Direkt zum Hauptbereich

Leitlinien für Arbeitsgruppen in MS Teams

Es überrascht selbst mich: Microsoft Teams breitet sich rasant aus! In vielen Unternehmen erscheint es "irgendwie ganz plötzlich" und soll benutzt werden. Doch wie genau? Technisch ist es ja leicht zu durchschauen, aber strukturell? Da fühlen sich Arbeitsgruppen (ich nenne die Menschen so, um den Begriff von "Teams" zu unterscheiden) oft alleine gelassen. Hier stelle ich Leitlinien vor, die man so oder so ähnlich in der Arbeitsgruppe implementieren könnte.


Wann ein neues Team erstellen?

In vielen Häusern ist das nicht frei wählbar. Doch wenn es das sein sollte: ein Team in Microsoft ist eine Arbeitsgruppe, die gemeinsam Themen bearbeitet.
  • Das Team definiert sich an den Personen, nicht am Thema
  • Ehe Sie ein Team erstellen (lassen), prüfen Sie, ob es vielleicht eines mit derselben Personengruppe bereits gibt. Wenn ja: erstellen Sie einen neuen Kanal für das Thema, das Sie bearbeiten wollen. 
  • Es wäre sinnvoll, eine Regel zu haben, wie der Teamname entsteht. Besonders in größeren Unternehmen wird es sonst rasch unübersichtlich.
Ziel: Anzahl der Teams überschaubar halten.

Wann einen neuen Kanal erstellen?

Wenn die Arbeitsgruppe - was wahrscheinlich ist - verschiedene eher unabhängige Themenblöcke bearbeitet, gibt es pro Themenblock einen Kanal.
  • Ein Kanal definiert sich am Thema
  • Im Kanal werden alle dieses Thema betreffende Informationen gesammelt und diskutiert. 
  • Jeder Kanal hat ein eigenes Set von Registerkarten. 
  • Ein Kanal kann ausgeblendet werden, wenn das Thema "durch" ist.
Ziel: nur Kanäle mit gerade aktiven oder relevanten Themen sind sichtbar.

Umgang mit Dateien

Jeder Kanal hat eine eigene Dateiablage!
  • Jedes Team erscheint auf SharePoint als Teamwebsite mit Dokumentenablage und bereits angelegtem Notizbuch. 
  • Jeder Kanal hat in der Dokumentenablage in SharePoint seinen eigenen Ordner. Der immer als Startkanal angelegte Kanal "Allgemein" hießt "General". Wenn OneNote genutzt werden soll, empfehle ich das Notizbuch von der Teamwebsite im Kanal Allgemein als eigene Registerkarte zu verwenden. Grund: eigene Notizbücher in jedem Kanal unterstützen in den meisten Fällen die "digitale Verzettelung". 
  • Jede Datei, die als Anlage in den Kanal hochgeladen wird, wird auf SharePoint angelegt. Daher: bitte sorgfältig darauf achten, dass die Unterhaltung auch im richtigen Kanal stattfindet. Denn sonst landen ggf. Dateien am falschen Ort.
Ziel: Themenzentriertes Arbeiten - alle das Thema betreffende Informationen sind an einem Ort.

Registerkarten

In jedem Kanal sind standardmäßig folgende Registerkarten angelegt: Unterhaltung, Dateien und Wiki.

Die Registerkarten Unterhaltung und Dateien sollten beibehalten werden. Die Registerkarte Wiki kann, wenn sie nicht benötigt wird gelöscht werden.

Wiki ist ein guter Ort für statische Informationen wie: Glossar, Abkürzungsverzeichnis, Beschlussregister oder auch eine Linkliste auf all die anderen Datenquellen wenn die Konsolidierung in TEAMS aus Auditgründen, Zugriff auf Dokumente von Nicht-Teammitgliedern (z.B. Management) o.ä. nicht möglich sein sollte.

Es können sehr viele Apps, Dateien und Anwendungen von Drittanbietern als Registerkarte hinzugefügt werden. Doch auch hier sollte man sorgfältig auswählen.

Wenn das Team beispielsweise Jira nutzt: gern hier einbinden, wenn es schon ein OneNote Notizbuch gibt: einbinden.

Ziel: über die Registerkarten kann Teams zu einem "Single Hub" werden - ein Eingang für alles.

Unterhaltung - Chat - Erwähnung

Teams bietet - im Gegensatz zu Outlook - die Möglichkeit, Informationen im Pull-Prinzip statt im Push-Prinzip zu teilen. Das heißt, die Information befindet sich an einem definierten Ort und wird, dann wenn es für den Betreffenden interessant ist, von dort geholt. Es gibt verschiedene Varianten des Informierens und Diskutierens.

