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Mehr Durchsetzungsstärke für Scrum Master:innen (mit der Peperoni Strategie to go)

Der agilen Community wird gern vorgehalten, in einer freundlichen Blase zu leben. Zum einen stimmt es ja auch, weil wir an das Positive in den Menschen glauben. Zum anderen sind sich Scrum-Menschen sehr wohl der Machtspielchen und Statuskämpfe bewusst, weil sie sie selbst in der Vergangenheit erlebt haben. So wollen sie nicht führen. Aber das Nicht-Kämpfen für mehr Agilität hat auch seinen Preis. Die Agilität bleibt nämlich auf der Strecke. Auch wenn es 80% der Zeit immer gut klappt, sollte man 20% der bissig genug sein, damit die Veränderungsuhr nicht zurück gedreht wird. Aber wie macht man das? Hier kommt demnächst der Nachfolger von Jens Weidners Peperoni-Strategie auf den Markt. Dieses Praxisbuch zeigt an vielen Beispielen, wie Männer und Frauen sich besser für ihre Projekte einsetzen können.

Es gibt einige Bücher, aus denen ich viel über Verhandlungstechniken und kritische Gespräche gelernt habe (z. B. Crucial Conversations oder Never Split the Difference). Aber die Hilfestellungen brauche ich erst, wenn der Konflikt schon evident ist. Für die berufliche Praxis habe ich mehr aus einem anderen Buch mitgenommen.

Die Peperoni-Strategie

Jens Weidner hat in Gefängnissen gearbeitet und Anti-Gewalt-Trainings entwickelt. Irgendwann bekommt er einen Anruf von einem Personalberater, der ihn fragt, ob man Gewalt auch gezielt aufbauen kann. Weidner hält das erst für einen Scherz, bevor sein Gesprächspartner fortfährt. Viele seiner Klienten seien zu nett und würden sich nicht für ihre Projekte einsetzen, obwohl es gute Projekte seien.

Weidner entwickelt daraufhin ein Training für mehr Durchsetzungskraft im Business-Alltag. Darum geht es in der Peperoni-Strategie. Er schreibt ausdrücklich, dass ihm weder um Machiavellismus noch um Machtstreben um jeden Preis geht. 80% dürfe man gern so bleiben, wie man sei. Aber zu bestimmten Zeiten müsse man die Ohren spitzen und auf Kleinigkeiten sofort reagieren.

Scrum Master müssen sich mehr einsetzen

In der agilen Szene glauben wir gern, dass gute Argumente und der Verweis auf den geschäftlichen Nutzen ausreichen, um die Organisation zu verändern. Dem ist nicht so. Bob Emiliani beschreibt in seinem Buch The Triumph of Classical Management, dass es auf der Topmanagementebene so gut wie unmöglich ist, anders als klassisch zu handeln.

In den meisten Fällen sind wir noch nicht einmal auf einer hohen Managementebene unterwegs. Mit agilen Methoden stoßen wir andere vor den Kopf. Manager sind unsicher, was wir da tun. Sie haben sich etwas aufgebaut, was wir vielleicht gerade kaputt machen. Es gibt viele, ganz menschliche Gründe, warum sich jemand bedroht fühlen könnte und dass sich Menschen dagegen wehren.

Hier kommt die Peperoni-Strategie ins Spiel. Weidner empfiehlt, sich regelmäßig Notizen über mögliche Gegenspieler zu machen („Salzmann ist und bleibt ein Idiot“). Zudem lohnt es sich regelmäßig sein Umfeld zu analysieren und vielleicht mal zu fragen, ob da irgendwas auf einen zukommt. Das macht sein Buch so praktisch. Kurzweilig zu lesen ist es obendrein auch noch. (Über die Speaker-Qualitäten des Autors könnt Ihr Euch bei YouTube informieren.)

Aber wie geht das nun ganz praktisch? Hier kommt der Nachfolgeband, „Die Peperoni-Strategie to go: Positive Aggression im Alltag gewinnbringend einsetzen – Das Praxisbuch zum Bestseller“ ins Spiel.

Praxisbeispiele ohne Ende

In seinem neuen Buch fasst der Autor die zwölf Grundregeln der Peperoni-Strategie noch einmal zusammen, z. B. „Sie sollten in der Lage sein, sich höflich und angemessen Gehör zu verschaffen, wenn man gegen Ihre Interessen agiert und es so geschickt einfädelt, dass Sie eingeschüchtert lieber schweigen würden.
Buchcover von der Peperoni Strategie to go

Danach folgen viele Beispiele mit Kollegen oder Chefs, die jeder schnell wieder erkennt; vielleicht sogar sich selbst in der Situation. Da geht es z. B. um Fehlerkultur, die dann bitte doch nicht so offen gelebt werden soll oder um einen neuen Mitarbeiter, dessen Ideen auf Ablehnung stoßen.

Die Fälle sind immer kurz beschrieben. Sie werden analysiert und danach wird empfohlen, wie die betreffende Person reagieren könnte. Aggressiv sind an Weidners Empfehlungen selten die Reaktionen, sondern eher, dass man das Thema sofort aktiv angeht und nicht aussitzt. Von allein wird es halt nicht besser.

Er empfiehlt ein überlegtes Handeln: „Sie sollten chancenlose Kraftproben unterlassen! Bevor Sie in einen Disput gehen, prüfen Sie Ihre Gewinnchance. Liegt diese bei 51 Prozent plus X lohnt es sich einzusteigen. Ich bevorzuge Kämpfe, die bereits im Vorfeld eher eine 70prozentige Gewinnchance bieten. Diese Auseinandersetzungen sind weniger kraftraubend, und der Sieg schmeckt genauso süß! Sollten Ihre Erfolgsaussichten unter 50 Prozent liegen, dann lassen Sie die Finger davon.

Ich finde die Empfehlungen nachvollziehbar und realistisch. Für Scrum Master, Agile Coaches und agil geprägte Führungskräfte ist das praktisches Führungswissen, das kaum Mehraufwand erzeugt, aber einen großen Nutzen verspricht. Auch dieses Buch ist wieder locker geschrieben.

Die Peperoni Stratgie to go erscheint am 06.03.2024 und kann beim Buchhändler des Vertrauens vorbestellt werden (z. B. bei Amazon oder bei Thalia). (Nachdem ich das Buch vorbestellt hatte, hat mir der Autor einen Auszug zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür.)

Wer nicht bis zum 6.3. warten möchte, kann sich ja den ersten Teil der Peperoni-Strategie besorgen oder Jens Weidner bei LinkedIn folgen.



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