Direkt zum Hauptbereich

Kleine Änderung in Richtung Agilität: Starten Sie alle Projekte rot

Statusberichte kosten Zeit und helfen nicht. Es gibt bessere Wege, sich selbst zu steuern. Manchmal braucht man Zwischenschritte. Andrew Annett schlägt vor, alle Projekte rot zu starten. Coole Idee.

Wer braucht eigentlich einen Statusbericht?

Über Statusberichte habe ich ja schon geschrieben, z. B. in /1/. Eine Frage, die mir immer noch unklar ist: Wer braucht eigentlich einen Statusbericht?
  • Die Projektmitarbeiter kennen (oder ahnen) den echten Status eh. Sie brauchen ihn nicht.
  • Stakeholder - insbes. Sponsoren - wollen wissen, was mit ihrem Geld (und ihrer Zeit) passiert. Echte Zwischenergebnisse sind aussagekräftiger als bunter Ampeln.
  • Führungskräfte wollen irgendwas führen. Der reine Ampelreport nützt nichts, wenn das ganze System nicht funktioniert. Statt auf 10 Baustellen gleichzeitig zu tanzen, sollte man erstmal eine Aufgabe fertig machen.
Sie sehen schon, dass ich skeptisch bin. Jason Little hat ein sehr lesenswertes Buch über agile Transformationen geschrieben /2/. Dort verweist er auf Andrew Annett, der vorschlägt, alle Projekte mit dem Status rot zu starten /3/. Werfen Sie ruhig einen Blick in den entsprechenden Blogbeitrag.

Die Idee ist folgende:
  • Das, worüber Sie sonst mit Hilfe von Ampel berichten, wird zunächst auf rot gesetzt.
  • Immer wenn etwas fertig ist, wird es auf einen grünen Status gesetzt (siehe Abb. 1).
Abb.1: Status der Arbeitspakete in den ersten drei Wochen

Rot lenkt die Aufmerksamkeit

Was passiert nun, wenn ein Statusbericht an einer bestimmten Stelle Rot zeigt? Normalerweise bedeutet eine rote Ampel in solchen Berichten: "Hier läuft etwas nicht nach Plan." Das zieht dann die Aufmerksamkeit vom Lenkungsausschuss auf sich: "Wir müssen etwas tun." Bei der Projektmanagementmethode PRINCE2 bedeutet das, dass eine Ausnahme eingetreten ist.

Was können die Projektverantwortlichen denn tun?
  • Wenn etwas nicht nach Plan läuft, stimmt vielleicht der Plan nicht. Wer hat den Plan geprüft? Sind die Werte realistisch? Wurde mit Dreipunkt-Schätzungen gearbeitet? Hat jemand eine Monte-Carlo-Simulation gemacht, um zu prüfen, ob Kosten und Endtermin wahrscheinlich sind? Das sind alles Punkte, die man im Projekt schnellstmöglich nachholen kann.
  • Das Projekt hat nicht genügend Aufmerksamkeit. Viele Unternehmen lassen zu viele Projekte gleichzeitig laufen. Im Ergebnis verzögert sich alles. Die Verantwortlichen könnten dafür sorgen, dass ein Projekt nach dem anderen bearbeitet wird. Hat die Unternehmensleitung überhaupt einen Überblick über das aktuelle Projektportfolio.
  • Es passiert etwas Unvorhergesehenes im Projekt. Besonders bei IT-Projekten haben wir den Bereich der einfachen Unsicherheit verlassen. D. h. wir können nicht sicher sein, dass wir die Anforderungen wirklich verstanden haben. Bei solchen Projekten geht es nicht darum, Technik bereit zu stellen, sondern die Arbeitsabläufe im Betrieb so zu ändern, dass man Geld spart oder verdient. Da müssen alle mithelfen: IT, Lieferanten, Auftraggeber, Endbenutzer. Dafür braucht es Zeit zum Experimentieren und Lernen. Bei IT-Projekten haben wir oft auch signifikant neue Technologie am Start. Aber wir wissen noch nicht, ob und wie die neuen Systeme und Produkte funktionieren. Hier muss man eine Zeit lang mit mehreren Konzepten parallel laufen. Man darf sich also nicht zu früh auf eine Lösung beschränken.
  • Es passiert etwas Unvorhergesehenes am Markt. Sehr schön ist auch der Fehler, sich auf nur eine Realität einzustellen. Sie bereiten den Markteintritt in ein Land vor. Und im Verlauf merken Sie, dass Sie dort keine Chancen mehr haben. Wenn das Projekt wirklich wichtig ist, brauchen Sie auch hier einen Plan B und C. Oder Sie müssen durch zusätzliche Maßnahmen sicherstellen, dass das Projekt ein Erfolg wird. Es reicht zum Beispiel nicht, in einer Schule in jedem Flur die Nummer der Feuerwehr aufzuhängen. Wenn Sie sicherstellen wollen, dass wirklich nichts passiert, müssen Sie immer zwei Ausgänge in unterschiedlichen Richtungen haben, Feuerlöscher aufhängen, Brandmelder installieren, Feueralarm üben und Schüler und Lehrer sensibilisieren.
Projekte scheitern nicht am Ende, sondern bekanntlich am Anfang. Mit der Aufmerksamkeit am Anfang können Sie viel einfacher Stress am Ende sparen.

