Freitag, 12. Dezember 2014

Koordination von vielen Teams am Beispiel von Scrum @ Scale (der Scrum Inc.)

Viele Praktiker stoßen immer wieder auf das gleiche Problem: Man coacht ein Team und es wird richtig produktiv. Dann stellt sich sofort das nächste Problem: Wie kann ich den Zufluss von Projekten begrenzen und die Arbeit sinnvoll auf mehrere Teams verteilen? Es gibt eine Reihe von Ideen am Markt. Nun bringt Scrum Inc. - die Beratungsfirma von dem Scrum-Miterfinder Jeff Sutherland - ein eigenes Framework auf den Markt. Brauchen wir jetzt ein weiteres? Ja, denn Scrum @ Scale schafft es, sich auf das Wesentliche zu begrenzen, ohne bestehende andere Modelle verdrängen zu wollen. Grund genug, sich dieses Framework genauer anzusehen.


Am Mittwoch fand in München der erste Scrum-@-Scale-Kurs weltweit statt. Er wurde von Scrum Inc. und Scrum Events organisiert. (Wie Jürgen es immer schafft, eine angemessene Location in München zu vernünftigen Preisen zu organisieren.)

Abb. 1: Die Teilnehmer des ersten S@S-Kurses am 10.12.2014 in München (Foto: Jürgen Dittmar)
In gut acht Stunden hat Alex Brown von Scrum Inc. uns einen Überblick über deren Ansatz gegeben, die Arbeit über viele Teams hinweg zu organisieren. Im Blog von Scrum Inc. gibt es ein gut 20minütiges Video dazu: http://www.scruminc.com/scrum-scale-case-modularity/

Wir haben uns schon mit anderen Modellen wie SAFe (/1/), LeSS und DAD sowie Governance und Strategiemodellen aus anderen Bereichen beschäftigt. Überall gibt es gute Ideen. Was mir Scrum @ Scale gefällt ist, ist dass es viel übersichtlicher und modularer ist. Es besteht aus zwei Kreisläufen:
  • Der Product-Owner-Cycle startet bei der strategischen Vision, priorisiert und zerlegt die Anforderungen. Die Teams bauen das Produkt, integrieren es und liefern es aus. Dann wird das Feedback eingesammelt. Das Feedback beeinflusst wieder die Vision und die Backlogs.
  • Der Scrum-Master-Cycle verbindet ebenfalls die strategische Vision mit der Arbeit auf Teamebene. Allerdings geht es hier um kontinuierliche Verbesserung und teamübergreifende Zusammenarbeit.
So wird schon schnell deutlich, wer sich um was zu kümmern hat. Bei SAFe und PRINCE2 gibt es sehr viele Rollen. Aus Expertensicht sind die Rollen klar und sinnvoll. Aber wenn man neue Arbeitsweisen einführt, kann man nicht zu viel gleichzeitig ändern. Damit richtet man als Berater mehr Schaden an als Nutzen zu stiften.

Dem Team um Alex ist es gelungen, die verschiedenen Teile des Frameworks zu modularisieren. Das bedeutet, man kann sich einzelne Module schnappen und eins nach dem anderen umsetzen. So kann man schneller starten, und zwar mit den Modulen, die im Moment den größten Nutzen stiften. Dazu muss man eben auch den Kontext berücksichtigen.

Das Scrum @ Scale zu verschiedenen Kontexten passt, wurde im Kurs anhand von drei sehr unterschiedlichen Firmen gezeigt, einem Lieferanten des US-amerikanischen Verteidigungsministeriums, Autodesk und Spotify. Ein Reiz des Kurses bestand auch darin, die Geschichten aus diesen Firmen zu hören. Jede dieser Firmen hatte die einzelnen Module anders umgesetzt. Das zeigt, dass es immer wieder mehrere Wege gibt, die Ziele eines Moduls zu erreichen.

Wie die Arbeit über mehrere Teams hinweg verteilt und koordiniert wird, ist bei Scrum @ Scale auf 10 Module verteilt:
  • Strategic vision
  • Backlog prioritization
  • Backlog decomposition and refinement
  • Release planning
  • Team level process
  • Release management
  • Product & release feedback
  • Cross-team coordination
  • Continuous improvement and impediment removal
  • Metrics & transparency
Auf die einzelnen Module will ich jetzt nicht weiter eingehen. Wer mehr wissen möchte, sieht sich das Video an (oder fragt mich direkt). Wichtig ist: Egal, ob Sie Scrum oder etwas anderes für die Teamarbeit nutzen, Sie brauchen diese Module in jeder Organisation. Jede Firma muss sich Ziele setzen und irgendwie liefern. Jede Firma müssen einen Weg finden, um von den groben Zielen zu konkreten Wochenaufgaben zu kommen. Jede Firma muss das Feedback vom Markt einfangen und verarbeiten. Jede Firma muss sich kontinuierlich verbessern. Scrum @ Scale ist hierfür eine gute Checkliste.

Der nächste Kurs findet übrigens am 12. März 2015 in Stuttgart statt. Anmeldung bei Scrum Events (http://scrum-events.de/zertifizierungen/scrumscale/index.html).

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