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Meine Take-aways vom Agile Coach Camp Cologne 2026 – oder: Warum wir vielleicht das Problem sind.

Vom 30.4.-2.5.2026 fand die dritte Ausgabe Agile Coach Camp Cologne statt – organisiert von Michael Muench. Auch dieses Mal war ich wieder beeindruckt von der Wärme, mit der er die Atmosphäre für die Veranstaltung setzt. Michael hat sich im letzten Jahr viel Mühe gegeben, Menschen anzusprechen und einzuladen, damit ein vor Expertise strotzendes und warmherziges Event entsteht. Vielen Dank, lieber Michael! 

Eines meiner persönlichen Highlights: die Sessions mit Bob Galen. Ja, genau – der „Coach der Coaches“, eingeflogen aus North Carolina. Meine wichtigste Erkenntnis?
Wenn Agilität noch eine Zukunft haben soll, dann dürfen wir Agile Coaches uns selbst mal ganz genau anschauen. Und zwar nicht im Sinne von „Ich bin schon ziemlich gut“, sondern eher: „Huch, was genau mache ich hier eigentlich?“

Die unbequeme Wahrheit: Die goldenen Zeiten sind vorbei

Es gab mal diese Phase, da musstest du nur „Scrum“ sagen und hattest einen Job. Diese Phase ist… sagen wir… historisch interessant geworden. In unseren gemeinsamen Sessions zur „Zukunft des agilen Coachings“ wurde schnell klar: Wir Coaches waren nicht nur Teil der Lösung. Wir waren auch Teil des Problems.

Zu belehrend.
Zu framework-verliebt.
Zu wenig echte Verbindung.

Statt Partnerschaften aufzubauen – gerade mit Führungskräften – haben wir oft eher wie wandelnde Methodenkoffer gewirkt. Immer bereit, das nächste Tool auszupacken. Leider ohne vorher zu prüfen, ob überhaupt jemand mit uns arbeiten will.

Der Gamechanger: Verbindung statt Belehrung

Was also tun? Bob hat es ziemlich klar gemacht: Weniger „Ich erkläre dir Agilität“ – mehr „Ich verstehe dich“. Klingt simpel. Ist es auch. Und gleichzeitig erstaunlich schwer.



Ein zentrales Learning aus einer weiteren Session: Unsere "Energie dem Gegenüber anpassen" - Viele Coaches laufen mit einer konstanten „Ich-bin-Coach-und-habe-Recht“-Frequenz durch die Gegend. Blöd nur, dass das nicht bei jedem gut ankommt.

Die gute Nachricht: Man kann das ändern. Und zwar ziemlich einfach.

Die „Beurteilung der Lage“


Wir haben mit Fragen aus der sogenannten „Beurteilung der Lage“ gearbeitet. Überraschenderweise kann die Technik ein effektiver Empathie-Booster werden. Nämlich wenn man sich vorstellt, dass das Gegenüber auf unsere Hilfe angewiesen ist.

Die Fragen sind simpel:
  • Welche Einflussfaktoren sind zu beachten?  
  • Was bedeuten sie und welche Wirkung entfalten sie bzw. könnten sie entfalten?  
  • Was muss, kann oder sollte, wann und wie getan werden?
  • Welches taktische Ziel entsteht? Welche Taktik wende ich an?

Und jetzt kommt’s: Sobald Coaches diese Fragen ernsthaft anwenden, passiert etwas Magisches.

Sie können eine Atmosphäre setzen.
Sie hören zu.
Sie beobachten.
Sie passen sich an.

Kurz: Sie verbinden sich.

Plötzlich echte Wirkung (wer hätte das gedacht?)

Wir haben das in zwei Übungsszenarien ausprobiert. Gleicher Raum, gleiche Menschen – aber komplett andere Wirkung. Die Coaches wirkten präsenter. Klarer. Einflussreicher. Nicht, weil sie mehr gesagt haben. Sondern weil sie besser verstanden haben.

Und genau das ist vermutlich der Punkt: Empathie ist kein Soft Skill. Empathie ist ein wirksames Werkzeug.

Fazit: Weniger Agile Coach spielen, mehr Mensch sein

Wenn ich ein Fazit ziehen müsste, dann dieses: Agile Coaching der Zukunft hat weniger mit Methoden zu tun – und mehr mit Selbstwahrnehmung.

  • Passe ich mich an – oder ziehe ich mein Standardprogramm durch?
  • Baue ich Verbindung auf – oder verteile ich kluge Ratschläge?
Die gute Nachricht: Wir müssen dafür keine neue Zertifizierung machen.
Die schlechte: Wir müssen an uns selbst arbeiten.

Und das ist bekanntlich die unbequemste aller Transformationen.



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