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Wir dürfen uns etwas wünschen. Wir müssen es tun!

Ein gutes neues Jahr allerseits! Auf dass möglichst viel von dem, was ihr euch vornehmt, klappt! Und darauf, dass das, was nicht klappt, sich im Nachhinein als unwichtig erweist!
Bild: ChatGTP

Inzwischen hat es sich herumgesprochen: Ein gespaltenes Verhältnis zu Vorsätzen zu haben, ist vernünftig. Und zwar nicht aus Trotz, sondern, weil uns die Lebenserfahrung - und die Forschung - lehren, dass sie nicht besonders wirksam sind.

Trotzdem tappen wir immer wieder in die Vorsatzfalle. Und zwar meist aus demselben Impuls: Es muss doch erreichbar sein, wenn ich es nur wirklich, wirklich (!) will und ich mich richtig, richtig (!) anstrenge!

Der Erfolg wird sich gewissermaßen automatisch einstellen, wenn wir nur mit so viel Motivation, so viel Durchhalten, so viel Kämpfen, ja eben: so viel Disziplin wie möglich zu Werke gehen. So wird, so MUSS es einfach klappen.

Das ist die Mechanik, die wir uns von unseren selbstverständlich gut durchdachten und wohlgeformten Vorsätzen erhoffen.

Bild: ChatGTP

Was wir dabei leider vergessen bzw. übersehen: Dass uns unsere alten Gewohnheiten, eingespielten Routinen und unbewussten Muster auch dieses Mal wieder bewusst lenken werden (von den äußeren Umständen ganz zu schweigen) – und zwar ziemlich unabhängig davon, was wir uns selbst und anderen hoch und heilig zum Jahreswechsel versprochen haben.

Es ist ja auch verlockend: Vorsätze klingen tatkräftig. Sie kommen vernünftig daher. Sie passen in die geschönte (doch leider seltenst zutreffende) individualisierte Leistungswelt der Tellerwäscher:innen, die es zu Großem bringen können: Jede und jeder muss eben nur wollen und sich reinhängen. Dann wird das schon.

In dem Moment, in dem wir die Vorsätze fassen, glauben wir genau daran. Wir glauben wirklich, alles im Griff zu haben und es schaffen zu können. Und das, obwohl wir schon sehr häufig damit auf die Schnauze gefallen sind.

Bild: ChatGTP

Im Falle unserer Vorsätze besteht aber die größere Gefahr, dass wir ganz groß scheitern. Dass wir an den für uns wichtigen Dingen vorbeileben.
 
Vielleicht sollten wir es also doch mal grundsätzlich anders angehen, als uns etwas vorzunehmen? Nur, wie? 

Mein Vorschlag: Wir könnten uns etwas wünschen.

Bild: ChatGTP

Aber: Wünschen? Ist das nicht etwas zu träumerisch? Zu unrealistisch? Ja, sogar naiv und verweichlicht? Das Leben ist doch schließlich kein Wunschkonzert. Oder?
 
Stimmt. Aber das Leben ist eben auch kein reines alltägliches Pflichtprogramm – auch wenn uns das von klein auf regelrecht eingebläut wird, so dass wir es gar nicht mehr hinterfragen.
 
Zumindest ist es das nur soweit, soweit wir es zulassen – jede und jeder für sich.

Wenn wir uns etwas wünschen, statt vorzunehmen, zeigen wir meist, was uns wirklich wichtig ist. Nicht nur das, was wir von uns und der Welt erwarten oder wir vermuten, dass „man“ von uns möchte. Nicht nur das, was wir als „richtig“ annehmen oder man allgemein als das Richtige definiert. 

Sondern das, was in uns wirklich innerlich Raum einnimmt – wenn wir es zulassen.

Und da liegt der Unterschied zu den Vorsätzen, die wir mit einer riesigen Ladung Disziplin beschwert haben.
 
Unser Alltag, in und an dem wir ja etwas ändern wollen, ist aber ohnehin schon voller diszipliniertem Müssen: Termine, Rollen, Verantwortungen, Abhängigkeiten. Und vieles davon ist tatsächlich notwendig und sogar sinnvoll.
 
