Direkt zum Hauptbereich

Smart Citys: Technologie allein reicht nicht

Im Moment bewegt mich das Thema Digitale Transformation. Anhand der Idee "Smart City" kann man gut beobachten, was digitale Technologien nutzen oder anrichten. Wollen wir wirklich smarte Städte?

Was ist eine Smart City?

SimCity BuildIt Screenshot (Electronic Arts)
Das Stichwort "Smart City" in der deutschsprachigen Wikipedia bietet einen guten Einstieg in das Thema. Dort wird Smart City als ein gesamtheitliches Entwicklungskonzept bezeichnet, das das Leben in Städten mit Hilfe von Technologien verbessern soll. Annalisa Cocchia hat einen Artikel veröffentlicht, in dem sie die Entstehung des Begriffs etwas genauer untersucht /1/. Ein wichtiger Treiber sind vor allem Energieeffizienz und Reduktion von Treibhausgasen (siehe Kyoto-Protokoll).

Cocchia hat in der Analyse von über 700 Veröffentlichungen drei Kontexte für Smart City ausgemacht: Smart City, Digital City und Smart City auf Basis von Digital City /1, S. 35/.
  • Smart City allein bezieht sich auf Strategien, mit Energie in der Stadt effizienter umzugehen.
  • Digital City bezieht sich darauf, den Bürger mit Hilfe von digitalen Technologien besser zu bedienen.
  • Smart City auf Basis von Digital City bedeutet Energieeffizienz mit Hilfe von digitalen Technologien.

Ist smart wirklich intelligent?

Richard Sennett und Adam Greenfield vergleichen die Smart-City-Projekte Masdar, Songdo und Rio de Janeiro (siehe Bericht in der New York Times) /2, 3/. Während die ersten beiden Städte zentral geplant wurden, ging es im Projekt in Rio um die Nutzung von Technologie, um besser auf Katastrophen, Verkehrsprobleme und Kriminalität zu reagieren. Die Bauarbeiten in Masdar und Songo ruhen. Das Projekt in Rio ist umgesetzt. In den Planstädten versuchte man das Verhalten der Bewohner zentral zu lenken. In Rio ging es um die Unterstützung der Bürger. (Wobei in allen Projekten der Bürger an letzter Stelle stand.)

Die große Verteilung von Kameras, ihre Vernetzung und die automatische Auswertung dieser Daten bieten ganz neue Möglichkeiten der Überwachung. Sehr gut erklärt dies die Krimi-Serien "Person of interest". Im Vordergrund geht es immer um das Lösen von Rätseln. Im Hintergrund geht es um die Frage, wie wir mit Überwachungstechnologien umgehen wollen.

Smart wird die City erst, wenn das Entwicklungskonzept mehr als den Einsatz von digitalen Technologien vorsieht und wenn es auf Offenheit und Bürgernähe ausgelegt ist. Wie könnte solch ein Projekt aussehen?

Beispiel Amsterdam Smart City

Seit 2009 gibt es das Projekt Amsterdam Smart City, über das an verschiedenen Stellen berichtet wird /4, 5/. Das Projekt sieht sich eher als Plattform, das unterschiedliche Akteure (Bürger, Privatwirtschaft, Verwaltung) zusammenbringt. Mit einer Vielzahl von Projekten wird getestet, wie sich das Leben in der Stadt verbessern lässt. Und nicht jedes Projekt ist unbedingt ein Erfolg.

Hier kann man auch ganz konkret sehen, was Digitalisierung bedeutet. Beispielsweise wusste man gar nicht, wie viele Brücken die Stadt hat, weil jeder Stadtteil seine eigene Verwaltung hatte. Bei der Analyse stellte man fest, dass die Stadt 12.000 Quellen mit wichtigen Daten hat, die völlig uneinheitlich sind /3/.

Der CTO berichtet auch davon, dass viele Technologieanbieter erst einmal eine Ansage machen, was die Stadt zu tun hätte. Tatsächlich hätten sie aber gar keine Ahnung davon gehabt, wie eine Stadt funktioniert /4/.

Am Beispiel der Steuerung der Straßenlaternen wird deutlich, dass technische Möglichkeiten allein nicht reichen. Man könnte viel Strom sparen, wenn man die Straßenlaternen nur dann voll einschaltet, wenn sich Personen oder Fahrzeuge in der Nähe befinden. Das Stromnetz von Amsterdam gehört aber nicht mehr der Stadt, sondern einem Energieversorger. Zu den technischen Herausforderungen gehört auch das Verhandeln mit den Firmen, um eine gute Lösung zu finden.

Wie wird die City smart?

Die zentral geplanten Projekte scheitern, weil sie Technologie nur einsetzen, um etwas effizient zu verwalten. Für Greenfield stehen bei diesen Projekten die Verwalter und nicht die Bürger im Vordergrund. Zentralistische Ansätze wie in Brasilia funktionieren deshalb nicht, weil sie nicht mit  ungeplanten Veränderungen umgehen können.

Die Frage ist nicht, welche Technologien wird einsetzen, sondern wie wir eigentlich zusammen leben wollen. Ein Stadtbevölkerung ist heterogen. Die technischen Systeme, Netze und Datenquellen sind in völlig unterschiedlichen Zuständen. Die City wird für mich nur inkrementell smart. Bürger, Politik, Verwaltung und Wirtschaft brauchen dazu einen gemeinsamen Lern-, Experimentier- und Verhandlungsraum. Das wäre für mich wirklich smart.

Dieser Artikel erschien zuerst im Blog des Forums Agile Verwaltung.