Unterhaltung: wie ein bekannter Gruppenchat. Wichtig: Auf einen Eintrag kann geantwortet werden. Bitte dies auch tun! Nur wenn ein ganz neues Thema kommt, dieses als "Neue Unterhaltung" mit einem Titel kenntlich machen. Vielleicht diesen gefettet. Wenn man die Formatierung in der Unterhaltung öffnet, sieht man erst all diese Möglichkeiten.Idee: Präfixe verwenden:
  • INFO - Zur Info, bitte zur Kenntnis nehmen. Diskussion nicht erforderlich 
  • DIS - Diskussion, bitte kommentieren, wenn man Zielführendes zu sagen hat. 
  • ACT - Hier muss etwas getan werden
Einträge können auch gerne mit Emojis gekennzeichnet werden. Ein "Daumen hoch" ist ein starker Motivator. Einträge können auch nachträglich noch editiert und gelöscht werden.

Chat: klassische 1:1 Kommunikation. Es ist auch ein Chat in einer Kleingruppe möglich, das ist nur dann sinnvoll, wenn es kein paralleles Team gibt. Hier sollte nichts mit Archivwert besprochen werden. Es dient dazu, die Unterhaltungen frei von "Grundrauschen" zu halten wie: "wollen wir zusammen zu Mittag essen?"

Erwähnung: mit @<Name> können Sie die Aufmerksamkeit einer bestimmten Person "ziehen". Die erwähnte Person erhält eine gesonderte Kennung am Teamssymbol. Das sollten Sie nur dann tun, wenn Sie von dieser Person eine Reaktion erwarten!

Sie können mit @<Teamname> auch alle Teammitglieder auf diese Weise ansprechen. Doch tun Sie das nur in begründeten Ausnahmefällen.

Ziel: innerhalb des Teams sollten keine E-Mails mehr geschrieben werden.

Grund: für später hinzukommende Mitglieder der Arbeitsgruppe wird das Einarbeiten in die Materie sehr viel einfacher. Alle Informationen und Entscheidungsgrundlagen sind an einem Ort.

Meetings in Teams

Für Meetings in Teams gilt dasselbe wie für jede andere Besprechung auch:
  • Kein Meeting ohne Ziel und Agenda - beides vorab kommuniziert.
  • Option: wird die Einladung in den Kanal gestellt, müssen die Mitglieder nicht einzeln eingeladen werden.
  • Pünktlichkeit für Anfang und Ende ist Gebot.
  • Wenn Video aktiv ist: die "Blurr"-Funktion verwäscht den Hintergrund und lenkt den Fokus auf die Personen.
  • Wenn das Meeting aufgezeichnet wird, muss das vorher klar kommuniziert werden.
  • Eine Transskriptions-Funktion ist in Arbeit, auf Deutsch meines Wissens aber noch nicht verfügbar.
  • Protokolle von Meetings können auch sehr komfortabel in OneNote erstellt werden. Wenn das Notizbuch in das Tam eingebunden ist, entfällt auch das Verteilen.
Ziel: unkomplizierte und effiziente Besprechungen ohne Reiseaufwand.

Diese Leitlininen sind eine Diskussionsgrundlage - nicht mehr und nicht weniger. Passen Sie sie an Ihre Bedürfnisse an und dann: Frohes Schaffen!

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Die Profi-Tools im Windows-Explorer

Haben Sie bei der Urlaubsvertretung sich manches Mal geärgert, wenn Sie Dateien gesucht haben, die ein Teammitglied abgelegt hat? Die Suche im Explorer funktioniert tadellos, aber manchmal sollte man den Suchbegriff noch ein bisschen genauer fassen können. Z.B. mit UND oder ODER oder NICHT... Das geht so einfach, dann man von alleine kaum drauf kommt:

Warum du als Führungskraft klügere Mitarbeiter einstellen solltest (und Mikromanagement dein größter Fehler ist)

Es ist einer der am häufigsten zitierten Führungsratschläge: Umgib dich mit Menschen, die klüger sind als du. Und einer der am seltensten wirklich befolgten. Warum? Weil er sich leichter sagt, als er sich anfühlt.

Das Ubongo Flow Game

Spiele bieten eine gute Gelegenheit, zeitliche Erfahrungen zu verdichten und gemeinsam zu lernen. Karl Scotland und Sallyann Freudenberg haben im Mai 2014 das Lego Flow Game veröffentlicht. Wir haben die Spielidee übernommen, aber das Spielmaterial gewechselt. Statt Legosteinen benutzen wir Material aus Grzegorz Rejchtmans Ubongo-Spiel. Hier präsentieren wir die Anleitung für das Ubongo Flow Game.

