Montag, 2. Juli 2018

Design Thinking für Einsteiger

Wie entsteht eigentlich eine Produktvision? Wie füllt sich der Product Backlog? Solche Fragen stellen sich häufig zu Projektbeginn. Um sie zu klären, bietet sich Design Thinking (DT) an. Hier eine kurze Einführung inklusive dreier Literaturhinweise zu den Fragen, warum Design Thinking hier hilfreich ist, was für Design Thinking notwendig ist und wie man vorgehen kann. 

Warum Design Thinking?


Der Product Owner hat eine schwierige Aufgabe. Er soll ein Produkt realisieren, welches diese drei Anforderungen mindestens genügt:

  • Das Produkt muss ökonomisch Sinn machen (engl. "viable").
  • Es muss technisch machbar sein (engl. "feasible"). 
  • Es muss vom Anwender gerne verwendet werden (engl. "desirable").

Wie können diese drei Anforderungen in Einklang gebracht werden? Die Antwort darauf entsteht selten durch einen Geistesblitz einer einzelnen Person im stillen Kämmerlein, die dann auch noch sagt: "Genau so machen wir es! Das wird ein Erfolg!".

Was ist notwendig?


Es braucht vielmehr einen iterativen Prozess, um eine Lösung für den Anwender zu schaffen, die wünschenswert, machbar und wirtschaftlich ist. Dies geschieht durch wiederholtes Ausprobieren und frühzeitiges Feedback von betroffenen Personen.

Zudem ist ein multi-disziplinäres Team hilfreich, welches kontinuierlich diesen Prozess begleitet und vorantreibt. Dieses Team kann sich dann aus unterschiedlichen Blickwinkeln in die Lage des Anwenders versetzen, um neue Ideen zu generieren und neue produktrelevante Einsichten zu finden.

Außerdem ist ein kreatives Umfeld hilfreich, also ein Raum, in welchem das Team gemeinsam arbeiten kann. Hier entstehen die Ideen und Erkenntnisse, hier wird visualisiert und Prototypen entworfen und weiterentwickelt.

Wie wird Design Thinking durchgeführt?

 

Der iterative Prozess

Die Stanford University und das Hasso-Plattner-Institut in Potsdam beschreiben sechs Phasen für den Design Thinking Prozess /1/.

  1. Verstehen: Zu Beginn gilt es darum, die Problemstellung überhaupt zu verstehen und zu definieren: Welches Problem wollen wir behandeln? Welcher Anwender ist betroffen? 
  2. Erforschen: Wie verhält sich der Anwender heute schon in der Situation? Was sind seine Fragen, Herausforderungen, Schmerzpunkte? In dieser Phase geht es darum, Empathie aufzubauen. Das Team soll über Herausforderung lernen und diese verstehen.
  3. Synthese: Nach dem Erforschen gilt es die Kernpunkte herauszuarbeiten: Auf welchen Anwender fokussieren wir uns? Gibt es etwas, das uns überrascht hat? Welchem Problem wollen wir uns als Team als erstes widmen? Müssen wir die Fragestellung zu Beginn umformulieren und ändern?
  4. Ideenfindung: Bei der Ideenfindung werden Lösungen für die wichtigsten ein bis zwei Fragen aus der Synthese erarbeitet.
  5. Prototypen: Die Lösungsideen sollen validiert werden. Sie sollen anschaulich sein. Sie sollen begreifbar sein. Dazu werden einfache (!) Prototypen hergestellt, die aber durchaus (an)fassbar und testbar sind. 
  6. Test: Anwender geben ihr Feedback anhand der Prototypen. Was denken sie? Würden Ihnen die so skizzierten Lösungen helfen? 


Obwohl der Prozess linear aussieht, gibt es immer wieder Rücksprünge und Iterationen. Dies liegt am Erkenntnisgewinn. Rückschritte sind also gewollt, weil sie Lernschritte bedeuten!

Zur Unterstützung der genannten Phasen bietet sich das Design Thinking-Bootleg der Stanford University an /2/. Es beinhaltet Methodenkarten für die einzelnen Phasen.

Wichtiger als die Methode selbst ist aber das richtige Mindset. Für den Einstieg empfiehlt sich das Buch "30 Minuten Design Thinking" von Jochen Gürtler & Johannes Meyer./3/ Es ist kurz und knapp und auch wirklich nur ein Überblick. Dennoch beinhaltet es genügend Grundlagen und Tipps, um die ersten Design Thinking Projekte zu begleiten. Aber Achtung: Es ersetzt nicht die persönliche Erfahrung! Die muss man sich schon selbst erarbeiten.

Das Team

Beim Design Thinking geht es um Menschen. Einerseits wollen wir Lösungen für Menschen erarbeiten und realisieren. Andererseits werden die Lösungen von Menschen erdacht, getestet, verworfen, realisiert und getestet.

Dieser Prozess geschieht am besten im interdisziplinären Team (vier bis sechs Personen reichen). Für eine Lösung in der Rechtswissenschaft könnte das dann zum Beispiel eine Juristin, ein Informatiker, ein Rechtsanwaltsgehilfe, eine Architektin und ein Design Thinking Coach sein.


Der Raum

Um kreativ am Prozess arbeiten zu können, braucht das Team einen eigenen Platz, der die Kreativität unterstützt, inspiriert und die Teammitglieder sich fokussieren lässt. Idealerweise ist dies ein eigens bereitsgestellter und präparierter Raum mit

  • Flexibilität: Möbel, Stellwände, Tische und Stühle lassen sich verschieben.
  • Inspirierender Wirkung: Farben, Helligkeit
  • Vertikalen Wänden: Anbringen von Post-Its - Ideensammlung, Visualisierungen etc.
Das Buch von Doorley & Witthoft /4/ zeigt Beispiele inkl. Bauanleitungen hierfür. Wer keinen eigenen Raum bauen will oder kann, kann sich aber auch einen Design Thinking Raum tageweise mieten, die in jeder größeren Stadt angeboten werden.

Noch ein Hinweis: Für die Prototypenerstellung sollte genügend Material zur Verfügung stehen. Sorgen Sie also für genügend Lego, Bastelmaterial, Papier, Kleber etc.

Zusammenfassung

Design Thinking ist eine iterative Methode, um in einem kleinen, mulidiszipliären Team Ideen und Innovationen zu entwickeln. Es geht darum, den Anwender in den Mittelpunkt zu stellen. Sobald das Team an den Punkt gekommen ist, wo es sich entscheidet: "Ja, so wollen wir es machen!", kann es damit beginnen, den Product Backlog zu füllen (wenn es nicht schon von Anfang an die Aufgaben für das Design Thinking sein Backlog geführt hatte). :-)

Es wird deutlich: Design Thinking bietet sich zu Beginn eines Projektes an, wo noch unklar ist, in welche Richtung sich das Produkt entwickeln wird. Bei Bedarf (z.B. wenn weiter Unsicherheiten bestehen oder aufkommen), kann der DT-Prozess im Projekt jederzeit wiederholt werden. 

Anmerkungen

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