Anmerkungen


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Optimieren wir uns zu Tode?

Als jemand, der mehr als fünfzehn Jahre in der Welt des IT-Service-Management-Prozessmanagements verbracht hat, musste ich das Buch von Guther Dueck aus dem Jahr 2020 Heute schon einen Prozess optimiert? Das Management frisst seine Mitarbeiter lesen/1/. Typisch für ihn bietet Dueck uns einen provokanten, teils vernichtenden, jedoch humorvoll geschriebener Weckruf. Er behauptet, dass das moderne Management von “Pacesetters” und “Controllers” dominiert wird. Sie sind so sehr auf Optimierung und Profit fokussiert, dass sie den Willen zu Innovation und Unternehmertum abtöten. Jedoch ohne mehr Kreativität und Tatkraft werden wir die Herausforderungen der Digitalisierung, des Klimawandels etc. nicht bewältigen. Ein agiles Mindset kann helfen.

Kategorien in Outlook - für das Team nutzen

Kennen Sie die Kategorien in Outlook? Nutzen Sie diese? Wenn ja wofür? Wenn ich diese Fragen im Seminar stelle, sehe ich oft hochgezogene Augenbrauen. Kaum jemand weiß, was man eigentlich mit diesen Kategorien machen kann und wofür sie nützlich sind. Dieser Blogartikel stellt sie Ihnen vor.

Das neue Outlook - One Outlook - erster Eindruck

Microsoft hat ein Problem: Outlook ist nicht gleich Outlook. Da ist das gute alte Outlook in der Desktop-Version. Das ist das, womit fast alle von uns im Alltag arbeiten und worüber ich hier schon oft berichtet habe. Outlook auf dem MAC sieht aber anders aus. Outlook auf Mobilgeräten sowieso. Dann gibt's noch Outlook im Web. Kein Wunder, dass Microsoft das alles entwirren, verschlanken und vereinheitlichen möchte. Gelingt es? Hier die interessantesten Funktionen des neuen Outlooks . 

Eine einfache Anleitung zum Führen eines Notizbuchs im Business

Professionelle Arbeit ist dokumentiert und reproduzierbar. Die Basis für eine gute Dokumentation ist das persönliche Aufschreiben von Dingen. Es gibt im Netz sehr viele Anleitungen für unterschiedliche Einsatzbereiche. Ich habe nach einem integrierten Ansatz gesucht.

Microsoft Teams: Die neuen Besprechungsnotizen - Loop-Komponenten

  Haben Sie in letzter Zeit in einer Teams-Besprechung die Notizen geöffnet? Dort sind inzwischen die Loop-Komponenten hinterlegt. Die sind zwar etwas nützlicher als das, was zuvor zur Verfügung stand. Trotzdem ist noch Luft nach oben. Und es gibt sogar einige ernstzunehmende Stolperfallen. Hier ein erster, kritischer Blick auf das was Sie damit tun können. Und auch darauf, was Sie besser sein lassen.

Und jetzt alle zusammen! Teams - OneNote - Aufgaben - To Do

Ein Meeting jagt das nächste. Sich da nicht zu verzetteln, wird  im Zeitalter virtueller Besprechungen  noch anspruchsvoller. Kein Wunder, dass  im Zusammenhang mit Microsoft 365  zwei Fragen besonders häufig auftauchen: Wie dokumentiert man Besprechungen gut? Was hilft, offene Aufgaben nachzuhalten? Eine gute Lösung: Das in MS Teams integrierte OneNote-Notizbuch als gemeinsame Plattform auch für den Aufgabenüberblick zu nutzen.

E-Mail-Vorlagen gemeinsam nutzen (Outlook)

Mittlerweile wird praktisch alle Routine-Korrespondenz in Outlook erledigt. Was liegt da näher, als ein gutes Set von Vorlagen zu erstellen und diese gemeinsam in Team zu nutzen? Leider hat Microsoft vor diesen – an sich simplen – Wunsch einige Hürden gebaut.

Nie wieder Ärger mit Besprechungsserien in Outlook

Erstellen auch Sie Besprechungsserien in Outlook? Ärgern auch Sie sich manchmal darüber, wenn Sie etwas zu ändern haben? Falls nicht, versenden Sie entweder keine wiederkehrenden Outlook-Besprechungen (Serienterminen). Oder Sie ändern nie etwas daran. Dann ist dieser Artikel nichts für Sie. Lesen Sie aber bitte weiter, falls Sie sich schon immer mal gefragt haben, ob es eine Lösung gibt? 

Outlook-Aufgabenliste: bitte nicht die Aufgaben des ganzen Teams!

Am Tag der Arbeit kommt eine Lösung, nach der ich schon so oft gefragt wurde: Wie schaffe ich es, dass meine Outlook-Aufgabenliste nur meine eigenen Aufgaben anzeigt und nicht auch die E-Mails, die meine Kollegen gekennzeichnet haben oder Aufgaben, die einfach in einem gemeinsamen Postfach stehen?

Das Ubongo Flow Game

Spiele bieten eine gute Gelegenheit, zeitliche Erfahrungen zu verdichten und gemeinsam zu lernen. Karl Scotland und Sallyann Freudenberg haben im Mai 2014 das Lego Flow Game veröffentlicht. Wir haben die Spielidee übernommen, aber das Spielmaterial gewechselt. Statt Legosteinen benutzen wir Material aus Grzegorz Rejchtmans Ubongo-Spiel. Hier präsentieren wir die Anleitung für das Ubongo Flow Game.