Unternehmenskultur frisst Agilität zum Frühstück

Zyklische Abfolgen sind an vielen Stellen im Leben beobachtbar: Wiederkehrende vier Jahreszeiten, alte Songs, die plötzlich als Cover-Versionen wieder auf den Markt kommen (Jugendliche identifizieren diese dann als "Grundform", denn sie kennen das Original nicht), erst Karottenjeans, dann wieder Hosen mit Schlag, dann wieder Karotte, in der Politik Republikaner, Demokrat, Republikaner, Demokrat..., Hardliner-Papst, Vermittler-Papst... - alles kommt in regelmäßigen Abständen wieder. So auch die Erkenntnis, was man alles tun müsste, um in Unternehmen wirklich agil arbeiten zu können. Warum aber gelingt die Installation agiler Zusammenarbeit in größeren Unternehmen bis heute so wenig zufriedenstellend? Werden dabei vielleicht Aspekte immer noch zu wenig gesehen?

Microsoft Teams: Die neuen Besprechungsnotizen - Loop-Komponenten

  Haben Sie in letzter Zeit in einer Teams-Besprechung die Notizen geöffnet? Dort sind inzwischen die Loop-Komponenten hinterlegt. Die sind zwar etwas nützlicher als das, was zuvor zur Verfügung stand. Trotzdem ist noch Luft nach oben. Und es gibt sogar einige ernstzunehmende Stolperfallen. Hier ein erster, kritischer Blick auf das was Sie damit tun können. Und auch darauf, was Sie besser sein lassen.

Coaching- und Führungsframeworks im Überblick: 21 Linsen für Teams und Organisationen

Gute Scrum Master:innen und Coaches betrachten das Geschehen durch mehr als eine Brille oder Linse. Jede Linse gibt andere Hinweise für angemessene Interventionen. Im Prinzip suchen wir immer nach der kleinsten Intervention mit der größten Wirkung. Aber welche Linsen gibt es eigenlich? In diesem längeren Beitrag stelle ich die wichtigsten 21 Konzepte von 37 Autor:innen vor, die mir bei der Recherche begegnet sind.

Kategorien in Outlook - für das Team nutzen

Kennen Sie die Kategorien in Outlook? Nutzen Sie diese? Wenn ja wofür? Wenn ich diese Fragen im Seminar stelle, sehe ich oft hochgezogene Augenbrauen. Kaum jemand weiß, was man eigentlich mit diesen Kategorien machen kann und wofür sie nützlich sind. Dieser Blogartikel stellt sie Ihnen vor.

Warum Veränderungsinitiativen scheitern - und wie Du veränderungsresistente Strukturen knackst

[TL;DR] Viele Veränderungsinitiativen stossen auf harten Widerstand - nicht weil die Idee der Veränderung oder das Zielbild schlecht ist, sondern weil Organisationen wie Tensegrity-Strukturen funktionieren: hochgradig vernetzt, unter Spannung, systemisch. Wer das versteht, geht Veränderung anders an. Hast Du schon mal von Tensegrity Strukturen gehört? Nimm Dir doch mal kurz Zeit und schau Dir das Video an. Dann hast Du's sofort im Kopf. Und wenn Du die 58 Sekunden nicht hast und lieber weiterliest: Tensegrity-Strukturen sind faszinierende Gebilde aus schwebenden Stäben und Seilen, bei denen sich kein Stab direkt berührt - und trotzdem hält das ganze Ding sehr resilient gegen Störungen zusammen. Ich bin Tensegrity-Strukturen zuerst in einem ganz anderen Zusammenhang begegnet - in der Trainingslehre. Der menschliche Körper wird nämlich von einer solchen Struktur aus Zug und Druck - Muskeln, Faszien, Sehnen - permanent im Gleichgewicht gehalten. Das Elegante daran: Stabilität entsteh...

Office-Hacks - Sammlung Teil 2: OneNote und PowerPoint

Immer wieder werde ich nach speziellen Hacks, Tipps und Tricks gefragt, die einem die Arbeit mit MS-Office-Produkten erleichtern. Also habe ich eine zeitlose Sammlung von kleinen Handgriffen zusammengestellt, die in meinen Seminaren oft für erhellende AHA-Momente sorgen. Dies ist der zweite Teil meiner kleinen Serie mit OneNote und  PowerPoint. Der erste Teil hat Outlook und Teams behandelt;  Word, und Excel werden folgen.

High Performance Teams: 10 Prinzipien, die Spitzenteams von innen heraus stark machen

Manche Teams liefern konstant Spitzenleistung, nicht weil sie aus lauter Ausnahmetalenten bestehen, sondern weil sie Prinzipien verinnerlicht haben und danach arbeiten. Sie finden schneller gemeinsame Richtung, erholen sich als Einheit von Rückschlägen und wachsen an Herausforderungen, anstatt an ihnen zu zerbrechen. Was steckt dahinter? Kein Geheimrezept, sondern eine Handvoll Prinzipien, die High Performance Teams konsequent leben: im Umgang miteinander, in der Art wie sie lernen, Entscheidungen treffen und mit Druck umgehen. Die folgenden zehn Prinzipien dienen als Orientierung für Teams, die nicht nur irgendwie gut funktionieren wollen, sondern wirklich gemeinsam stark sein wollen.