Montag, 30. April 2012

Ergebnisse liefern mit Methode. Warum Scrum und PRINCE2 gut zusammenpassen.

Scrum ist in aller Munde. In die Welt der IT-Projekte ist Scrum synonym für agiles Projektmanagement /1/. Seine Agilität befreit Teams von den Altlasten des traditionellen Projektmanagements. Als PRINCE2-Verfechter wenden wir schon seit Jahren Aspekte von Scrum in Projekten an. Deshalb war es höchste Zeit ein richtiges Scrum-Seminar (zweitägig) zu besuchen. Mal schauen, was die Experten zu sagen haben.

Zunächst eine Überraschung: Scrum ist keine Methode zum Managen von Projekten. Die Autoren (K. Schwaber und J. Sutherland) bezeichnen Scrum als Methode zum Entwickeln von Produkten /1/. Sie konzentriert sich auf die Teams und die Produkte, die es entwickelt - egal in welchem Kontext (Changes, Pflege, Projekte). Deshalb gibt es für Scrum Teams auch nur ein „Product Backlog“, das die Anforderungen für alle Produkte enthält, die es betreut.

Mit dieser Information habe ich Scrum sofort besser verstanden. Vorher fehlten mir die Elemente eines guten Projektmanagements - vor allem die wirtschaftliche Rechtfertigung des Projekts durch den Business Case. Darüber hinaus sagt Scrum mit nur drei Rollen sehr wenig zur Organisation. Und wo werden die komplexen Zusammenhänge eines größeren Projektes berücksichtigt, wenn man nur Schritt für Schritt in Sprints vorgeht?

Wegen dieser Mängel hat Scrum (und andere agile Methoden) Kritik auf sich gezogen. Projektmanager, die mit Methoden wie PRINCE2 groß geworden sind, stellen sich die Frage: "Ist Scrum keine Ausrede für Teams, weiterhin chaotisch und auf sich bezogen zu arbeiten?" Wie ich haben diese Projektmanager deutlich mehr Projekt-Aspekte erwartet.

Nachdem meine Vorstellungen wieder gerade gerückt wurden, habe ich einige Synergien zwischen PRINCE2 /2/ und Scrum gefunden:
  • Product Owner (S) & Benutzervertreter (P2): Diese zwei Rollen sind im Wesentlichen identisch. Diese Rolle schlägt die Brücke zwischen Anwendern und Entwicklern und liefert die finale Entscheidung über die Anforderungen. Beide Methoden finden sie unerlässlich. Unserer Erfahrung nach ist ein Projekt ohne Verantwortlichen für Anforderungen zum Scheitern verurteilt.
  • Iteratives Planen: PRINCE2 plant in seriell ablaufenden Phasen, deren Übergänge als „stop-or-go“ Entscheidungspunkte dienen. Die Details einer Phase werden erst kurz vor Beginn geplant, damit die Pläne so realistisch wie möglich sind und den aktuellen Stand berücksichtigen. Die berühmten Sprints aus Scrum werden ebenfalls so geplant und abgewickelt. Eine Phase kann je nach Projektsituation aus ein oder mehreren Sprints bestehen.
  • Produktorientierung: Beide Methoden fokussieren sich auf die Ergebnisse und die Tatsache, dass ein Produkt erst fertig ist, wenn die Qualitätstests erfolgreich bestanden wurden.
  • Selbstgestaltung: Beide Methoden wollen ein Maximum an Selbstgestaltung den Teams überlassen. Damit wird die Planung realistisch und die Teams übernehmen Verantwortung für ihre Arbeit. Das motiviert.
Der Scrum Master hat allerdings eine deutlich andere Rolle als der Projektmanager nach PRINCE2. Wo sich der Projektmanager um die Planung und Fortschrittskontrolle kümmert, unterstützt der Scrum Master das Team als Coach und Enforcer in der Anwendung und Einhaltung der Methode. Damit bleiben die Teams in ihrer Arbeitsweise diszipliniert, ohne dass diese mit dem Erreichen eines Projektziels vermischt wird.

Fazit: Teams, die allein Scrum für ihr Projektmanagement nutzen, müssen sich der Kritik stellen, dass sie wesentliche Aspekte vernachlässigen. Aber das Schöne an Scrum ist seine Kompatibilität mit einer Projektmanagementmethode wie PRINCE2. Beide gehen iterativ vor. Beide betonen die Wichtigkeit der Team-Selbstgestaltung. Vor allem wo PRINCE2 mit dem Projekt-Oberbau glänzt, füllt Scrum die Lücke in der Produktlieferung. Die Kombination ist der Königsweg.

Anmerkungen und Verweise:

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen