Montag, 20. Oktober 2014

Was sehen Sie am Himmel? - Neue Erfahrungen ändern unser Sehen

Neue Erfahrungen und neues Wissen verändern unser Sehen. Wir entdecken Unterschiede, wo wir vorher keine sahen. Uns fallen Handlungsmöglichkeiten auf, auf die wir vorher nicht gekommen wären. Wir nehmen kritische Dinge wahr, die uns uns zuvor egal waren. Vor kurzem habe ich sehr schnell gelernt, wie bestimmte Dinge über Aufstieg und Abstieg, über Leben und Tod entscheiden. 


Vor kurzem hat mich ein lieber Freund besucht. Er kam aber nicht mit dem Zug oder Auto, sondern mit einem (geliehenen) Flugzeug. Richtig, er ist Hobby-Pilot. Er hat den Ausflug zu uns genutzt, um Erfahrungen zu sammeln. Für uns war das eine aufregende Gelegenheit, Ostfriesland (da wohne ich) von oben zu sehen. Leider war an dem Wochenende nicht das beste Wetter. Deshalb mussten wir vorher immer wieder den Himmel beobachten und die Flugwettervorhersage konsultieren. Können wir fliegen oder nicht?

Wir haben die Zeit zwischen zwei Regenfronten genutzt, um 2 Stunden zu fliegen. Es war ein toller Ausflug und unser Freund ist ein gewissenhafter, ruhiger Pilot. Ich muss zugeben, dass ich vorher ziemlich aufgeregt war, weil ich noch nie in einer soooo kleinen Maschine geflogen bin. Aber es bestand kein Anlass zur Sorge.

Während des Fluges haben wir ebenfalls immer wieder auf das Wetter geachtet. Wir sind kurz unter den dunklen Wolken geflogen. Ein paarmal mussten wir den Wolken ausweichen. Dann wurde die Maschine zügig nach oben gezogen oder wir sind schnell nach unten ausgewichen.

Seit diesem Tag sehe ich den Himmel mit anderen Augen: Welche Farbe haben die Wolken? Von welche Seite kommen sie? In welche Richtung können wir ausweichen, nach oben, nach unten? Sind noch andere Flugzeuge in der Nähe?

Auf dem Bild sehen Sie den Himmel NACH unserer Landung.

Abb. 1: Jan im Flugzeug

Diese Erfahrung hat mich über Teamwork nachdenken lassen. Was nehmen wir im Team wahr? Welche Handlungsmöglichkeiten fallen uns auf?

Es gibt immer noch viele Organisationen, in denen die Chefs meinen, eine Ansage an die Mitarbeiter reicht. Aber vieles kommt gar nicht an, weil das Team keine Möglichkeit hat, die entscheidenden Dinge wahrzunehmen.

Beispiel: Der Chef drängt darauf, dass ein Abgabetermin eingehalten wird. Er hat mit dem Kunden den Auftrag verhandelt und ist sich sicher, dass es einen Folgeauftrag gibt, wenn der aktuelle Auftrag pünktlich fertig wird. Dem Team hat er davon aber nichts gesagt. Als es einen mittleren Fehler im Betrieb gibt, kümmern sich erst alle um diesen Fehler. Damit kippt der Abgabetermin. Der Chef hat von dem Fehler nichts mitbekommen. Er ist verärgert, dass der Termin gerissen wird. Wer hat hier nun was nicht wahrgenommen?

Ansagen allein helfen nie. Besser ist es, die Wahrnehmung zu schärfen. Was muss das Team sehen, damit es die richtigen Entscheidungen trifft? Wo gibt es unterschiedliche Wahrnehmungen, die zu Konflikten führen?

Eine genauere Wahrnehmung verbessert unsere Vorhersagefähigkeit. Lernen und Managen bedeutet, Vorhersagen mit der Realität zu vergleichen und seine Handlungen anzupassen:
  • "Die Wolke rechts vor uns kreuzt unsere Flugbahn. Wir fliegen besser etwas tiefer."
  • "Wir können den Fehler im Team oder nur mit zwei Leuten bearbeiten. Da der Folgeauftrag von der pünktlichen Lieferung abhängt, bearbeiten wir ihn nur mit zwei Leuten."
Eine gute Wahrnehmung ist nicht nur nice-to-have. Sie ist Voraussetzung für angemessenes Handeln.

Ich schaue mir jetzt noch weiter den Himmel an.

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