Direkt zum Hauptbereich

Mit Sicherheit kommunizieren: eine wichtige Fähigkeit für Teams (3 Bücher zum Einstieg)

Vielleicht wundern Sie sich, warum "die anderen" in Gesprächen mal wieder so schwierig sind. Oder Sie stellen fest, dass Unterredungen mit bestimmten Personen sehr schwierig sind. Gute Gesprächspartner haben gelernt, dem anderen Sicherheit zu vermitteln. Das schafft eine gute Grundlage. Aber worauf muss man da eigentlich achten? Die folgenden drei Bücher erklären uns die wichtigsten Begriffe. Alle Bücher sind zuerst in englischer Sprache erschienen. Es gibt sie aber auch als Ausgabe in deutscher Sprache.


Unser Gehirn prüft mehrfach in der Sekunde, ob wir sicher sind

Der Unternehmensberater David Rock hat in einem Buch zusammengestellt, wie unser Gehirn in typischen Situationen des Geschäftslebens funktioniert./1, 2/ Über Brain at Work haben wir hier schon öfter geschrieben. Das Buch geht weit über Kommunizieren hinaus. Es hilft dabei, das eigene Verhalten besser zu verstehen. Welche Teile unseres Gehirn steuern eigentlich unsere Emotionen? Eine wichtige Rolle spielt das limbische System: Amygdala, Hippocampus, Gyrus cinguli, orbitofrontaler Kortex und die Insula. Es stellt die emotionale Verbindung zu dem her, was wir erlebt haben. Auf S. 143 der deutschen Ausgabe zitiert der Autor zwei Experten: "[Das Gehirn] teilt die Umwelt grob in zwei Kategorien ein: in Dinge, die den Menschen entweder verletzten oder sein Überleben sichern."

Unser Gehirn prüft also ständig, ob wir sicher sind. "Das limbische System", schreibt er weiter, "ist ... viel häufiger ängstlich als glücklich und feuert zudem deutlich intensiver bei Gefahren als bei Belohnungen."

Was können wir also tun, um im Gespräch mit anderen mehr Sicherheit auszustrahlen? Darum geht es in dem nächsten Buch.

Widerstehen Sie der Entweder-Oder-Falle

Das Buch "Heikle Gespräche" (engl. "Crucial Conversations") von den Autoren Joseph Grenny, Kerry Patterson, Al Switzler und Ron McMillan beginnt mit der Entweder-Oder-Falle./3, 4/ Zu oft reden wir uns ein, dass wir nur die Auswahl zwischen zwei Optionen haben: Gewinnen oder Verlieren, Ehrlichkeit oder Harmonie usw.

Die einzige Person, die wir am leichtesten unter Kontrolle haben, sind wir selbst. Wenn wir unsere Wahrnehmung für uns selbst und unsere eigenen Bedürfnisse herstellen, können wir besser mit anderen reden. Einer ihrer Tipps lautet, sich auf die gemeinsame Ziele und wechselseitigen Respekt zu konzentrieren. Bei schwierigen Situationen geht es ihnen immer wieder darum, zunächst Vertrauen aufzubauen, bevor man weiter inhaltlich spricht.

Was stoppt eine gute Kommunikation? Solche Blocker hat der nächste Autor gesammelt.

Ist Ihnen bewusst, wie viel Gewalt in Sprache steckt?

Marshall B. Rosenberg (1934-2015) hat eine Vorgehensweise für Gewaltfreie Kommunikation (engl. Non-violent Communication) entwickelt. /5, 6/

Rosenberg war ein Schüler von Carl Rogers und hat sich viel mit Kommunikationsmustern auseinandergesetzt. Moralische Urteile, Vergleiche oder das Leugnen von Verantwortung machen eine weitere Kommunikation sehr schwer.

Stattdessen plädiert er dafür, uns und andere zu beobachten, ohne gleich zu werten. Statt Forderungen aufzustellen, kann man auch Bitte formulieren. Eine Bitte bedeutet immer, dass der Gesprächspartner das Recht hat, der Bitte nachzukommen.

