Direkt zum Hauptbereich

The Art of the Start - Die Auftragsklärung

Was tun, wenn ein Auftrag ansteht und noch ziemlich unklar ist, was eigentlich zu tun ist. Welche Fragen können helfen?

Foto: Autor
Neulich fragte mich ein Kollege, ob ich ihm bei der Auftragsklärung helfen könne. Es ginge darum, einen initialen Workshop für ein Beratungsprojekt zu veranstalten. Es gebe nur recht wenige, grundsätzlich und wage Informationen. Die klassische Situation also: Wie klärt man solche Aufträge möglichst gut? 

Natürlich wollte ich helfen. Und das möglichst gut. Also kramte ich wieder mal in meinem "Wolkenbuch der Weisheit". Das ist ein Buch, in dem ich Mindmaps zu wichtigen Dingen sammle (oder zumindest zu solchen, die mir so erscheinen), damit sie mir nicht verloren gehen oder durchrutschen. Hier mein Skribble:

Foto: Autor

Und dann setze ich mich hin und schrieb zusammen, was mir zu der ungeklärten Beratungssituation einfiel und wie ich dabei vorgehen würde:


Von: edgar@rodehack.de <edgar@rodehack.de> 
Gesendet: Dienstag, 2. März 2021 
An: XXX 
Betreff: Ideen für dein Telefonat mit dem Klienten   

Hallo! Wie gestern vereinbart, hier mal meine paar Fragen, die ich so oder so ähnlich beim Vorbereitungsgespräch stellen würde. Wir alle wissen ja noch sehr wenig von der konkreten Situation beim Klienten. Deshalb sind das ziemlich klassische Fragen zur Auftragsklärung:

Allgemein

Um zu entscheiden, was wie sinnvoll ist, würde ich allgemein zunächst mal gerne wissen: Problem
  • Um was geht's denn eigentlich genau? 
  • Was ist das Problem bzw. die Probleme, das bzw. die gelöst werden sollen? (Im Management, im Team, bei beiden, woanders?) 
  • So konkret es geht bitte beschreiben! Beispielhafte Situationen etc.

Ursache

  • Warum besteht das Problem überhaupt? Was ist der Kontext?
  • Woran liegt es, dass die Probleme bestehen? Und auch in dieser Form?
  • Wie lange geht das schon so? Was sind die jüngsten Entwicklungen?

Ziel

  • Was soll erreicht werden? Management, Teams und oder Zulieferer agilisieren?
  • In welche Richtung soll es gehen?
  • Bis wann?
  • Welche Etappenziele sind denkbar oder schon vorgedacht?

Lösungsansätze

  • Offenbar macht der Klient ja schon ein bisschen mit dem Thema herum. Was ist da konkret schon geschehen (Trainings, Coachings, agile Projekte etc.)? Wo stehen die Teams und die KollegInnen? Was hat gut geklappt, was weniger gut?
  • Konkret: Wie weit ist Hintergrundwissen und konkrete agile Erfahrung schon vorhanden? Wieviel können/müssen wir voraussetzen? Wo ist u.U. noch etwas zu tun?
  • Wie denken, hoffen, wünschen sich die Auftraggeber, dass der gemeinsame Lösungsweg mit uns aussieht?

Outcome

  • Was wäre der ideale Outcome? Wie sehen die Vorstellungen über ein gelungenes Projekt aus? Was ist dann konkret erreicht? Wo steht die Gruppe dann?

Ressourcen

  • Was müsste dafür – aus Sicht des Klienten!!! - geschehen?
  • Was wäre dafür – aus Sicht des Klienten!!! - hilfreich?

Vorbereitung auf den Workshop

Aus meiner Sicht wäre viel geholfen, wenn uns unser Ansprechpartner beim Klienten diese Fragen beantwortet:
  1. Erwartungsmanagement: Aus Sicht des Klienten: Was wird im Workshop idealerweise behandelt? Welche Themen sollen behandelt werden? Welche besser ausgeklammert? Was wäre das superideale und hyperzufriedenstellende Ergebnis des Workshops? Was brauchts dafür? (Wie gesagt: Alles aus Sicht des Klienten!)

  2. Welche Rolle wird uns als Externen zugewiesen? Eher Beratung. Eher Begleitung? Eher Moderation? Eher…?

  3. Dreamteam: Wer nimmt – aus Sicht des Klienten! – idealerweise teil? Wer besser nicht? Warum?

  4. Ext. Dreamteam: Gibt es TeilnehmerInnen, die auch wichtig wären, an die wir aber gerade nicht denken? Vielleicht auch „unangenehme“, also kritische und machtvolle Beiträger?

