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Eine andere Sicht auf BWL

Was denken wir eigentlich über wirtschaftliche Zusammenhänge? Ist man durch die eigene Leistung erfolgreich? Handeln die Menschen stets berechnend? Viele wirtschaftliche Aussagen, die wir heute für selbstverständlich halten, waren vor hundert Jahren noch gar kein Thema. Und wissen Sie welche?
Die Kolleginnen und Kollegen der Scrum Inc. haben ihre Sommer-Leseliste veröffentlicht. Ein Anlass für mich, auch zwei Bücher zu empfehlen.

Wir brauchen ein besseres Verständnis von Wirtschaft


Kate Raworth ist eine Wirtschaftswissenschaftlerin, die lange für Oxfam und die UN gearbeitet hat. Sie hat die Folgen unseres Wirtschaftsmodells, das vor allem von wirtschaftlichem Wachstum geprägt ist, in verschiedenen Stellen erlebt. Ihr Buch Doughnut Economics beginnt mit einem Zitat von Buckminster Fuller. Man ändert nicht die Welt, indem man das bestehende System bekämpft. Man ändert sie, wenn man ein neues Modell entwickelt, das das alte obsolet macht.

Der Ring des Donuts definiert Unter- und Obergrenzen für wirtschaftliches Handeln in verschiedenen Bereichen. Wirtschaftwissenschaften sind kein Selbstzweck, sondern sollen die Gesellschaft und Politik unterstützen, nicht dominieren.

Aber das Buch geht viel weiter: Die Autorin nimmt sich in den verschiedenen Kapiteln vorherrschende BWL-Konzepte vor. Sie beschreibt, wie diese Konzepte entstanden sind und welche Folgen das hat. Jedes Kapitel endet mit einem besserem Konzept, z. B. von self-contained markets zur embedded economy.

Wer mehr wissen möchte, findet bei YouTube einen TED-Vortrag.

Außenseiter-Ideen werden zum Mainstream


Jonathan Aldred ist ebenfalls Wirtschaftswissenschaftler. Er hat ein Buch über den korrumpierten Mensch geschrieben.

Er folgt den Ideen von John von Neumann, Milton Friedman oder Gary Becker. Viele von diesen Ideen waren eigentlich Außenseiter-Ideen. Aldreds Buch beginnt mit der Spieltheorie, die in vielen  Bereichen als Begründung für bestimmtes Verhalten herangezogen wird.

Aber Menschen sind keine einfach gestrickten Wesen. Unser Verhalten ist facettenreich und lässt sich nicht so einfach reduzierten. Wirtschaftswissenschaften sind den Naturwissenschaft nicht gleichgestellt.

Mir hat das Buch deshalb gefallen, weil mir dadurch bewusst wurde, wie stark mein eigenes Denken von der Ökonomie der freien Märkte bestimmt ist. Interessanterweise nimmt in der Bevölkerung das Gefühl, für die eigene Leistung verantwortlich zu sein, zu, wenn die Ungleichheit in der Gesellschaft steigt. Gelungene PR.

Von Jonathan Aldred gibt es auch einige Vorträge bei YouTube, z. B. über The Licence to be bad.


Für beide Bücher braucht man etwas Zeit. Aber der Erkenntnisgewinn ist groß. Viel Spaß beim Lesen.

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