Montag, 11. November 2019

Scrum richtig skalieren mit Scrum@Scale

Ende Oktober habe ich das Global Scrum Gathering in Wien besucht. Eine so große Scrum Konferenz bietet so viele Gelegenheiten für Gespräche. Während der dreieinhalb Tage habe ich mit vielen Kollegen gesprochen. Nach einigen Gesprächen habe ich mich umgedreht, konnte drei Meter weit laufen, bevor ich auf die nächsten alten Bekannten traf.

Viele Gespräche habe ich an unserem Scrum@Scale-Stand geführt. Dabei habe ich mitbekommen, dass es vermutlich einige Missverständnisse darüber gibt, was Scrum@Scale eigentlich ist. In diesem Artikel möchte ich auf das Wesen von Scrum@Scale hinweisen, und dass es kein Skalierungs-Framework wie SAFe oder LeSS ist.

Am häufigsten habe ich die Frage gehört, warum Jeff Sutherland denn nun ein neues Framework geschaffen hätte und wie es sich von bestehenden Frameworks unterscheiden würde. Und so, wie es aufgebaut wäre, wäre es doch auch nur eine andere Beschreibung einer hierarchischen Organisation. Ich habe den Eindruck, dass nur Praktiken bekannt geworden sind, nicht aber das eigentliche Wesen.

Deshalb möchte ich kurz beschreiben, was Scrum@Scale eigentlich ist.

  1. Scrum@Scale ist im Kern Scrum. Dabei geht es nicht darum, so viele Teams wie möglich zu bilden. Es geht darum, dass sich eine Organisation mit Scrum sättigen kann, und zwar so, wie sie es braucht. Bevor wir darüber nachdenken, Scrum in der ganzen Organisation auszubreiten, versuchen wir zuerst, mit einem oder wenigen Teams mit Scrum zu beginnen. Und zwar so, dass Scrum gut läuft. Das messen wir daran, dass die Teams in jedem Sprint etwas liefern können, dass Kunden mit den Lieferungen und die Teams mit ihrer Arbeitsumgebung zufrieden sind, und dass sich die Teams kontinuierlich verbessern können. Wenn die Führung eines Unternehmens auch noch dabei erwischt wird, die Teams zu unterstützen und Hindernisse zu beseitigen, vielleicht sogar selbst als Scrum Team zu arbeiten, dann kann man darüber nachdenken, auch in anderen Teams oder Unternehmensbereichen Scrum einzuführen. 
  2. Systeme können sich dann gut entwickeln, wenn sie „skalenfrei“ oder „skaleninvariant“ sind  (/1/). Das funktioniert gut mit einer objektorientierten Architektur. Ein objekt-orientiertes System ist so aufgebaut, dass Module oder Komponenten miteinander kommunizieren. „Der Schlüssel zur Entwicklung großer und erweiterbarer Systeme liegt eher darin, zu entwerfen wie die Module kommunizieren, als zu entwerfen, was ihre internen Eigenschaften und die Verhaltensweisen sein sollten." (/2/). Daher sind das Wesen von Scrum@Scale seine 12 Komponenten (s. Bild). Jede Komponente hat Ziele, liefert Ergebnisse (Outputs) und benötigt dafür die Ergebnisse anderer Komponenten (als Inputs). Sie sind im Scrum@Scale Guide beschrieben (/3/). 

Das Scrum@Scale Framework (Quelle: https://www.scrumatscale.com)


Genauso wie Scrum, ist Scrum@Scale leichtgewichtig. Wenige Regeln sollen dabei helfen, dass jeder das System versteht. Z.B. lernen Teilnehmer eines Scrum Trainings ihre Instinkte zu schulen: Sobald etwas nicht gut funktioniert, konzentriert sich ein Scrum Master auf „Transparency, Inspection & Adaption“, auf die Scrum Werte Fokus, Respekt, Offenheit, Mut und Commitment und auf das Scrum Framework selbst. Oder anders ausgedrückt: Es geht nicht um Praktiken oder Tools, es geht darum, die Situation transparent zu machen, die Teammitglieder darauf aufmerksam zu machen, wie die Scrum Werte und das Framework helfen können, um die Situation zu verbessern.

Genauso funktioniert das mit Scrum@Scale. Hier geht es nicht um Skalierungs-Praktiken wie „Scrum of Scrums“ oder „Meta Scrums“. Es geht darum, auf die Prinzipien zu schauen: Welches Hindernis ist gerade am wichtigsten und welche Komponente könnte dabei helfen, die Situation zu lösen?

Einige Beispiele:
  1. Nehmen wir an, dass ein Unternehmen gerade von Qualitätsmängeln seiner Produkte existenziell gefährdet ist. In diesem Fall würden die Scrum Master als nächstes dabei helfen, dass in der Komponente Deployment eine Lösung erarbeitet wird.
  2. Wenn Innovationen für das Unternehmen am wichtigsten sind, schaut man die Komponenten des Product Owner Zyklus‘ an, vermutlich die Komponente Feedback besonders.
  3. Wenn der Druck, möglichst schnell agil zu werden, sehr hoch ist, prüft man, ob die Komponente Executive Action Team wirklich funktioniert.

Scrum@Scale ist also nicht ein Skalierungsframework wie SAFe oder LeSS, die viele Praktiken bereithalten. Scrum@Scale bietet einen leichtgewichtigen Überblick über eine Organisation und immer einen nächsten (kleinen) Schritt, wie sie verbessert werden kann.

"Incrementally crafting your organization."

Verweise:

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