Samstag, 23. November 2013

Informationen zu Scrum-Retrospektiven

Auf der #AgileCologne gab es gestern eine Session zum Thema Spiele oder Übungen für Retrospektiven. In diesem Beitrag halte ich die vielen Tipps und Hinweise auf Spiele fest.
Eine Retrospektive ist bei Scrum ein Team-Meeting, bei dem das Team nach Verbesserungsideen für die nächsten Wochen sucht. Bei Scrum ist es wichtig, dass die Retrospektiven nicht erst am Ende eines Projekts stattfinden, sondern nach jedem Sprint. Damit den Teams die Ideen nicht ausgehen, sollte der Ablauf öfter variiert werden. Dazu gibt es einige Übungen. (Alle Literaturangaben werden am Ende genannt.)

Übungen und Tipps zum Einstieg

  • Ein guter Einstieg in das Thema ist das Buch Agile Retrospectives von Esther Derby und Diana Larsen (/1/). Die beiden Autorinnen geben in einem Video bei Youtube ein ca. 1stündige Zusammenfassung ihres Buchs: http://www.youtube.com/watch?v=qqtPZYigfNI
  • Das Dave Gray, Sunni Brown und James Macanufo haben in ihrem Buch Gamestorming ganz viele Spielideen gesammelt (/2/). Das Buch gibt es in deutscher und in englischer Sprache. Alle Spiele können Sie auch auf http://www.gogamestorm.com/ nachlesen oder sich als iPhone-App aus dem Netz laden. App und Webseite sind nur in englischer Sprache verfügbar.
  • Um zu zeigen, welches Potenzial und welche Energie Retrospektiven freisetzen können, spiele ich gern das Ballpoint-Game von Boris Gloger. Eine Anleitung gibt es auf seiner Webseite: http://borisgloger.com/wp-content/uploads/2013/10/BallPointGame.pdf 

Wo oder wie sollen die Erkenntnisse aus der Retrospektive festgehalten werden? 

Es ist verlockend, sich eine lange Liste von tollen Ideen ("man müsste mal ...") zu erstellen. Wir wissen aber, dass dies nicht funktioniert. Zudem widerspricht es der Scrum-Idee, alle wichtigen Punkte in nur einem Backlog festzuhalten.

Je nachdem, was in der Retro konkret als Verbesserungsidee besprochen wird, gibt es verschiedene Orte:
  • Product Backlog: Wenn es eine konkrete Aufgabe ist, gehört sie ins Backlog. Natürlich muss dies mt dem PO abgesprochen werden.
  • Definition of Done: Wenn es um Qualität geht, sind Definition of Done oder Definition of Reader gute Stellen.
  • Sprintziel: Unter bestimmten Voraussetzungen könnte sich eine Verbesserungsidee auch im Sprintziel wiederfinden.
  • Working Agreements: Manche Ideen wie zum Beispiel Pair-Programming müssen als Vereinbarung des Teams gut sichtbar angebracht werden.

Brauchen wir Übungen, um das Team zu unterhalten?

Es gab eine Diskussion, ob es denn die Aufgabe des Scrum Masters wäre, das Team mit Übungen zu unterhalten, damit die Retro lustig und kurzweilig ist.

Ich denke, das Team hat insgesamt die Verantwortung und die Verpflichtung dafür, sich selbst zu verbessern. Das Team profitiert davon, wenn sich ein Scrum Master Zeit nimmt und eine Retro gut vorbereitet. Das ist Arbeit. Aber auch wenn der Scrum Master dafür zuständig sein mag, so bleibt das Team in der Verantwortung. Daher ist es auch sinnvoll, wenn reihum ein Teammitglied bei der Vorbereitung der Retro hilft.

Bei den Übungen geht es nicht nur um Kurzweile. Ich will nicht mehr auf diese verschiedenen Übungen verzichten, denn ohne sie komme ich an das nötige Wissen gar nicht ran. 

