen negativen Charakter, beenden Sie bitte freundlich das Gespräch.
  • Vielleicht wagen Sie es ja manchmal Ihre Geräte zur dauerhaften Erreichbarkeit auszuschalten. Gönnen Sie sich und auch anderen diesen Luxus.
  • Legen Sie einfach kurz Ihre Handfläche auf den Bauchnabel und atmen sanft und gleichmäßig dagegen. Auch sekundenlange Aufmerksamkeiten wirken sich schon positiv auf Ihren gesamten Organismus aus.
Werden Sie aktiv! Ihr Körper ist ein Bewegungsapparat und kein Sitzapparat. Gönnen Sie Ihrem Körper den Stressabbau auf eine sanfte Weise.


Abb. 2

Weitere aktive oder passive Tätigkeiten außerhalb der Arbeitszeit können Sie vor dem Burnout schützen:
  • Wollen Sie etwas in Ihrem Leben bewegen? – Dann bewegen Sie sich! Gönnen Sie sich heute eine gute halbe Stunde aerobe Bewegung am Stück. Das gute Gefühl bekommen Sie hinterher gratis. Eine positive Wirkung auf Ihr gesamtes System erreichen Sie schon durch 90 Minuten Bewegung pro Woche, z. B. durch lockeres Joggen, Nordic Walking, Radeln, Schwimmen oder Wandern. Falls Sie sich schlecht motivieren können, fragen Sie Menschen, die Ihnen gut tun, ob sie mitmachen wollen.
  • Genießen Sie wieder die ruhigen Momente beim Essen oder Kochen. Nehmen Sie sich heute für Ihr Essen Zeit. Heute erlauben Sie sich einfach langsam und ruhig, ohne das Checken oder schreiben von Nachrichten, lesen von Zeitschriften etc. zu essen. Jetzt sind Sie während dem Essen für Ihren Körper da. Nehmen Sie bewusst wahr was Sie zu sich nehmen.
  • Wir Menschen sind soziale Wesen. Wann treffen Sie sich mal wieder mit Freunden? Setzen Sie heute noch das Datum.
  • Notieren sie täglich Ihre Erfolge oder positive Erlebnisse. Ihnen fällt jetzt gewiss was ein und mehr als drei bekommen Sie sicherlich zusammen.
Ihre Tätigkeit ist wichtig, aber Sie sind noch viel wichtiger! Werden Sie sensibel für Ihre Kollegen. Versuchen Sie die beste Umgebung für alle zu gestalten, denn sie verbringen viel Zeit miteinander.

PS. Entdecken Sie das Gute an Ihrem Leben, denn eine Raupe wird durch Jammern nicht schneller zum Schmetterling.

Literaturverzeichnis

  • Migge, B. (2011). Handbuch Business- Coaching. Weinheim und Basel: Beltz Verlag.
  • Ruhwandl, D. (2010). IV. Bin ich ausgebrannt? In D. Ruhwandl, Erfolgreich ohne auszubrennen (S. 37). Stuttgart: Klett - Cotta.
  • Schäfer, B. (2012). Die Gesetze der Gewinner. München: Deutscher Taschenbuch Verlag.
  • Schmitz, W. (2012). Schneller Lesen- Besser verstehen. Reinbek bei Hamburg: Rohwolt Taschenbuch Verlag.
  • Ruhwandl, D. (2010). Top im Job - ohne Burnout durchs Arbeitsleben. Stuttgart: Klett - Cotta.
  • Schaper, M. (2013). Sport und Gesundheit, Die Heilkraft der Bewegung. GEO kompakt - Die Grundlagen des Wissens, Nr. 34.
  • Burnout-Fachberatung: http://www.burnout-fachberatung.de/burnout-syndrom/burnout-praevention.htm

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Kategorien im Neuen Outlook - für das Team nutzen: Remake

Einer unserer erfolgreichsten Artikel auf diesem Blog ist im Teenageralter angekommen! Grund genug für ein Remake mit der aktuellen Outlook-Version. Spoiler: Es ändert sich nur wenig. 😉

Vom geheimen Anderssein in (deutschen) Unternehmen

Vielleicht kennen einige noch die Werbung einer Orangenlimonadenfirma aus den 80er Jahren: "Sind wir nicht alle ein bisschen bluna?" Dieses Wissen, metaphorisch gesprochen, setzt sich sehr zögerlich immer mehr im öffentlichen Bewusstsein fest: unsere Hirne sind nicht alle gleich. Im Arbeitskontext kann es zu nicht verstandenen Konflikten kommen, wenn alle über einen Kamm geschoren werden. Außerdem wundern sich Krankenkassen über steigende Ausgaben wegen Depressionen, Burnouts und Angstzuständen ihrer Mitglieder. Dafür könnte es Gründe geben, die weitgehend noch im Dunkeln zu liegen scheinen.