Für eine gute Kommunikation mit anderen ist der wichtigste Begriff (psychologische) Sicherheit. Diese drei Bücher haben mir sehr geholfen. Besonders die Beispieldialoge fand ich sehr gut nachvollziehbar.

Wer mehr über die Autoren erfahren will, kann sich je ein paar Vorträge im Netz ansehen:

Anmerkungen

  • /1/ Rock, David ; Siegel, Daniel J.: Your Brain at Work : Strategies for Overcoming Distraction, Regaining Focus, and Working Smarter All Day Long. New York: Harper Collins, 2009.
  • /2/ Deutsche Ausgabe: Rock, David ; Siegel, Daniel J. ; Hölsken, Nicole: Brain at Work : Intelligenter arbeiten, mehr erreichen. 1. Aufl.. Frankfurt am Main: Campus Verlag, 2011.
  • /3/ Patterson, Kerry ; Switzler, Al ; McMillan, Ron ; Grenny, Joseph: Crucial Conversations Tools for Talking When Stakes Are High, Second Edition. Madison: McGraw Hill Professional, 2011.
  • /4/ Deutsche Ausgabe: Patterson, Kerry ; Switzler, Al ; McMillan, Ron ; Grenny, Joseph: Heikle Gespräche : Worauf es ankommt, wenn viel auf dem Spiel steht. 2. Aufl.. Wien: Linde Verlag GmbH, 2012.
  • /5/ Rosenberg, Marshall B., and Arun Gandhi.: Nonviolent Communication: A Language of Life, 3rd Edition : Life-Changing Tools for Healthy Relationships.: PuddleDancer Press, 2015.
  • /6/ Deutsche Ausgabe: Rosenberg, Marshall B.: Gewaltfreie Kommunikation : Eine Sprache des Lebens. Paderborn: Junfermann Verlag GmbH, 2016.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Die Profi-Tools im Windows-Explorer

Haben Sie bei der Urlaubsvertretung sich manches Mal geärgert, wenn Sie Dateien gesucht haben, die ein Teammitglied abgelegt hat? Die Suche im Explorer funktioniert tadellos, aber manchmal sollte man den Suchbegriff noch ein bisschen genauer fassen können. Z.B. mit UND oder ODER oder NICHT... Das geht so einfach, dann man von alleine kaum drauf kommt:

Die besten Bücher zum Thema Teamleistung

Es gibt viele Bücher, die sich mit Teams beschäftigen. Doch wo sollen wir anfangen? In diesem Artikel stelle ich die wichtigsten Quellen vor.

6 Tabletten, mit denen ihr euer SAP-Team jeden Tag gesünder macht

Montagmorgen. Das erste Meeting. Eigentlich sollten alle entspannt aus dem Wochenende kommen. Oder? Nicht wirklich. Freitag war kein guter Tag im Projekt. Die Deadline wurde zum zweiten Mal gerissen. Dementsprechend ist die Stimmung heute … kacke. Keiner will schuld sein. Claudia weiß genau, woran es lag: Peter hat die funktionale Spezifikation nicht früh genug fertig gehabt. Sie konnte demnach nicht früh genug mit der Entwicklung starten. Und Peter sieht die Schuld bei dem anderen Team. Er sei schließlich abhängig von denen gewesen. Und schon geht es los: das „Im-Kreis-der-Rechtfertigungen-drehen“. Statt Lösungen zu finden, wird hier nach noch mehr Problemen gesucht.  Diese Projektsituation habe ich leider schon häufig in SAP-Implementierungsprojekten erlebt. Ich kann das mittlerweile schwer ertragen. In meinen ersten Projekten habe ich, offen gestanden, noch oft gedacht: „Vielleicht müssen wir das Problem noch genauer analysieren.“ Heutzutage sehe ich das ganz anders. Ich habe ke...

