Montag, 23. April 2012

Was kann ein Team tun, um sich zu verbessern? Beispiel: Probleme mit Scrum

Es gibt Teams, die müssen mehr Leistung bringen. Die guten alten Zeiten sind vorbei, Stellen werden nicht wieder besetzt und die Konkurrenz bietet die gleiche Leistung zum halben Preis. Viele Teams haben mit dem sog. Scrum-Modell erstaunliche Fortschritte gemacht. Damit ändert ein Team die Art, wie es in Projekten zusammen arbeitet. Aber reicht es, wenn sich alle an die Scrum-Regeln halten? Hier stelle ich die Ergebnisse einer Studie vor, bei der Fehler von Scrum-Einführungen beobachtet wurden.

Kann man messen, wie gut Teams zusammen arbeiten? Vielleicht kennen Sie das Modell von Dickinson und McIntyre /1/. Für sie sind folgende Begriffe wichtig:
  • Teamorientierung
  • Teamführung
  • Kommunikation
  • Überprüfung
  • Rückmeldung
  • Vertretung
  • Koordination

Die Leistung des Teams steigt demnach an, wenn man besser kommuniziert und versteht, was die anderen tun. Das Team wird besser, wenn man Feedback bekommt und für andere einspringen kann. Durch verschiedene Werkzeuge und Rituale unterstützt Scrum diese Komponenten.

Nils Brede Moe, Torgeir Dingsøyr und Tore Dybå haben über drei Jahre hinweg Scrum-Projekte von fünf Teams beobachtet /2/. Sie haben sechs Probleme gefunden, die Teams davon abhalten, sich gut zu steuern:
    • Die Mitglieder können nicht einschätzen, was die anderen tun. Daher verpflichten sich nur zur eigenen Leistung statt zur Teamleistung.
    • Das Team kann nicht wirklich autonom entscheiden. Es meint, Ergebnisse schön reden zu müssen (Achtung Technische Schulden /3/).
    • Die Mitglieder entscheiden weiter allein über ihre Aufgaben.
    • Mitglieder sind mehr als einem Projekt zugeordnet.
    • Das Unternehmen besteht auf seinen Vorgaben für Berichtswesen etc.
    • Dem Unternehmen reicht es, wenn nur eine Person ein Thema besetzt; mehr ist Verschwendung.
      Das Team kann etwas tun; das Unternehmen kann etwas tun. Die Autoren der Studie schlagen solche Verbesserungen vor:
      • Die Mitglieder so schulen, dass man sich besser gegenseitig vertreten kann.
      • Team in einem Raum arbeiten lassen, damit die Mitglieder eher und öfter diskutieren.
      • Generalistentum fördern.
      • Etwas für Vertrauen zwischen Team und Unternehmen tun. (Keine Ergebnisse schönen, mehr Freiheiten gewähren, siehe Beitrag von Gebhart Borck /4/)
      • Nicht mehr als ein Projekt gleichzeitig bearbeiten.
      Diese Empfehlungen finde ich gut, weil es keine schwierigen Dinge und Merkmale guten Managements sind, wie es Stefan Hagen in seinem Blog immer wieder fordert /5/. Mit Arbeiten in einem Raum bin ich nicht einverstanden (siehe Beitrag „Ist Teamwork noch sinnvoll?“ /6/). Der Produktivitätsverlust ist höher als die Kommunikationsgewinn. Teamwork entsteht nicht, wenn alle in einem Raum sitzen. Einigen wir uns darauf, dass ein Team nahe zusammen sitzt.

      In dieser Studie ging es um die Einführung von Scrum. Ich bin sicher, dass es ähnliche Erfahrungen bei allen Prozessveränderungen gibt.Was ist die Meinung unserer Leserinnen und Leser? Was sagen die erfahrenen ScrumMaster in der Leserschaft zu dieser Studie? Bitte tragt Eure Kommentare unten ein.
      Literatur:

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