Mittwoch, 8. April 2015

Wenn Sie das nicht umsetzen, sind Sie kein guter Manager - Beitrag zur Blogparade "Project Manager from Hell"

Patrick Koglin hat zur Blogparade aufgerufen: Welche “Bad practices” kennt ihr aus dem Projekt-Management? Ein beliebtes Spiel ist, nicht den Plan, sondern die Personen in Frage zu stellen. Und so geht es.

Als Projektmanager aus der Hölle beherrschen Sie alle Arten von politischen Spielchen, aber Sie haben keine professionelle Ausbildung im Bereich Projektmanagement. (Falls Sie daran etwas ändern wollen, können Sie ja mal einen Blick auf unsere Leseliste für Projektmanagement werfen).

Eine sehr schöne "Bad Practice" ist das Erstellen und Weiterleiten von ungeprüften Todo-Listen. Dazu wird eine Liste von scheinbar sinnvollen Aufgaben erstellt. Denken Sie bloß nicht an Ergebnisse, bevor Sie Arbeitspakete ableiten. Das ist nur ein Umweg. Ihr Auftraggeber möchte gleich sehen, wer sich um die Arbeit kümmert.

Zeigen Sie Ihre Liste einer dritten Person. Ist für diese Person die Liste plausibel, wird sie als neues Gesetz verkündet, das unbedingt einzuhalten ist.

Damit Sie die Freigabe der Todo-Liste bekommen, sollten Sie den Prüfauftrag an den Kollegen möglichst klein reden oder nebensächlich wirken lassen:
  • "Gib mir mal Feedback zum Projektplan. Ist doch plausibel, oder?"
  • "Ich muss gleich zum Chef und den Projektplan vorlegen. Passt der für Dich? XY hat auch schon draufgesehen."
Sehr schön ist auch das Verteilen der Todo-Liste als E-Mail. In der Teamsitzung sprechen Sie das so an: "Ihr habt ja alle den Projektplan gesehen. Keiner hat sich bisher beschwert. Also gilt der jetzt."

Sie können das Commitment zur Todo-Liste erhöhen, indem Sie die Zeitschätzungen der Projektmitarbeiter integrieren. Fragen Sie einfach: "Wie lange dauert denn die Migration der Kundenstammdaten? Ich brauche nur eine Hausnummer."

Aus diesen Hausnummern bauen Sie die Aufgabenliste zusammen. Wenn es später Verzögerungen gibt, erinnern Sie die Mitarbeiter an Ihre ursprüngliche Schätzung. Setzen Sie inhaltlich eine Schätzung mit einer Zusage gleich. Ihr Gegenüber wird das eh nicht merken.

Nehmen Sie sich keine Zeit für die Prüfung von Plänen. Leiten Sie alles direkt weiter zur Geschäftsführung. Schließlich wartet sie auf diese Dokumente. Hinterfragen von Annahmen kostet ja immer Zeit.

Natürlich wird jedem spätestens zur Mitte des Projekts klar, dass der ursprüngliche "Plan" nicht zu halten ist. (Sie können das noch etwas herauszögern, indem lange im Voraus planen und keine Zwischenergebnisse vorsehen.)

Nun ist es Zeit für Sie als Projektmanager aus der Hölle, den Druck auf die Mitarbeiter zu erhöhen. Dazu eignen sich folgende Sätze:
  • "Wenn Sie das nicht umsetzen, sind Sie kein guter Manager."
  • "Bei meiner letzten Firma war das kein Problem. Aber die Leute hier haben halt noch einen langen Weg vor sich."
  • "Konzentrieren Sie sich jetzt mal aufs Projekt und machen Sie nicht tausend andere Dinge."
  • "In dieser Firma arbeiten nur Chaoten."
Dabei sollten Sie auf jeden Fall klar erkennen lassen, dass Sie jede Verantwortung für die ursprüngliche Todo-Liste ablehnen:
  • "Ich musste diese Termine abgeben. Das wollte die Geschäftsführung so."
  • "Ich habe die Termine ja gar nicht geschätzt. Die Daten kamen doch von den Projektmitarbeitern"
  • "Mehr Zeit können wir nicht abrechnen, weil der Kunde nicht mehr zahlt."
  • "Für mehr Planung war keine Zeit, der Kunde wollte, dass wir sofort anfangen."
Damit Sie authentisch rüberkommen, ist ein entsprechendes Menschenbild unabdingbar. Gehen Sie immer davon aus, dass alle anderen Projektbeteiligten Anfänger sind. Der einzige Profi sind Sie, weil Sie schon viele Projekte geleitet haben. Die anderen haben keine Lust, sind faul und müssen regelmäßig an ihre Arbeit erinnert werden. Für diesen Erinnerungsdienst werden Sie als Profi schließlich bezahlt.

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