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Gute Teamleitung ist eine Frage der Struktur, nicht der Psychologie

Es scheint vielen ein Rätsel zu sein, wie man Teams gut führt. Viele Ausbildungen und Bücher kümmern sich vor allem um die Psychologie und Eigenschaften der Leitungspersonen oder der Teammitglieder. Wir sehen das anders.

Der Blick auf die Psychologie darf nicht der erste Blick sein

Viele Ausbildungen blicken auf die Psychologie der Leitungspersonen oder der Teammitglieder. Hier sind zwei Zitate aus Ausbildungsbeschreibungen für Teamleitungen zweier renommierter Institutionen:

  • "Die Kunst einer erfolgreichen Teamführung liegt darin, als Teamleiter die verschiedenen Persönlichkeiten der Mitarbeiter zusammenzuführen [...]. Wer als Teamleiter tätig ist, sollte daher unbedingt gute Kommunikationsfähigkeiten besitzen, um dem Team auf Augenhöhe zu begegnen und Vertrauen zu schaffen. Wenn Konflikte auftreten, ist es wichtig, dass Teamleiter wissen, wie man diese konstruktiv löst [...]."
  • Seminarinhalte eines anderen Seminars: "Phasen des Teamentwicklungsprozesses,  Gruppendynamische Prozesse, Grundlagen der erfolgreichen Kommunikation im Team, [...], Führungsstile und Führungsverhalten, [...], Klärung von Konflikten im Team, [...], Diskussion von schwierigen Führungssituationen."

In den Büchern zur Teamführung sieht es nicht besser aus. Ein Autor zählt Führungsmotivation, Einfühlungsvermögen und Konfliktfähigkeit als drei der fünf Kompetenzen von Teamleitern auf. Ein anderer Autor erwähnt richtiges Delegieren und innere Einwände gegen Delegieren, richtig Loben und Umgang mit verschiedenen Kommunikationstypen.

Dieses Wissen ist nicht falsch. Aber es sollte nicht der erste Führungsansatz sein. Warum? Hier sind ein paar Gegenargumente:

  • Die Arbeit der Teamleitung wird dadurch unnötig verkompliziert. Das häufige Betonen der Konflikte und Schwierigkeiten nimmt neuen Teamleitungen schnell die Motivation. Hoffnungsvolle Kandidatinnen und Kandidaten sollten sich ernsthaft die Frage stellen, warum sie diese Aufgabe überhaupt übernehmen sollten.
  • Das Eingehen auf die Psyche der Menschen nimmt sehr viel Zeit in Anspruch. Selbst wenn solche Interventionen wirken, dauert es sehr lange, bis die Wirkung eintritt.
  • Das Organisieren der eigentlichen Arbeit wird in allen Anleitungen vergessen.
  • Warum sollten wir uns mit Konflikten beschäftigen, wenn wir durch bessere Organisation viel weniger Konflikte hätten?

Diese Ausbildungen erfüllen NICHT ihren Zweck. Sie erreichen das Gegenteil. Das sieht man übrigens auch an vielen Stellenausschreibungen. Da wird nur im Titel von Teamleiter/-in gesprochen. Im übrigen Text wird schnell klar, dass hier keine Teamleitung, sondern ein Fachexperte gesucht wird, der auch, quasi nebenbei, ein Team leitet.

Dabei geht es viel einfacher.

Teamleitung bedeutet, Strukturen zu schaffen

Wir kennen die Gründe für die Psychologisierung der Führungsarbeit. Es ist eine nicht leicht zu durchschauende Vereinzelungstaktik. Dazu habe ich in diesem Blog bereits etwas geschrieben./1/ Wir haben seit Ende des Zweiten Weltkriegs verlernt, Menschen und Arbeit zu organisieren.

Teamleitungen organisieren können. Überall, wo Leib und Leben in Gefahr sind, ist man bereits oder wieder zu diesen Erkenntnissen gekommen. Dort werden Teammitglieder und Führungspersonen ganz anders ausgebildet. Es gibt ausreichende und sehr gute Forschung, auf die wir uns da verlassen können./2/

In solchen Kontexten wird geübt, wie man Missionen plant, ausführt und erfolgreich abschließt. Man beschäftigt sich damit, wie man sich als Team koordiniert und bei Bedarf einspringt. Man lernt After-Action-Reviews und Situationsbeurteilungen. Warum? Weil man das in solchen Situationen braucht.

Zudem weiß man sehr genau, wie man die Teamleistung messen kann./3/ Und man weiß auch sehr genau, wie man Leute für gute Teamleistung ausbildet.

Das funktioniert. Bei der Lufthansa gibt es beispielsweise zehntausende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Cockpit und in der Kabine. Die Crews werden immer wieder neu zusammengestellt. Das wäre logistisch gar nicht möglich, feste Besatzungsteams zu bilden. Wenn die o. g. Anforderungen an die psychologischen Kenntnisse der Führungskräfte über die Mitarbeiter stimmten, dürfte das Konzept für die Lufthansa gar nicht aufgehen.

So macht die Arbeit der Teamleitung auch wieder Spaß. Man organisiert die Arbeit und freut sich an den gemeinsamen Erfolgen.

Wer mehr über Teamleitung lernen möchte, kann sich die Podcastfolgen im Podcast "Show Your Work" von Edgar Rodehack anhören. Hier geht es zu den Folgen:

Viel Spaß beim Zuhören. 

Verweise

 

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