Montag, 17. Juli 2017

Dem inneren Saboteur auf der Spur


Viele kennen das: Man müsste ein wichtiges Projekt bearbeiten und kommt einfach nicht in die Gänge, schiebt wichtige Aufgaben immer wieder auf, macht Pläne und Listen und hält sich nicht daran oder bekommt sein Business einfach nicht so richtig zum Fliegen. Dabei war einem das Projekt doch so wichtig, die aufgeschobenen Aufgaben wären eigentlich gar nicht so schwierig und man hätte auch viele Ideen, wie man seiner Firma einen neuen Schub geben könnte. Aber man tut es nicht. Oder nur halbherzig.

Wer bei seiner Arbeit oder auch im Privatleben immer wieder vor solchen Situationen steht, beschimpft sich selbst als unfähig und disziplinlos, probiert ständig neue Zeitmanagement-Methoden aus und erlebt doch immer wieder den selben Frust. Und wundert sich, dass er Aufgaben auch dann aufschiebt, wenn sie für ihn eigentlich sehr wichtig wären, für das eigene Fortkommen oder den nächsten Karrieresprung oder zur Erfüllung eines langgehegten Traums.

In der Zeitmanagement-Literatur wird als Ursache für die "Aufschieberitis" oft der Perfektionismus und die Angst vor dem Scheitern genannt. Ich glaube aber, dass es oft genau das Gegenteil ist: Die Ursache ist Angst vor dem Erfolg.

Das klingt erst einmal sehr merkwürdig. Erfolg ist doch positiv!

Im Prinzip ja. Aber Erfolg kann zu einem unbewussten inneren Konflikt werden, wenn er sich nicht mit bestimmten Prägungen oder alten Glaubenssätzen verträgt. Einfaches Beispiel: Als Kind wurde einem in der Familie die feste Überzeugung vermittelt: "Geld verdirbt den Charakter"! Dann führt diese Meinung bei einer satten Gehaltserhöhung oder einem sehr erfolgreichen Business zu einem unguten Gefühl, auch wenn man es eigentlich anstrebt. Anderes Beispiel: In der Familie war jemand krank oder wenig erfolgreich. Dann entsteht durch einen eigenen Erfolg, der vielleicht sogar noch leicht errungen wird, ein innerer, unbewusster Loyalitätskonflikt mit dieser Person.

Und um diese schlechten Gefühle oder Konflikte von Anfang an zu vermeiden, tritt ein "innerer Saboteur" auf den Plan, der klammheimlich dafür sorgt, dass man sich nicht zu weit von Personen und Werten aus der Vergangenheit entfernt. Der Saboteur ist nämlich eigentlich ein Beschützer! Seine Methoden sind sehr wirksam: Aufschieben, Vergessen, Vermeiden, Handeln mit halber Kraft.

Wie findet man nun heraus, ob die Angst vor dem Erfolg bei einem selbst eine Rolle spielt? Indem man sich eine ruhige Stunde nimmt und sich in den leuchtendsten Farben den erwünschten Erfolg ausmalt: Dass man etwa die Aufgabe locker und vorzeitig erledigt und dem Chef präsentiert, das Projekt mit viel Schulterklopfen und Lob beendet, sich neue Kunden erschließt und am Ende des Jahres den Gewinn seines Unternehmens stark gesteigert hat. Welche Gedanken und Gefühle kommen dabei hoch? Fühlt man sich angespornt und in seiner Kraft? Oder entsteht vielmehr ein flaues Gefühl, ein "schlechtes Gewissen" und man hört eine vertraute kritische oder traurige Stimme? Dann ist man der Sache auf der Spur.

Überwinden lässt sich die Angst vor Erfolg oft schon durch Bewusstmachen dieser Zusammenhänge und durch die bewusste Korrektur alter Glaubenssätze. Manchmal muss man auch etwas tiefer graben, um die Mechanismen aufzudecken und zu neutralisieren, vielleicht auch mit externer Unterstützung.

Und wenn man sich damit erfolgreich auseinandergesetzt hat, kann man künftig selbst entscheiden, welche Erfolge man wirklich will und diese auch umsetzen. Der Saboteur darf in Rente gehen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen