Direkt zum Hauptbereich

"Klingt nach Beratersprech" #3/6: Wo ist der Link zu Agile?

Hi Georgie, darf ich dich heute noch einmal mit Fragen löchern. - Klar, gerne. - Ich kann mir vorstellen, dass systemische, systemtheoretische und konstruktivistische Ansätze in Hierarchien nicht so gut ankommen? Wenn wir über Verteilung von Macht sprechen und so…

Bild: Autor mit Hilfe von Bing Image Creator

Georgie: In verschiedenen Umgebungen gestaltet sich die Akzeptanz und Umsetzung neuer Ansätze individuell und kontextabhängig. Insbesondere in traditionellen hierarchischen Strukturen ergeben sich tatsächlich einige Herausforderungen:

  • Widerstand gegen Veränderung: In stark hierarchischen Umgebungen kann die Einführung partizipativer Entscheidungsfindung auf Widerstand stoßen, da sie Kontrollverlust befürchten oder neue Arbeitsweisen ablehnen.
  • Anpassung von Bewertungssystemen: Traditionelle quantitative Leistungsbewertungen stehen im Konflikt mit individuellen Fortschritts- und prozessorientierten Ansätzen, was eine Überarbeitung der Bewertungskriterien erfordert.

Positive Aufnahme und Vorteile

  • Förderung von Innovation und Kreativität: Organisationen, die offener für partizipative Ansätze sind, berichten von gesteigerter Kreativität, Innovation und Mitarbeiterzufriedenheit.
  • Verbesserte Problemlösung und Anpassungsfähigkeit: Durch Einbeziehung verschiedener Perspektiven und Betonung von Selbstorganisation können komplexe Probleme effektiver gelöst und Systeme flexibler gestaltet werden.
  • Erhöhung der Motivation und des Engagements: Aktive Beteiligung an Entscheidungsprozessen und Berücksichtigung individueller Bedürfnisse können Motivation und Engagement erhöhen.

Umsetzung und Integration

  • Schrittweise Einführung: Eine schrittweise Einführung neuer Ansätze erleichtert den Übergang und fördert die Akzeptanz.
  • Schulung und Weiterbildung: Um die Vorteile dieser Ansätze zu vermitteln, sind umfangreiche Schulungs- und Weiterbildungsmaßnahmen erforderlich.
  • Anpassung an den Kontext: Die Ausgestaltung der Ansätze muss an den jeweiligen Kontext und die Bedürfnisse der Beteiligten angepasst werden.

Gesellschaftlicher und kultureller Wandel

  • Langfristige Perspektive: Die breitere Akzeptanz dieser Ansätze kann einen gesellschaftlichen und kulturellen Wandel fördern, der Inklusion, Diversität und Empowerment unterstützt.
  • Herausforderung für bestehende Machtstrukturen: Die Einführung neuer Ansätze kann bestehende Machtstrukturen herausfordern und zu gesellschaftlichen Debatten über Autorität und die Organisation von Arbeit und Bildung führen.

Systemische Ansätze bieten trotz Herausforderungen die Möglichkeit, individuelle Bedürfnisse besser zu berücksichtigen, Innovation zu fördern und resilientere Systeme zu schaffen. Der Erfolg dieser Transformation hängt von der Bereitschaft zum Wandel, unterstützenden Rahmenbedingungen und der Fähigkeit ab, die Vorteile dieser Ansätze zu kommunizieren und zu demonstrieren.


Edgar: Es gibt ja aber doch wohl (externe) Gründe, warum systemische und konstruktivistische Ansätze und Sichtweisen in den letzten Jahrzehnten etablieren, oder?

Georgie: Ja, einige wichtige Gründe sogar:

  • Komplexität der Gesellschaft: Die moderne Welt ist durch zunehmende Vernetzung und technologischen Fortschritt geprägt. Systemische und konstruktivistische Ansätze bieten Werkzeuge, um mit dieser Komplexität umzugehen.
  • Forschung in Kognitionswissenschaft und Neurowissenschaft: Erkenntnisse aus diesen Bereichen unterstützen die Idee aktiven, erfahrungsbasierten Lernens, was konstruktivistische Ansätze im Bildungsbereich stärkt.
  • Veränderungen in der Arbeitswelt: Agile, teambasierte Arbeitsmodelle werden wichtiger. Systemische Ansätze fördern effektive Zusammenarbeit und Anpassungsfähigkeit.
  • Globalisierung und kulturelle Vielfalt: Verschiedene Perspektiven und Lebensweisen werden anerkannt. Systemische Ansätze helfen, diese Vielfalt zu integrieren.
  • Digitalisierung und Informationsgesellschaft: Die Rolle von Medien und Technologie bei der Wahrnehmung und dem Verständnis der Welt wird reflektiert.
  • Psychische Gesundheit: Es entsteht ein wachsendes Bewusstsein für ganzheitliche Therapieansätze. Systemische Therapie berücksichtigt die Wechselwirkungen zwischen Individuen und ihren sozialen Kontexten.

Diese Entwicklungen haben systemische und konstruktivistische Ansätze in verschiedenen Bereichen gestärkt, da sie effektive Strategien bieten, um mit den Herausforderungen der modernen Welt umzugehen und individuelle Entwicklung zu fördern.

Bild: Autor mit Hilfe von Bing Image Creator

Edgar: Würdest du auch sagen, dass man mit systemischen Managementansätzen auch Zusammenarbeit effektiver gestalten kann und dadurch Prozesskosten sparen kann?

Georgie: Oh ja, das würde ich definitiv sagen! Auf vielfältige Weise tun sie das:

  • Bessere Kommunikation: Offene Kanäle und Dialog reduzieren Missverständnisse und fördern die Teamabstimmung.
  • Mehr Problemlösungskompetenz: Durch systemisches Denken verstehen Teams Ursachen tiefergehend und finden nachhaltige Lösungen.
  • Effektivere Entscheidungsfindung: Einbeziehung verschiedener Stakeholder erhöht die Akzeptanz von Entscheidungen und fördert Anpassungsfähigkeit.
  • Mitarbeitermotivation: Mitarbeitende gestalten Prozesse mit, was ihre Motivation und Zufriedenheit steigert und die Fluktuation verringert.
  • Nachhaltiges Change Management: Offenheit für Veränderungen und ganzheitliche Integration minimieren Reibungsverluste.
  • Effizienter Ressourceneinsatz: Systemverständnis ermöglicht gezielteren Einsatz von Ressourcen basierend auf organisatorischen Dynamiken.

Systemische Managementansätze reduzieren Prozesskosten, indem sie die Effektivität und Effizienz der Zusammenarbeit steigern, die Problemlösungsfähigkeit verbessern und ein anpassungsfähigeres und resilienteres Organisationsumfeld schaffen. 

Das erfordert allerdings auch oft eine Investition in Schulung und Entwicklung der Mitarbeitenden und Führungskräfte, um die notwendigen Kompetenzen für ein systemisches Denken und Handeln aufzubauen.


Edgar: Als langjähriger Fan von Agilität und Scrum fällt mir natürlich sofort auf: Es gibt definitiv starke Verbindungen zwischen systemisch-konstruktivistischen und agilen Ansätzen, oder?

Georgie: Absolut! Wenn du ein alter Hase in Sachen Agilität und Scrum bist, wirst du viele Parallelen erkennen, insbesondere bei Scrum. Die Ansätze und Methoden haben alle ähnliche Werte und Prinzipien, die Flexibilität, Partizipation und die Anerkennung von Komplexität betonen. Hier sind einige der wichtigsten Parallelen:

  • Feedback und Iteration: In beiden Ansätzen steht kontinuierliches Feedback und iterative Prozesse im Mittelpunkt. Das ermöglicht ständiges Lernen und Anpassen, was besonders wichtig ist, um in komplexen Umgebungen erfolgreich zu sein.
  • Teamarbeit: Agile Methoden und Scrum setzen auf Teamarbeit und Selbstorganisation. Das entspricht dem systemischen Ansatz, der die Dynamik innerhalb von Gruppen betont und Lösungen durch das Team selbst fördert.
  • Partizipation: Die Einbeziehung aller Teammitglieder in Entscheidungsprozesse ist entscheidend für den Erfolg, sowohl in agilen als auch in systemischen Ansätzen. Das steigert Motivation und Engagement.
  • Vielfalt schätzen: Die Wertschätzung verschiedener Perspektiven und Erfahrungen ist sowohl in Scrum als auch in systemischen Ansätzen wichtig für kreative Lösungen und Innovationen.
  • Flexibilität: Agile Methoden zeichnen sich durch ihre Anpassungsfähigkeit aus, die auch in systemischen Ansätzen zu finden ist. Beide betonen, dass sich Systeme ständig weiterentwickeln und verändern.
  • Kontext und Beziehungen: Beide Ansätze berücksichtigen den Kontext und die Beziehungen innerhalb eines Systems. Lösungen entstehen nicht im Vakuum, sondern sind von den Interaktionen innerhalb des Systems beeinflusst.
  • Selbstorganisation: Die Befähigung von Teams, ihre Arbeit selbst zu organisieren und Entscheidungen zu treffen, ist ein zentrales Element sowohl in der agilen Welt als auch in systemischen Konzepten.

Insgesamt haben agile und systemische Ansätze eine ähnliche Philosophie, die die Bedeutung von Menschen, Interaktionen und kontinuierlicher Anpassung betont. Sie hinterfragen traditionelle Managementpraktiken und bieten alternative Ansätze, die besser für die heutigen dynamischen Umgebungen geeignet sind.


  • Hier geht’s zu allen Teilen des Interviews.


Edgars eigener Blog: www.trellisterium.de
Edgars Podcast: trellisterium.podbean.com 

Edgar Rodehack ist Teamwork-Enthusiast mit einem Faible für agile Formen der Zusammenarbeit. Da trifft es sich natürlich gut, dass er das beruflich macht. Er ist Organisationsberater, Business und Agile Coach, Teamentwickler und Moderator. Außerdem ist er ein Mensch mit Frau und drei Kindern, der viel Spaß am Musikmachen, Schreiben und Lesen hat. Mehr über ihn: www.rodehack.de


Literatur

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Die Profi-Tools im Windows-Explorer

Haben Sie bei der Urlaubsvertretung sich manches Mal geärgert, wenn Sie Dateien gesucht haben, die ein Teammitglied abgelegt hat? Die Suche im Explorer funktioniert tadellos, aber manchmal sollte man den Suchbegriff noch ein bisschen genauer fassen können. Z.B. mit UND oder ODER oder NICHT... Das geht so einfach, dann man von alleine kaum drauf kommt:

Die besten Bücher zum Thema Teamleistung

Es gibt viele Bücher, die sich mit Teams beschäftigen. Doch wo sollen wir anfangen? In diesem Artikel stelle ich die wichtigsten Quellen vor.

6 Tabletten, mit denen ihr euer SAP-Team jeden Tag gesünder macht

Montagmorgen. Das erste Meeting. Eigentlich sollten alle entspannt aus dem Wochenende kommen. Oder? Nicht wirklich. Freitag war kein guter Tag im Projekt. Die Deadline wurde zum zweiten Mal gerissen. Dementsprechend ist die Stimmung heute … kacke. Keiner will schuld sein. Claudia weiß genau, woran es lag: Peter hat die funktionale Spezifikation nicht früh genug fertig gehabt. Sie konnte demnach nicht früh genug mit der Entwicklung starten. Und Peter sieht die Schuld bei dem anderen Team. Er sei schließlich abhängig von denen gewesen. Und schon geht es los: das „Im-Kreis-der-Rechtfertigungen-drehen“. Statt Lösungen zu finden, wird hier nach noch mehr Problemen gesucht.  Diese Projektsituation habe ich leider schon häufig in SAP-Implementierungsprojekten erlebt. Ich kann das mittlerweile schwer ertragen. In meinen ersten Projekten habe ich, offen gestanden, noch oft gedacht: „Vielleicht müssen wir das Problem noch genauer analysieren.“ Heutzutage sehe ich das ganz anders. Ich habe ke...