Tipps für die fortgeschrittenen Teams

Nach den ersten paar Retrospektiven kann der Standardablauf langweilig werden.
  • Corinna Baldauf hat einen Retr-O-Mat entwickelt, der immer per Zufall mehrere Übungen für eine Retrospektive zusammenstellt: http://plans-for-retrospectives.com 
  • Marc Löffler gibt in seinem Blog Tipps zu Retrospektiven: http://blog.scrumphony.com/tag/retrospective-2/. Im nächsten Jahr erscheint von ihm ein Buch zum Thema, das Sie jetzt schon vorbestellen können: http://retrospektiveninderpraxis.de/ 
  • In Retrospektiven können auch Konflikte im Team aufgedeckt werden. Manchmal kann man die Konflikte nicht in Form von Retrospektiven lösen. Dann braucht man vielleicht auch Mediation. Hilfreich sind die Ideen vom Harvard-Konzept (/3/) und die der gewaltfreien Kommunikation (/4/), um Konflikte besser zu verstehen.
  • Interessant ist es auch, den Sprint in Form eines Fussballspiels oder einer Zugfahrt zu kommentieren.
  • In eine ähnliche Richtung geht die Idee, den Sprint mit LEGO(R) oder Playmobil-Figuren nachzuspielen. LEGO nennt dies LEGO Serious Play.
  • Michael McCullough und Don McGreal haben auf der Webseite http://tastycupcakes.org/ viele Spiele für agile Teams gesammelt. 
  • Luke Hohmann hat ebenfalls Spiele gesammelt bzw. entwickelt, um Kundenbedürfnisse besser zu verstehen. Seine Firma Conteneo vermarktet sie unter dem Namen Innovation Games (/5/). Die Spiele sind alle Online beschrieben. Es gibt dazu auch ein Buch und Trainings. Das Spiel Speedboat (Schnellboot) kann man auch gut für Retrospektiven nutzen.

Weitere Übungen

Es folgt eine Liste von Übungen, die im Laufe der Session auf der Agile Cologne angesprochen wurden:

Ausgewählte Übungen zum Team-Building

Update vom 18.12.2013: Zur Thinkback-Methode habe ich einen Beispieldialog ins Netz gestellt: http://wirdemo.buergerstimme.com/2013/12/besser-verstehen-mit-thinkback/ 

Update vom 16.07.2014: Von Marc Löffler (http://blog.scrumphony.com/) ist ein Buch über Retrospektiven erschienen, siehe /8/.

Anmerkungen

  • /1/ Derby, Esther ; Larsen, Diana: Agile Retrospectives : Making Good Teams Great. 1. Aufl.. Dallas, Texas: Pragmatic Programmers, LLC, 2006
  • /2/ Gray, Dave ; Brown, Sunni ; Macanufo, James ; Nitz, Elke: Gamestorming : ein Praxisbuch für Querdenker, Moderatoren und Innovatoren. 1. Aufl.. Köln: O'Reilly Germany, 2011.
  • /3/ Fisher, Roger ; Ury, William ; Patton, Bruce ; Egger, Ulrich ; Raith, Werner ; Hof, Wilfried: Das Harvard-Konzept : der Klassiker der Verhandlungstechnik. 23. Aufl.. Frankfurt am Main: Campus Verlag, 2009.
  • /4/ Rosenberg, Marshall B.: Gewaltfreie Kommunikation : eine Sprache des Lebens. 1. Aufl.. Paderborn: Junfermann Verlag GmbH, 2011.
  • /5/ Hohmann, Luke: Innovation Games : Creating Breakthrough Products Through Collaborative Play. 1. Aufl.. Amsterdam: Pearson Education, 2006.
  • /6/ Goldstein, Ilan: Scrum Shortcuts without Cutting Corners : Agile Tactics, Tools, & Tips. 1. Aufl.. Amsterdam: Addison-Wesley, 2013.
  • /7/ Lochhead, Jack: Thinkback : A User's Guide to Minding the Mind. London: Psychology Press, 2000.
  • /8/ Löffler, Marc ; (Beitragsautor), Veronika Kotrba ; (Beitragsautor), Ralph Miarka ; (Geleitwort), Jutta Eckstein: Retrospektiven in der Praxis : Veränderungsprozesse in IT-Unternehmen effektiv begleiten. 1. Auflage. Heidelberg: Dpunkt.Verlag GmbH, 2014. 

1 Kommentar:

  1. Hi Jan, jeder, der mit Gruppen arbeitet, weiß wie nützlich Spiele sind. Sie vertiefen und aktivieren gleichzeitig und sorgen auch noch für Stimmung! Je mehr Varianten man hat, desto besser. Für die vielen tolle Anregungen und Hinweise deshalb vielen Dank! Edgar

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