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Was ist agile Rechenzentrumsorganisation? - Über den Roman "The Phoenix Project"

Die Zeiten sind nicht einfach, um ein Rechenzentrum zu führen. Die Kunden haben hohe Anforderungen an Preis, Geschwindigkeit und Qualität. Gleichzeitig muss man aufpassen, dass gute Mitarbeiter dabei bleiben, dass die Kosten nicht aus dem Ruder laufen und dass man mit der Technik Schritt hält. Der neue Roman "The Phoenix Project" von Gene Kim und Co. zeigt einen Lösungsweg auf. (There is an English version of this post.)

Viele Unternehmen leisten sich ein eigenes Rechenzentrum oder arbeiten eng mit einem IT-Dienstleister zusammen. Ich glaube, dass IT auch in Zukunft noch einen wichtigen Beitrag für Unternehmen liefern kann. Die Kollegen der IT kennen die Systeme ganz genau und als Kunde weiß man, was mit den eigenen Daten passiert. Oft gehören eine oder mehrere Abteilungen dazu, die Software entwickeln oder anpassen.

Aber wie organisiert man solch einen Betrieb, damit Preis und Qualität stimmen? Die meisten unserer Kunden sagen uns, dass Konzepte wie ITIL ihnen zu aufwändig seien. Sie sind nur ein kleiner Betrieb und müssen sich genau überlegen, welcher Overhead noch akzeptabel ist.

Doch bevor ich jetzt Konzepte wie Change Management oder IT-Pricing beschreibe, möchte ich lieber das Phoenix Project vorstellen. Dieses Buch von Gene Kim, Kevin Behr und George Spafford erzählt von den täglichen Katastrophen in einem Rechenzentrum des fiktiven Autoteileherstellers "Parts Unlimited".
Buch-Deckel (mit freundlicher Genehmigung von IT Revolution Press)

Dort übernimmt Bill Palmer die Leitung für den IT-Betrieb. Bis zu Mitte des Buches passieren eigentlich nur Katastrophen:
  • Ein sehr wichtiges Softwareprojekt (Phoenix) soll ohne Rücksicht auf verfügbare Ressourcen zu einem bestimmten Termin fertig sein. Es kommt, wie es kommen musste.
  • Wegen dünner Personaldecke kracht es an allen IT-Ecken und Enden.
  • Es gibt einen Zoo an IT-Systemen und eine Menge technische Schulden.
  • Die Wirtschaftsprüfer sind im Haus, weil sie Sicherheitsmängel gefunden haben.
  • Die IT steht kurz davor, an einen Dienstleister verkauft zu werden.
  • Ein wichtiger Mitarbeiter aus Bills Abteilung ist der Flaschenhals für die meisten Themen.
  • Und natürlich liegen verschiedene Abteilungen miteinander im Clinch.
  • Ach ja, Geld und Ressourcen gibt es vom Chef auch nicht.
Die Szenen kommen mir sehr bekannt vor. Auch die verschiedenen Charaktere sind realistisch dargestellt. Man möchte dem CEO eigentlich ins Gesicht springen und ihn anschreien: "Wenn Dir das alles so wichtig ist, dann lass auch das Geld dafür springen."

Aber so geht das heute nicht mehr. Der CEO hat eben kein Geld mehr. Die ganzen Baustellen sind trotzdem wichtig und müssen bearbeitet werden.

Bill Palmer kommt mit seinen klassischen Konzepten nicht weiter. Wenn das System nicht funktioniert, bringt härteres Arbeiten nichts. Ein potenzielles Mitglied im Aufsichtsrat übernimmt die Rolle des Gurus und bringt Bill zum Nachdenken. Die zweite Hälfte des Buches besteht darin, dass Bill und sein Team die Abläufe insgesamt stückweise neu organisieren.

Die Autoren sind keine Unbekannten. Sie machen sich seit Jahren für ein Organisationskonzept stark, dass Dev2Ops (order DevOps) genannt wird. Sie nutzen die Story, um ihre Konzepte an Beispielen besser zu erklären. Ich finde, das gelingt ganz gut. Patrick Peschlow hat übrigens im Javamagazin einen guten Überblicksartikel zu DevOps geschrieben (/2/).

Wie lösen Bill und sein Team diese Probleme? Hier einige Punkte:
  • Sie richten den Blick statt auf IT-Problemen nun auf Business-Probleme. Das relativiert einige IT-Probleme und andere IT-Probleme können organisatorisch gelöst werden.
  • Sie versuchen, Probleme systemisch zu betrachten. Es geht nicht mehr darum, wie die Abteilung Operations die Programme von der Entwicklung (engl. Development) in Produktion bringt. Es geht darum, wie Entwicklung und Operations zusammen Software so bauen, dass sie gut betreibbar ist. Daher kommt auch der Name Dev2Ops, von der Entwicklung zum Betrieb.
  • Sie suchen nach Engpässen in den Abläufen und optimieren so. Dann stellen sie die Organisation so um, dass die Engpässe optimal bedient werden. Den Ansatz kennen wir ja schon von der Theorie of Contraints (/3/) aus der Produktion.
Für mich ein sehr lesenswertes und kurzweiliges Buch. Die einzelnen DevOps-Konzepte sind natürlich nur knapp dargestellt. Mehr ist im Rahmen von Romanen nicht möglich (/4/). Die gedruckte Ausgabe hat knapp 350 Seiten. Die elektronische Ausgabe bei Amazon kostet zur Zeit keine zehn Euro.

Anmerkungen

Kommentare

  1. James Urquhart hat eine Leseliste zu dem Thema bei GigaOm erstellt: http://gigaom.com/2013/04/21/great-devops-anti-fragility-and-complexity-resources/

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