  5. Wasserleichen: Gibt es Themen, die in einer idealen Welt am besten auch gleich bearbeitet würden, aber im Moment vielleicht vermintes Gelände sind? Was ist die Geschichte dahinter?

  6. Wie ist der Stand der TeilnehmerInnen im Bezug auf das Projekt? Wissen sie Bescheid? Auf einer Skala von 1 (Blank) bis 10 (Erleuchtet)?

  7. Wie ist der Stand der TeilnehmerInnen im Bezug auf Agile und Agile Führung? Auf einer Skala von 1 (Blank) bis 10 (Erleuchtet)?

  8. Wie ist der Erfahrungshintergrund der TeilnehmerInnen in Bezug auf das Beratungsziel?

  9. Gibt es Konsens über die Ziele? Gibt es widerstreitende Interessen? Worauf können, müssen wir uns einstellen für die Moderation?

  10. Inwiefern besteht bei den TeilnehmerInnen Erfahrung in Online-Collaboration bzw. Online-Workshops? Über welches Tools wird gearbeitet? Welche Tools sind erlaubt, welche untersagt?
Das sind so die Fragen, die ich stellen würde, um herauszufinden und zu entscheiden, wieviel moderierender, aktivierender oder anleitender Input bzw. Moderation von unserer Seite her nötig ist. 

Das waren meine 5 Cent. Hoffe, dass ist hilfreich. 

Herzliche Grüße,
Edgar

 Alle Teamworkblog-Posts von Edgar Rodehack.

Edgars eigener Blog: www.trellisterium.de
Edgars Podcast: trellisterium.podbean.com 

Edgar Rodehack ist Teamwork-Enthusiast mit einem Faible für agile Formen der Zusammenarbeit. Da trifft es sich natürlich gut, dass er das beruflich macht. Er ist Organisationsberater, Business und Agile Coach, Teamentwickler und Moderator. Außerdem ist er ein Mensch mit Frau und drei Kindern, der viel Spaß am Musikmachen, Schreiben und Lesen hat. Mehr über ihn: www.rodehack.de 

Ihr wollt mehr über Scrum wissen? Wir haben eine Übersichtsseite zu Scrum, über die man sich in die wichtigsten Artikel in diesem Blog einlesen kann.

 


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Die Profi-Tools im Windows-Explorer

Haben Sie bei der Urlaubsvertretung sich manches Mal geärgert, wenn Sie Dateien gesucht haben, die ein Teammitglied abgelegt hat? Die Suche im Explorer funktioniert tadellos, aber manchmal sollte man den Suchbegriff noch ein bisschen genauer fassen können. Z.B. mit UND oder ODER oder NICHT... Das geht so einfach, dann man von alleine kaum drauf kommt:

Warum du als Führungskraft klügere Mitarbeiter einstellen solltest (und Mikromanagement dein größter Fehler ist)

Es ist einer der am häufigsten zitierten Führungsratschläge: Umgib dich mit Menschen, die klüger sind als du. Und einer der am seltensten wirklich befolgten. Warum? Weil er sich leichter sagt, als er sich anfühlt.

Das Ubongo Flow Game

Spiele bieten eine gute Gelegenheit, zeitliche Erfahrungen zu verdichten und gemeinsam zu lernen. Karl Scotland und Sallyann Freudenberg haben im Mai 2014 das Lego Flow Game veröffentlicht. Wir haben die Spielidee übernommen, aber das Spielmaterial gewechselt. Statt Legosteinen benutzen wir Material aus Grzegorz Rejchtmans Ubongo-Spiel. Hier präsentieren wir die Anleitung für das Ubongo Flow Game.

Unternehmenskultur frisst Agilität zum Frühstück

Zyklische Abfolgen sind an vielen Stellen im Leben beobachtbar: Wiederkehrende vier Jahreszeiten, alte Songs, die plötzlich als Cover-Versionen wieder auf den Markt kommen (Jugendliche identifizieren diese dann als "Grundform", denn sie kennen das Original nicht), erst Karottenjeans, dann wieder Hosen mit Schlag, dann wieder Karotte, in der Politik Republikaner, Demokrat, Republikaner, Demokrat..., Hardliner-Papst, Vermittler-Papst... - alles kommt in regelmäßigen Abständen wieder. So auch die Erkenntnis, was man alles tun müsste, um in Unternehmen wirklich agil arbeiten zu können. Warum aber gelingt die Installation agiler Zusammenarbeit in größeren Unternehmen bis heute so wenig zufriedenstellend? Werden dabei vielleicht Aspekte immer noch zu wenig gesehen?

Microsoft Teams: Die neuen Besprechungsnotizen - Loop-Komponenten

  Haben Sie in letzter Zeit in einer Teams-Besprechung die Notizen geöffnet? Dort sind inzwischen die Loop-Komponenten hinterlegt. Die sind zwar etwas nützlicher als das, was zuvor zur Verfügung stand. Trotzdem ist noch Luft nach oben. Und es gibt sogar einige ernstzunehmende Stolperfallen. Hier ein erster, kritischer Blick auf das was Sie damit tun können. Und auch darauf, was Sie besser sein lassen.

Coaching- und Führungsframeworks im Überblick: 21 Linsen für Teams und Organisationen

Gute Scrum Master:innen und Coaches betrachten das Geschehen durch mehr als eine Brille oder Linse. Jede Linse gibt andere Hinweise für angemessene Interventionen. Im Prinzip suchen wir immer nach der kleinsten Intervention mit der größten Wirkung. Aber welche Linsen gibt es eigenlich? In diesem längeren Beitrag stelle ich die wichtigsten 21 Konzepte von 37 Autor:innen vor, die mir bei der Recherche begegnet sind.

Kategorien in Outlook - für das Team nutzen

Kennen Sie die Kategorien in Outlook? Nutzen Sie diese? Wenn ja wofür? Wenn ich diese Fragen im Seminar stelle, sehe ich oft hochgezogene Augenbrauen. Kaum jemand weiß, was man eigentlich mit diesen Kategorien machen kann und wofür sie nützlich sind. Dieser Blogartikel stellt sie Ihnen vor.

Warum Veränderungsinitiativen scheitern - und wie Du veränderungsresistente Strukturen knackst

[TL;DR] Viele Veränderungsinitiativen stossen auf harten Widerstand - nicht weil die Idee der Veränderung oder das Zielbild schlecht ist, sondern weil Organisationen wie Tensegrity-Strukturen funktionieren: hochgradig vernetzt, unter Spannung, systemisch. Wer das versteht, geht Veränderung anders an. Hast Du schon mal von Tensegrity Strukturen gehört? Nimm Dir doch mal kurz Zeit und schau Dir das Video an. Dann hast Du's sofort im Kopf. Und wenn Du die 58 Sekunden nicht hast und lieber weiterliest: Tensegrity-Strukturen sind faszinierende Gebilde aus schwebenden Stäben und Seilen, bei denen sich kein Stab direkt berührt - und trotzdem hält das ganze Ding sehr resilient gegen Störungen zusammen. Ich bin Tensegrity-Strukturen zuerst in einem ganz anderen Zusammenhang begegnet - in der Trainingslehre. Der menschliche Körper wird nämlich von einer solchen Struktur aus Zug und Druck - Muskeln, Faszien, Sehnen - permanent im Gleichgewicht gehalten. Das Elegante daran: Stabilität entsteh...

Office-Hacks - Sammlung Teil 2: OneNote und PowerPoint

Immer wieder werde ich nach speziellen Hacks, Tipps und Tricks gefragt, die einem die Arbeit mit MS-Office-Produkten erleichtern. Also habe ich eine zeitlose Sammlung von kleinen Handgriffen zusammengestellt, die in meinen Seminaren oft für erhellende AHA-Momente sorgen. Dies ist der zweite Teil meiner kleinen Serie mit OneNote und  PowerPoint. Der erste Teil hat Outlook und Teams behandelt;  Word, und Excel werden folgen.

Neuer Scrum Master? Mit drei einfachen Fragen sofort wirksamer werden (drei praktische Linsen)

Es gibt eine Vielzahl von Linsen, durch die Scrum Master:innen und Agile Coaches auf die Arbeit eines Teams schauen können. Man muss sich aber auch mit ihnen beschäftigen, um gut zu sehen. Gibt es vielleicht Linsen, die neue Scrum Master:innen schnell benutzen und lernen können? Ja, die gibt es und sie haben ihre Nützlichkeit 1,7 Mio. mal bewiesen. Aber fast kein Scrum Master kennt sie.