Und so ist auch nachvollziehbar, dass sich das Müssen in den Vordergrund drängt und dazu neigt, alles andere zu übertönen. Eben auch das, was uns neben dem bisherigen sehr wichtig ist. So wichtig, dass wir sogar Vorsätze dafür fassen.

Bild: ChatGTP

Man könnte auch sagen: Das Dürfen wird vom Müssen niedergebrüllt. Dürfen, Wollen, Wünschen und Träumen hat da einen eher schweren Stand.

Und das wird sich auch nie völlig ändern lassen, und zwar deshalb, weil wir sonst im Alltag schwer bestehen würden, der ja immer gewisse Anforderungen an uns stellt.
 
Für unseren persönlichen Erfolg (gerade auch den des/der Tellerwäschers/in) ist deshalb umso wichtiger, dass wir uns innerlich die Erlaubnis geben, überhaupt etwas über diese Alltagsanforderungen hinaus zu wollen. 

Eigentlich geht es aber noch weiter: Unsere Aufgabe ist, unser Müssen auf ein Minimum zu reduzieren und maximal das anzustreben, was wir uns eben wünschen – für uns selbst und andere.
 
Das muss nicht laut und explizit geschehen. Im Gegenteil fangen wir vielleicht sogar erst einmal nur mit einem leisen Gedankenspiel an – denn in unserer radikalen Leistungswelt ecken wir mit ungewöhnlichen, verrückt wirkenden Mitteln nämlich gerne einmal an.

Lasst uns also das Dürfen - und Wünschen - zugestehen. Tun wir das nicht, treffen wir damit auch eine Entscheidung.
 
Deshalb wünsche ich mir für dieses neue Jahr ganz einfach: Dass wir uns öfter erlauben, das anzugehen, was uns wirklich wichtig ist, wascwir uns wirklich wünschen. Jede und jeder auf ihre oder seine Weise. Innerhalb der ihrer oder seiner Grenzen – aber nicht unterhalb der eigenen.

Das ist für alle sicherlich ein bisschen fordernd. Denn es verlangt, dass wir ständig aushandeln. Mit uns. Mit anderen. Mit dem, was um uns herum geschieht.
 
Es bedeutet, Position zu beziehen. Zu uns und unserer Umwelt.

Es ist also immer auch konfliktreich und schafft Reibung und Irritation. Doch genau dort beginnen wir, unser Leben konstruktiv zu gestalten. Nach unseren Vorstellungen und: Wünschen.
 
Eben nicht dort, wo wir nur funktionieren, wie wir müssen oder wie es von uns verlangt wird. Sondern dort, wo wir bewusst entscheiden, wählen, also: unsere Wünsche äußern oder sie versuchen zu realisieren.

Bild: ChatGTP

Wenn wir wissen, was uns wichtig ist und was wir uns wünschen, wägen wir besser ab, finden bessere, auch bessere gemeinschaftliche Lösungen. Es wird alles stimmiger.

Darin liegt unsere eigentliche Freiheit, die wir leicht übersehen, wenn wir beispielsweise uns mit Vorsätzen unter Druck setzen: Das Dürfen nicht komplett dem Müssen überlassen ist der ultimative Akt der individuellen Freiheit. Und des Erfolgstrebend.

Garantien gibt es für diesen Erfolg natürlich keine. Sich aber ab und zu daran zu erinnern, dass wir diese Freiheit und Möglichkeit zum Dürfen haben, könnte uns enorm dabei helfen, das zu erreichen, was uns wirklich wichtig ist.

Alles Gute für ein zufriedenes, gesundes und erfolgreiches 2026!


Edgars eigener Blog: www.trellisterium.de
Edgars Podcast: trellisterium.podbean.com 

Edgar Rodehack ist Teamwork-Enthusiast mit einem Faible für agile und gesunde Formen der Zusammenarbeit. Da trifft es sich natürlich gut, dass er das beruflich macht. Er ist Organisationsberater, Business und Agile Coach, Teamentwickler und Moderator. Außerdem ist er ein Mensch mit Frau und drei Kindern, der viel Spaß am Musikmachen, Schreiben und Lesen hat. Mehr über ihn: www.rodehack.de


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