Direkt zum Hauptbereich

Was würde ein externer Beobachter wahrnehmen?

Externe Beraterinnen und Berater haben den Vorteil, dass sie ein Team unvoreingenommen beobachten können. Sie kennen sich nicht mit der Geschichte des Teams und mit den Details der Arbeit aus. Deswegen sehen und hören sie oft Dinge, die das Team nicht mehr wahrnimmt. Aber brauchen wir wirklich immer externe Leute?
Wenn Leute von außen in das Team kommen, ändern sich die sozialen Dynamiken. Im Team geht man anders miteinander um. Man hört der externen Person zu, wenn sie etwas zu sagen hat. So manches mal dachte ich (als internes Teammitglied): "Wow, coole Frage. Die hat mir jetzt wirklich weiter geholfen."

Perspektiven wechseln

Eine Person von außen hat eine andere Perspektive. Aber oft können wir selbst die Perspektive wechseln. Wenn wir merken, die Diskussion stockt irgendwie, ändern wir die Sichtweise: "Sollen wir mal von außen auf uns schauen? Was würde ein externer Beobachter jetzt wahrnehmen?"

Meist geht das Team sofort auf eine Metaebene und beschreibt, was es sieht und hört.

Wir können auch Vorbilder oder Personas sprechen lassen:
  • "Was würde W. E. Deming sagen, wenn er uns beobachten würde?"
  • "Was würde unser Kunde sagen? Interessiert ihn das, was wir bereden?"
  • "Was würde unser Hausmeister sagen?"
Menschen sind empathische Wesen. Deswegen fällt es uns leicht, uns in andere hineinzuversetzen.

Was sollen wir genau beobachten?

Man kann auf verschiedene Dinge achten:
  • Inhalt des Gesagten, welche Worte fallen genau oder häufig?
  • Art und Weise, wie etwas vorgetragen wird
  • Stimme, Modulation, Gestik, Energie
  • Positionen im Raum und Abstände zu den Teammitgliedern.
  • Redet jemand viel oder sagt er schon seit Stunden nichts mehr.
  • Wie ist die Situation insgesamt? Wird das Team von außen gestresst?
  • Wie ist das Klima im Raum etc.?
Dave Logan und seine Kollegen haben Sprach- und Beziehungsmuster in Unternehmen beobachtet /1/. Sie haben dabei unterschiedliche Weltsichten herausgearbeitet. Eine Weltsicht bedeutet, dass ich bestimmte Annahmen über die Welt habe und ich interpretiere alle Ereignisse so, dass diese Weltsicht bestätigt wird. Daraus leitet sich ein bestimmtes Verhalten und bestimmte Interaktionen mit bestimmten Personen ab. Logan und Co. haben fünf Weltsichten herausgefunden.
  • Verzweiflungskultur: "Das Leben ist grundsätzlich mies."
  • Ohnmachtskultur: "Mein Leben ist richtig mies. Mich trifft es immer. Was kann ich schon tun?"
  • Heldenkult: "Ich bin ein toller Typ. Seid froh, dass ihr mich habt. Ohne mich würde hier gar nichts klappen."
  • Kooperationskultur: "Zusammen sind wir stark. Wir brauchen einander, damit wir etwas schaffen."
  • Erleuchtung: "Das Leben ist grundsätzlich toll."
Das interessanter an dieser Untersuchung war, dass die Forscher keine psychologischen Tests gemacht haben. Sie haben sich nur auf beobachtbare Ereignisse konzentriert.

Scrum Master haben die Aufgabe auf die Annahmen zu achten, die hinter bestimmten Äußerungen oder Handlungen stecken könnten. Häufig sind wir uns dieser Annahmen nicht bewusst und wir verwechseln Fakten mit Annahmen. Wenn wir uns unserer Annahmen bewusst werden, können wir sie hinterfragen.

Eine häufige Annahme ist zum Beispiel, dass man hoch ausgelastet sein muss:
  • "Wenn ich zu 100% ausgelastet bin, bin ich ein guter Mitarbeiter. Der Boss bekommt von mir viel für sein Geld."
  • "Ich bin nur dann eine gute Führungskraft, wenn ich in allen wichtigen Meetings bin. Wenn es schwer ist, einen Termin mit mir zu bekommen, dann bin ich gut."
Diese Annahme ist sehr hinderlich für die Teamarbeit, weil jeder seinen eigenen Zielen folgt. Im Gespräch verstehen die meisten schon, was Scrum, gemeinsame Ablage oder sonst etwas bedeuten. Aber sie sagen häufig: "Ich habe keine Zeit dafür, weil ich so hoch ausgelastet bin." Es ändert sich erst etwas, wenn sich ihre Annahme von hoher Auslastung zu hohem Durchsatz ändert.


In ihrer Funktion als Coach des Teams ist es die Aufgabe des Scrum Masters, Verhalten zu beobachten und dem Team zu helfen, die Annahmen zu überprüfen.

Legen Sie einen Beobachter fest

Vielleicht tut Ihnen eine externe Perspektive in Ihrem nächsten Meeting gut. Dann legen Sie doch einfach zu Beginn eine Person fest, die das Team beobachtet.

Anmerkungen

  • /1/ Logan, David, John Paul King, and Halee Fischer-Wright. Tribal leadership: Leveraging natural groups to build a thriving organization. Collins, 2008.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Kategorien im Neuen Outlook - für das Team nutzen: Remake

Einer unserer erfolgreichsten Artikel auf diesem Blog ist im Teenageralter angekommen! Grund genug für ein Remake mit der aktuellen Outlook-Version. Spoiler: Es ändert sich nur wenig. 😉

Vom geheimen Anderssein in (deutschen) Unternehmen

Vielleicht kennen einige noch die Werbung einer Orangenlimonadenfirma aus den 80er Jahren: "Sind wir nicht alle ein bisschen bluna?" Dieses Wissen, metaphorisch gesprochen, setzt sich sehr zögerlich immer mehr im öffentlichen Bewusstsein fest: unsere Hirne sind nicht alle gleich. Im Arbeitskontext kann es zu nicht verstandenen Konflikten kommen, wenn alle über einen Kamm geschoren werden. Außerdem wundern sich Krankenkassen über steigende Ausgaben wegen Depressionen, Burnouts und Angstzuständen ihrer Mitglieder. Dafür könnte es Gründe geben, die weitgehend noch im Dunkeln zu liegen scheinen.

Das Ubongo Flow Game

Spiele bieten eine gute Gelegenheit, zeitliche Erfahrungen zu verdichten und gemeinsam zu lernen. Karl Scotland und Sallyann Freudenberg haben im Mai 2014 das Lego Flow Game veröffentlicht. Wir haben die Spielidee übernommen, aber das Spielmaterial gewechselt. Statt Legosteinen benutzen wir Material aus Grzegorz Rejchtmans Ubongo-Spiel. Hier präsentieren wir die Anleitung für das Ubongo Flow Game.

Viele Vorgänge und Projekte? Mit einem Vorgangsleitstand behält man den Überblick

Wer viele Vorgänge hat, braucht Mechanismen, um die wirklich wichtigen Vorgänge des Tages zu finden. Zwei Datumsfelder und ein Bearbeiterfeld reichen aus, um aus einer Vorgangsliste einen Vorgangsleitstand zu machen.

Struktur schlägt Heldentum - Eine Buchrezension

Ein neuer Ratgeber für gestresste Unternehmerinnen und Unternehmer ist erschienen. Bietet er wirklich nützliche Antworten auf ein bekanntes Problem? Ich denke, ja. 

Warum du als Führungskraft die ersten 90 Tage nicht dem Zufall überlassen solltest (und schlechtes Onboarding dich mehr kostet, als du denkst)

Der erste Arbeitstag ist meistens gut organisiert: Laptop, Zugänge, ein freundliches Willkommen. Die Wochen danach entscheiden aber, ob jemand bleibt – und genau da lassen die meisten Unternehmen ihre neuen Mitarbeitenden allein. Ich erinnere mich an eine erfahrene SAP-Beraterin, die in ein großes Transformationsprojekt eingestiegen ist. Fachlich absolut top, hoch motiviert, mit besten Referenzen. In der ersten Woche bekam sie einen Laptop, einen Zugang zum Wiki und den Satz: „Schau dich einfach mal ein bisschen um, du findest dich schon zurecht." Niemand hatte Zeit, ihr die Systemlandschaft zu erklären. Niemand stellte sie den Stakeholdern vor, mit denen sie ab Woche zwei zusammenarbeiten sollte. Nach zehn Wochen kündigte sie noch in der Probezeit. Ihre Begründung im Abschlussgespräch: „Ich hatte nie das Gefühl, gebraucht oder eingebunden zu sein. Ich habe mich die ganze Zeit gefragt, ob ich hier überhaupt richtig bin." Das Traurige daran: Sie war fachlich genau richtig. Ver...

Rebellieren für den Wandel: die 8 Regeln des totalen Stillstandes von Prof. Dr. Peter Kruse

In einem legendärem Vortrag skizzierte Peter Kruse 8 Regeln des totalen Stillstands. Ihm zufolge wurden die Regeln entwickelt, um Managern und Führungskräften dabei zu helfen, Bereiche mit potenziellem Widerstand gegen Veränderungen zu erkennen und Menschen auf strukturierte Weise durch den Veränderungsprozess zu führen.

Wer nicht Nein sagen kann, dessen Ja ist nichts wert.

Klar, wir wollen hilfsbereit sein, Dinge möglich machen, niemanden enttäuschen. Das ist eine gute, eine schöne Motivation, ein schönes Ziel. Nur: Wer immer ja sagt, gefährdet genau das: das gute Ergebnis. Ein Plädoyer für leistungsorientierte Ehrlichkeit.

Microsoft Teams: Die neuen Besprechungsnotizen - Loop-Komponenten

  Haben Sie in letzter Zeit in einer Teams-Besprechung die Notizen geöffnet? Dort sind inzwischen die Loop-Komponenten hinterlegt. Die sind zwar etwas nützlicher als das, was zuvor zur Verfügung stand. Trotzdem ist noch Luft nach oben. Und es gibt sogar einige ernstzunehmende Stolperfallen. Hier ein erster, kritischer Blick auf das was Sie damit tun können. Und auch darauf, was Sie besser sein lassen.

Demnächst erscheint unser Buch über Projektablage

Wolf und ich haben lange daran gefeilt. Wir haben einen Leitfaden für den Umgang mit Dokumenten in Projekten geschrieben. Wer möchte, kann sich schon eine Leseprobe bei Leanpub herunterladen: https://leanpub.com/projektablage/