Anmerkungen:


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Kategorien im Neuen Outlook - für das Team nutzen: Remake

Einer unserer erfolgreichsten Artikel auf diesem Blog ist im Teenageralter angekommen! Grund genug für ein Remake mit der aktuellen Outlook-Version. Spoiler: Es ändert sich nur wenig. 😉

Vom geheimen Anderssein in (deutschen) Unternehmen

Vielleicht kennen einige noch die Werbung einer Orangenlimonadenfirma aus den 80er Jahren: "Sind wir nicht alle ein bisschen bluna?" Dieses Wissen, metaphorisch gesprochen, setzt sich sehr zögerlich immer mehr im öffentlichen Bewusstsein fest: unsere Hirne sind nicht alle gleich. Im Arbeitskontext kann es zu nicht verstandenen Konflikten kommen, wenn alle über einen Kamm geschoren werden. Außerdem wundern sich Krankenkassen über steigende Ausgaben wegen Depressionen, Burnouts und Angstzuständen ihrer Mitglieder. Dafür könnte es Gründe geben, die weitgehend noch im Dunkeln zu liegen scheinen.

Die Profi-Tools im Windows-Explorer

Haben Sie bei der Urlaubsvertretung sich manches Mal geärgert, wenn Sie Dateien gesucht haben, die ein Teammitglied abgelegt hat? Die Suche im Explorer funktioniert tadellos, aber manchmal sollte man den Suchbegriff noch ein bisschen genauer fassen können. Z.B. mit UND oder ODER oder NICHT... Das geht so einfach, dann man von alleine kaum drauf kommt:

Warum du als Führungskraft klügere Mitarbeiter einstellen solltest (und Mikromanagement dein größter Fehler ist)

Es ist einer der am häufigsten zitierten Führungsratschläge: Umgib dich mit Menschen, die klüger sind als du. Und einer der am seltensten wirklich befolgten. Warum? Weil er sich leichter sagt, als er sich anfühlt.

Das Ubongo Flow Game

Spiele bieten eine gute Gelegenheit, zeitliche Erfahrungen zu verdichten und gemeinsam zu lernen. Karl Scotland und Sallyann Freudenberg haben im Mai 2014 das Lego Flow Game veröffentlicht. Wir haben die Spielidee übernommen, aber das Spielmaterial gewechselt. Statt Legosteinen benutzen wir Material aus Grzegorz Rejchtmans Ubongo-Spiel. Hier präsentieren wir die Anleitung für das Ubongo Flow Game.

Microsoft Teams: Die neuen Besprechungsnotizen - Loop-Komponenten

  Haben Sie in letzter Zeit in einer Teams-Besprechung die Notizen geöffnet? Dort sind inzwischen die Loop-Komponenten hinterlegt. Die sind zwar etwas nützlicher als das, was zuvor zur Verfügung stand. Trotzdem ist noch Luft nach oben. Und es gibt sogar einige ernstzunehmende Stolperfallen. Hier ein erster, kritischer Blick auf das was Sie damit tun können. Und auch darauf, was Sie besser sein lassen.

Kategorien in Outlook - für das Team nutzen

Kennen Sie die Kategorien in Outlook? Nutzen Sie diese? Wenn ja wofür? Wenn ich diese Fragen im Seminar stelle, sehe ich oft hochgezogene Augenbrauen. Kaum jemand weiß, was man eigentlich mit diesen Kategorien machen kann und wofür sie nützlich sind. Dieser Blogartikel stellt sie Ihnen vor.

Rebellieren für den Wandel: die 8 Regeln des totalen Stillstandes von Prof. Dr. Peter Kruse

In einem legendärem Vortrag skizzierte Peter Kruse 8 Regeln des totalen Stillstands. Ihm zufolge wurden die Regeln entwickelt, um Managern und Führungskräften dabei zu helfen, Bereiche mit potenziellem Widerstand gegen Veränderungen zu erkennen und Menschen auf strukturierte Weise durch den Veränderungsprozess zu führen.

Die Sache mit den "faulen" Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern: Exekutive Dysfunktion

Neurodivergente Menschen verarbeiten Information anders als die meisten anderen Menschen. Das wirkt sich natürlich auch auf das Arbeitsleben aus. Als "Normalo" findet man immer wieder Themen, von denen man noch nie gehört hat und die im Nachhinein als Erklärung für beobachtetes, damals unverstandenes Verhalten anderer dienen könnten. Sie könnten aber auch, sofern sie bekannt sind, dazu beitragen, dass Teamwork und sogar das gesamte soziale Leben in Zukunft noch besser gelingen.

Microsoft Lists: mit Forms und Power Apps komfortabel mobil arbeiten

In meinem Kundenkreis sind viele Menschen, die den Arbeitsalltag nicht vorwiegend auf dem Bürostuhl sitzend verbringen, sondern "draußen" unterwegs sind. Vielleicht in Werkstätten oder im Facility-Management. Es ist so wichtig, dass die Schnittstellen zu den Abläufen im Büro gut abgestimmt sind. Microsoft 365 hat so einiges im Baukasten, man muss es nur finden und nutzen.  In diesem Artikel spiele ich ein Szenario durch, das auf Microsoft Lists, Forms und - für die Ambitionierteren - Power Apps setzt.