Direkt zum Hauptbereich

Eine Metaanleitung für Projektmanagement (Teil 2/2)

Die vorherrschende Meinung, Projekte zu bearbeiten, ist folgende: Wir erstellen eine Liste von Aktivitäten und arbeiten diese ab. Wenn wir nicht alles schaffen, dann müssen wir eben länger arbeiten und die Kollegen härter dran nehmen. Hier kommt meine Metaanleitung für Projektmanagement.

Im ersten Teil habe ich schon drei wesentliche Punkte für Projektmanagement genannt:
  • Projektarbeit bedeutet Ergebnisse unter Unsicherheit liefern.
  • Projekte werden nicht genehmigt, sondern finanziert.
  • Projekte haben einen Planungshorizont. Sie können nicht darüber hinaus planen.
Wir müssen aber noch an zwei weitere Punkte denken.

Planung und Fortschritt dürfen nicht von der Meinung einzelner abhängen

Um den Projektfortschritt realistisch einschätzen zu können, brauchen Sie irgendeine Hilfe. Am besten wären Zahlen. Überlegen Sie, welche Annahmen Sie über den Fortschritt treffen und wie Sie diese Annahmen in kurzen Abständen überprüfen können. Wenn Sie das nicht haben, sind Sie von der Meinung einzelnder Personen abhängig. Das führt meist zu Streit und Sie verlieren Zeit, um rechtzeitig auf Abweichungen zu reagieren.

Manche nutzen Burndown-Charts, andere nutzen Earned Value Analyse. Manche nennen es Ergebnis-Tracking. Lassen Sie sich nicht ablenken. Es geht darum, möglichst objektiv zu wissen, wie lang der Weg noch ist und wie stark wir vom Kurs abgewichen sind.

Nichts ist sicher

Nichts ist sicher während eines Projekts. Ständig passiert etwas. Aber lassen Sie sich nicht zu stark überraschen. Viele Dinge sind leicht vorhersehbar, wenn man die Augen und Ohren offenhält. Teil der Projektarbeit ist zu überlegen, was man tun kann, um die wichtigsten Überraschungen rechtzeitig mitzubekommen, um gegenzusteuern. Manche nennen es Risikomanagement. Lassen Sie sich nicht ablenken. Was können Sie tun, um Überraschungen zu reduzieren und wie können Sie sich auf kritische Überraschungen vorbereiten.

Wenn Sie diese 5 Punkte verstehen, wissen Sie, worauf Sie wirklich achten müssen. Dann können Sie sich aus den ganzen Methoden, Büchern und Erfahrungen da draußen die besten Ideen herauspicken, die Ihnen konkret weiterhelfen. Daraus folgt meine Kurzanleitung für Projektmanagement.

Eine Metaanleitung für Projektmanagement

Statt Anweisungen nutze ich lieber 6 Fragen:
  • Was tun Sie, um die Ergebnisse möglichst klar zu definieren?
  • Was tun Sie, um die Unsicherheit des Projekts zu verstehen und wie passen Sie Ihr Projektmanagement deshalb an?
  • Wer gibt Geld oder andere Ressourcen für das Projekt und was tun Sie, damit diese Geber nicht das Interesse am Projekt verlieren?
  • Welche Zeithorizont können Sie realistisch planen und was tun Sie, um Ihre Planung regelmäßig zu aktualisieren?
  • Welche Zahlen können Sie nutzen, um den Fortschritt realistisch einzuschätzen?
  • Wie stellen Sie sicher, dass Sie die wichtigsten Risiken rechtzeitig mitbekommen?
Dazu kommen noch 2 Prinzipien:
  • Für alles gilt das Prinzip der Wirtschaftlichkeit. 
  • Alle Beteiligten verdienen Respekt.

Diese Punkte habe ich mit nicht ausgedacht. Sie beruhen auf den Arbeiten von Leuten wie z. B. Glen Alleman, Bent Flyvbjerg, John Ward, Aaron J. Shenhar und Dov Dvir. Ich habe sie hier nur zusammengefasst.

Vielleicht hat noch jemand eine Idee, wie man diese Punkte noch kürzer zusammenfassen kann.

Sie wollen mehr über gute Projektarbeit lernen? Es gibt eine Übersichtsseite zum Thema Projektmanagement in diesem Blog. Dort finden Sie weitere Artikel, mit denen Sie sich in das Thema einlesen können.

 

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Wie lassen sich Ergebnisse definieren? - Drei Beispiele (WBS, CBP und BDN)

Ich habe schon darüber geschrieben, warum das Definieren von Ergebnissen so wichtig ist. Es lenkt die Aufmerksamkeit des Projektteams auf die eigentlichen Ziele. Aber was sind eigentlich Projektergebnisse? In diesem Beitrag stelle ich drei Methoden vor, um leichter an Ergebnisse zu kommen.

Microsoft Teams: Die neuen Besprechungsnotizen - Loop-Komponenten

  Haben Sie in letzter Zeit in einer Teams-Besprechung die Notizen geöffnet? Dort sind inzwischen die Loop-Komponenten hinterlegt. Die sind zwar etwas nützlicher als das, was zuvor zur Verfügung stand. Trotzdem ist noch Luft nach oben. Und es gibt sogar einige ernstzunehmende Stolperfallen. Hier ein erster, kritischer Blick auf das was Sie damit tun können. Und auch darauf, was Sie besser sein lassen.

Microsoft Copilot - Notebook, Pages, Agents und mehr

Es tut sich sehr viel an der Copilot Front. Gefühlt entwickelt Microsoft mit aller Kraft die KI-Anwendung weiter. Mit dem letzten Update hat sich die Microsoft-Startseite stark verändert. Hier zeige ich, was sich hinter all den Begrifflichkeiten verbirgt und was davon alltagstauglich ist.

Schätzungen sind schätzungsweise überschätzte Schätze

"Wer viel misst, misst viel Mist." Zumindest ist diese Gefahr gegeben. Entweder misst man z. B. Mist, weil man zu früh zu KPIs zur Messung von Ergebnissen greift, oder aber man greift zu den falschen KPIs, die gar nicht das messen, was man wissen möchte. Einst war agiles Arbeiten der alternative Ansatz, aber inzwischen gibt es auch für einige Details dessen, was in Konzernen als "agil" praktiziert wird, einleuchtende alternative Ideen, die bis heute noch nicht so richtig auf die große Bühne vorgedrungen zu sein scheinen. 

Wenn es mal gerade etwas schwierig bei Kund:innen wird… Zwei Fragen, die uns helfen, unsere Strategie mit unseren Kund:innen abzusprechen.

Seit 2024 organisieren Bob Galen und ich eine Masterclass für agile Coaches. Wir möchten die Ausbildung von agilen Coaches verbessern und ihnen Techniken mitgeben, mit denen sie bei ihren Kund:innen etwas einfacher haben. Bisher haben wir in vier Durchgängen mit jeweils 14 Modulen ungefähr 70 Extraordinarily Badass Agile Coaches ausgebildet (/1/). In diesem Blogpost möchte ich ein paar Erfahrungen und simple Techniken aus der Masterclass teilen, wie wir unsere Strategie besser abstimmen können. Sie beschränken sich nicht auf agiles Coaching – das ist nur das Setting.

Teamleitungen gesucht

Was macht Teams erfolgreich? Kann man das lernen? Ab Herbst starten unsere Kurse für aktuelle und künftige Teamleitungen. Jetzt gibt es die Gelegenheit, den Kurs zu testen.

Wie überprüft man den aktuellen Stand einer neuen gemeinsamen Ablage?

Ihr habt in eurem Team die individuellen, unordentlichen Ablagen auf eine gemeinsame Ablage, die nach Vorgängen und Prozessen geordnet ist, umgestellt. Woher wisst ihr, ob das wirklich funktioniert? In diesem Beitrag gibt es 10 Auditfragen.

Nachschau zum Lean Coffee-Spezial "Agil einfach machen" (Interaktive Buchvorstellung)

Bei unserem Lean Coffee-Spezial Ende Mai waren wir von Lean Coffee Karlsruhe/Frankfurt Zeugen einer Buchvorstellung, doch nicht nur das – natürlich gab es auch einen nicht unbeträchtlichen Anteil an eigener Aktion, denn bei unseren Spezialterminen ist traditionell „Teilgabe“ angesagt. Das Autorenduo Christian Baron und Janick Oswald zeigte uns, was es mit „Agil einfach machen“ auf sich hat.  

Wie läuft ein Projekt zum Entwickeln von Szenarien ab?

Seit 2016 beschäftigen Edgar und ich uns intensiv mit der Szenariotechnik. Szenarien sind ein wirkungsvolles Werkzeug, um Projekte oder ganze Geschäftsmodelle auf ihre Zukunftstauglichkeit zu testen.

A simple project filing structure

Are there too many documents? But which ones are important? Project teams are drowning in information. There's no shortage of tools: emails, Slack channels, JIRA, Microsoft Teams, and Trello boards. But who can keep track of them all? A few simple rules can get a project team on track. I'll present the simplest project filing system here.