Das Ubongo Flow Game

Spiele bieten eine gute Gelegenheit, zeitliche Erfahrungen zu verdichten und gemeinsam zu lernen. Karl Scotland und Sallyann Freudenberg haben im Mai 2014 das Lego Flow Game veröffentlicht. Wir haben die Spielidee übernommen, aber das Spielmaterial gewechselt. Statt Legosteinen benutzen wir Material aus Grzegorz Rejchtmans Ubongo-Spiel. Hier präsentieren wir die Anleitung für das Ubongo Flow Game.

Warum du als Führungskraft die ersten 90 Tage nicht dem Zufall überlassen solltest (und schlechtes Onboarding dich mehr kostet, als du denkst)

Der erste Arbeitstag ist meistens gut organisiert: Laptop, Zugänge, ein freundliches Willkommen. Die Wochen danach entscheiden aber, ob jemand bleibt – und genau da lassen die meisten Unternehmen ihre neuen Mitarbeitenden allein. Ich erinnere mich an eine erfahrene SAP-Beraterin, die in ein großes Transformationsprojekt eingestiegen ist. Fachlich absolut top, hoch motiviert, mit besten Referenzen. In der ersten Woche bekam sie einen Laptop, einen Zugang zum Wiki und den Satz: „Schau dich einfach mal ein bisschen um, du findest dich schon zurecht." Niemand hatte Zeit, ihr die Systemlandschaft zu erklären. Niemand stellte sie den Stakeholdern vor, mit denen sie ab Woche zwei zusammenarbeiten sollte. Nach zehn Wochen kündigte sie noch in der Probezeit. Ihre Begründung im Abschlussgespräch: „Ich hatte nie das Gefühl, gebraucht oder eingebunden zu sein. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, ob ich hier überhaupt richtig bin." Das Traurige daran: Sie war fachlich genau richtig. Ver...

Viele Vorgänge und Projekte? Mit einem Vorgangsleitstand behält man den Überblick

Wer viele Vorgänge hat, braucht Mechanismen, um die wirklich wichtigen Vorgänge des Tages zu finden. Zwei Datumsfelder und ein Bearbeiterfeld reichen aus, um aus einer Vorgangsliste einen Vorgangsleitstand zu machen.

Die Sache mit den "faulen" Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern: Exekutive Dysfunktion

Neurodivergente Menschen verarbeiten Information anders als die meisten anderen Menschen. Das wirkt sich natürlich auch auf das Arbeitsleben aus. Als "Normalo" findet man immer wieder Themen, von denen man noch nie gehört hat und die im Nachhinein als Erklärung für beobachtetes, damals unverstandenes Verhalten anderer dienen könnten. Sie könnten aber auch, sofern sie bekannt sind, dazu beitragen, dass Teamwork und sogar das gesamte soziale Leben in Zukunft noch besser gelingen.

Rebellieren für den Wandel: die 8 Regeln des totalen Stillstandes von Prof. Dr. Peter Kruse

In einem legendärem Vortrag skizzierte Peter Kruse 8 Regeln des totalen Stillstands. Ihm zufolge wurden die Regeln entwickelt, um Managern und Führungskräften dabei zu helfen, Bereiche mit potenziellem Widerstand gegen Veränderungen zu erkennen und Menschen auf strukturierte Weise durch den Veränderungsprozess zu führen.

Microsoft Teams: Die neuen Besprechungsnotizen - Loop-Komponenten

  Haben Sie in letzter Zeit in einer Teams-Besprechung die Notizen geöffnet? Dort sind inzwischen die Loop-Komponenten hinterlegt. Die sind zwar etwas nützlicher als das, was zuvor zur Verfügung stand. Trotzdem ist noch Luft nach oben. Und es gibt sogar einige ernstzunehmende Stolperfallen. Hier ein erster, kritischer Blick auf das was Sie damit tun können. Und auch darauf, was Sie besser sein lassen.

Kategorien in Outlook - für das Team nutzen

Kennen Sie die Kategorien in Outlook? Nutzen Sie diese? Wenn ja wofür? Wenn ich diese Fragen im Seminar stelle, sehe ich oft hochgezogene Augenbrauen. Kaum jemand weiß, was man eigentlich mit diesen Kategorien machen kann und wofür sie nützlich sind. Dieser Blogartikel stellt sie Ihnen vor.

Struktur schlägt Heldentum - Eine Buchrezension

Ein neuer Ratgeber für gestresste Unternehmerinnen und Unternehmer ist erschienen. Bietet er wirklich nützliche Antworten auf ein bekanntes Problem? Ich denke, ja.