Microsoft Teams: Die neuen Besprechungsnotizen - Loop-Komponenten

  Haben Sie in letzter Zeit in einer Teams-Besprechung die Notizen geöffnet? Dort sind inzwischen die Loop-Komponenten hinterlegt. Die sind zwar etwas nützlicher als das, was zuvor zur Verfügung stand. Trotzdem ist noch Luft nach oben. Und es gibt sogar einige ernstzunehmende Stolperfallen. Hier ein erster, kritischer Blick auf das was Sie damit tun können. Und auch darauf, was Sie besser sein lassen.

Rebellieren für den Wandel: die 8 Regeln des totalen Stillstandes von Prof. Dr. Peter Kruse

In einem legendärem Vortrag skizzierte Peter Kruse 8 Regeln des totalen Stillstands. Ihm zufolge wurden die Regeln entwickelt, um Managern und Führungskräften dabei zu helfen, Bereiche mit potenziellem Widerstand gegen Veränderungen zu erkennen und Menschen auf strukturierte Weise durch den Veränderungsprozess zu führen.

Scrum: eine kurze Geschichte der Empirie

Empirisches Arbeiten ist ein schwieriger Begriff. Agile Teams sollen empirisch arbeiten. Aber was bedeutet das genau? Vielleicht hilft ein Ausflug in die Ideengeschichte, zurück an die Anfänge des Flugzeugbaus.

Klartext statt Konsens - wie Meetings wieder was bewirken

Bessere Kommunikation ist Lippenstift fürs Protokoll. Kennst Du das: Das Meeting läuft, Energie ist da, der Knoten platzt - und jemand sagt: "Wir müssen besser kommunizieren!" Alle nicken. Jemand schreibt's auf. Und was passiert damit?  Nichts . Warum? Weil "besser kommunizieren" keine Handlung ist. Genauso wenig wie: "mehr Verantwortung übernehmen", "offener Feedback geben", "konstruktiver diskutieren", "proaktiver sein", "mehr miteinander reden", "transparenter werden", "Verständnis füreinander zeigen". Alles klingt gut. Aber ohne Klartext bleibt’s ein Vorschlag - nett im Protokoll, aber ohne Effekt auf den nächsten Arbeitstag. Kein konkreter Schritt, keine sichtbare Veränderung. Keiner der's macht. Es ist eine gute Absicht ohne Konsequenz. Wir haben kein Problem Verbesserungen zu identifizieren.   Die wahre Herausforderung ist selten das Finden von Verbesserungen. Es ist das Konkretisie...

Kategorien in Outlook - für das Team nutzen

Kennen Sie die Kategorien in Outlook? Nutzen Sie diese? Wenn ja wofür? Wenn ich diese Fragen im Seminar stelle, sehe ich oft hochgezogene Augenbrauen. Kaum jemand weiß, was man eigentlich mit diesen Kategorien machen kann und wofür sie nützlich sind. Dieser Blogartikel stellt sie Ihnen vor.

Outlook-Aufgabenliste: bitte nicht die Aufgaben des ganzen Teams!

Am Tag der Arbeit kommt eine Lösung, nach der ich schon so oft gefragt wurde: Wie schaffe ich es, dass meine Outlook-Aufgabenliste nur meine eigenen Aufgaben anzeigt und nicht auch die E-Mails, die meine Kollegen gekennzeichnet haben oder Aufgaben, die einfach in einem gemeinsamen Postfach stehen?

Nie wieder Ärger mit Besprechungsserien in Outlook

Erstellen auch Sie Besprechungsserien in Outlook? Ärgern auch Sie sich manchmal darüber, wenn Sie etwas zu ändern haben? Falls nicht, versenden Sie entweder keine wiederkehrenden Outlook-Besprechungen (Serienterminen). Oder Sie ändern nie etwas daran. Dann ist dieser Artikel nichts für Sie. Lesen Sie aber bitte weiter, falls Sie sich schon immer mal gefragt haben, ob es eine Lösung gibt?