Microsoft Teams: Die neuen Besprechungsnotizen - Loop-Komponenten

  Haben Sie in letzter Zeit in einer Teams-Besprechung die Notizen geöffnet? Dort sind inzwischen die Loop-Komponenten hinterlegt. Die sind zwar etwas nützlicher als das, was zuvor zur Verfügung stand. Trotzdem ist noch Luft nach oben. Und es gibt sogar einige ernstzunehmende Stolperfallen. Hier ein erster, kritischer Blick auf das was Sie damit tun können. Und auch darauf, was Sie besser sein lassen.

Rebellieren für den Wandel: die 8 Regeln des totalen Stillstandes von Prof. Dr. Peter Kruse

In einem legendärem Vortrag skizzierte Peter Kruse 8 Regeln des totalen Stillstands. Ihm zufolge wurden die Regeln entwickelt, um Managern und Führungskräften dabei zu helfen, Bereiche mit potenziellem Widerstand gegen Veränderungen zu erkennen und Menschen auf strukturierte Weise durch den Veränderungsprozess zu führen.

Kategorien in Outlook - für das Team nutzen

Kennen Sie die Kategorien in Outlook? Nutzen Sie diese? Wenn ja wofür? Wenn ich diese Fragen im Seminar stelle, sehe ich oft hochgezogene Augenbrauen. Kaum jemand weiß, was man eigentlich mit diesen Kategorien machen kann und wofür sie nützlich sind. Dieser Blogartikel stellt sie Ihnen vor.

Scrum: eine kurze Geschichte der Empirie

Empirisches Arbeiten ist ein schwieriger Begriff. Agile Teams sollen empirisch arbeiten. Aber was bedeutet das genau? Vielleicht hilft ein Ausflug in die Ideengeschichte, zurück an die Anfänge des Flugzeugbaus.

Klartext statt Konsens - wie Meetings wieder was bewirken

Bessere Kommunikation ist Lippenstift fürs Protokoll. Kennst Du das: Das Meeting läuft, Energie ist da, der Knoten platzt - und jemand sagt: "Wir müssen besser kommunizieren!" Alle nicken. Jemand schreibt's auf. Und was passiert damit?  Nichts . Warum? Weil "besser kommunizieren" keine Handlung ist. Genauso wenig wie: "mehr Verantwortung übernehmen", "offener Feedback geben", "konstruktiver diskutieren", "proaktiver sein", "mehr miteinander reden", "transparenter werden", "Verständnis füreinander zeigen". Alles klingt gut. Aber ohne Klartext bleibt’s ein Vorschlag - nett im Protokoll, aber ohne Effekt auf den nächsten Arbeitstag. Kein konkreter Schritt, keine sichtbare Veränderung. Keiner der's macht. Es ist eine gute Absicht ohne Konsequenz. Wir haben kein Problem Verbesserungen zu identifizieren.   Die wahre Herausforderung ist selten das Finden von Verbesserungen. Es ist das Konkretisie...

Outlook-Aufgabenliste: bitte nicht die Aufgaben des ganzen Teams!

Am Tag der Arbeit kommt eine Lösung, nach der ich schon so oft gefragt wurde: Wie schaffe ich es, dass meine Outlook-Aufgabenliste nur meine eigenen Aufgaben anzeigt und nicht auch die E-Mails, die meine Kollegen gekennzeichnet haben oder Aufgaben, die einfach in einem gemeinsamen Postfach stehen?

Nie wieder Ärger mit Besprechungsserien in Outlook

Erstellen auch Sie Besprechungsserien in Outlook? Ärgern auch Sie sich manchmal darüber, wenn Sie etwas zu ändern haben? Falls nicht, versenden Sie entweder keine wiederkehrenden Outlook-Besprechungen (Serienterminen). Oder Sie ändern nie etwas daran. Dann ist dieser Artikel nichts für Sie. Lesen Sie aber bitte weiter, falls Sie sich schon immer mal gefragt haben, ob es eine Lösung gibt?