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Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser!

Es mag gelegentlich anders erscheinen, wir Menschen sind trotzdem geborene Optimierer. Alles, was wir tun, versuchen wir mit möglichst wenig Aufwand zu erledigen. "Maximale Effizienz!" lautet unsere zutiefst verwurzelte Devise. Eine erfolgversprechende Strategie in dieser Hinsicht ist, anderen Aufgaben und Verantwortungen zu übertragen. Warum fällt uns genau das aber oft so schwer?
Zeichnung vom Autor

Dabei ist Delegieren meist sogar die einzige Möglichkeit, Dinge erfolgreich zu erledigen. Im Unternehmensalltag gilt das im Besonderen. Ein zufriedenstellendes Gesamtergebnis ist ausschließlich durch die Verteilung von Aufgaben an Spezialisten möglich. Merke deshalb: Verteilung und Delegieren ist gut. Man hat so ein paar Sorgen weniger.

Aber stimmt das? Zwar möchten wir unsere Aufwände so gering wie möglich halten und uns auch gut dabei fühlen, wenn uns das gelingt. Um uns aber rundum wohlfühlen zu können, ist wichtig, dass wir ein Gefühl von Kontrolle darüber haben, wofür wir Verantwortung tragen. Deshalb wird unsere Freude über das gute Gefühl, selbst weniger erledigen zu müssen, oft durch das mulmige Gefühl des Kontrollverlusts eingetrübt: Können wir wirklich darauf vertrauen, dass die Aufgabe in unserem Sinne erledigt wird?
 

Das Dilemma

Um dieses wahrlich klassische Dilemma aufzulösen, ist hilfreich, sich die allgemein vorherrschende Kontrollillusion zu verdeutlichen. Die Wahrheit ist: Es gibt wenig, was wir so unter Kontrolle haben, als dass es tatsächlich von uns allein direkt zu beeinflussen ist. Selbst bei Angelegenheiten, die uns selbst betreffen und die wir offensichtlich selbst in der Hand haben, gelingt uns dies oft verdammt schwer. Das weiß jeder, der sich schon einmal vorgenommen hat, wieder regelmäßig Sport zu treiben oder ein paar Pfund abzuspecken. Wenn wir uns also selbst schon so schwer unter Kontrolle haben, können wir wirklich davon ausgehen, dies bei anderen zutun?

Vertrauen als Basis guter Ergebnisse

Ob eine delegierte Anforderung (oder auch nur Bitte) erfüllt wird, hängt grundsätzlich vom Können (individuelle Fähigkeiten und strukturelle Rahmenbedingungen) und vom Wollen (individuelle Motivation und Sinn) derjenigen ab, an welche die Aufgabe delegiert wird. Auf beides haben Sie keinen oder fast keinen direkten Einfluss. Angesichts dieser Erkenntnis sämtliche Sicherheits- und Überprüfungsmuster gänzlich über Bord zu werfen, wäre freilich fahrlässig. Aber: Anzuerkennen, dass der eigene Einfluss generell begrenzt ist, nimmt Ihnen Druck und kann Ihren Fokus auf das lenken, was Sie tatsächlich selbst tun können. Nämlich zu entscheiden, was Sie aus der Hand geben wollen und können. Und wie Sie das tun.

Folgende Punkte können Ihnen dabei helfen, gut zu delegieren und sich dabei wohl zu fühlen:
  • Haben Sie Ihren begrenzten Einfluss auf die tatsächliche Ausführung und das Ergebnis im Hinterkopf! Reduzieren Sie so Ihren eigenen Erwartungsdruck!
  • Prüfen Sie die generellen und individuellen Rahmenbedingungen und Motivationen möglichst genau, schätzen Sie sie realistisch ein! Seien Sie dabei ehrlich zu sich!
  • Bedenken Sie die Möglichkeit des Nicht-Erreichens und kalkulieren Sie ein Scheitern ein. Was sind mögliche Konsequenzen? Wird die Welt untergehen? Was können Sie tun, um Risiken zu minimieren?
  • Machen Sie sich und anderen die Hintergründe einer Aufgabe und deren Bedeutung klar  - sprechen Sie Werte an!
  • Prüfen Sie, ob und inwiefern der Kontrollaufwand, den Sie betreiben möchten, im Verhältnis zum Ergebnis steht!
Vor allem: Vertrauen Sie darauf, dass Ihre MitarbeiterInnen, KollegInnen, Chefs und Mitmenschen wie Sie selbst "ticken" und sehr wahrscheinlich so gut wie immer (!) das selbe Ziel haben: Möglichst leicht möglichst große Erfolge feiern, sich beweisen und zeigen, dass sie verlässlich sind.

Ein solches Vorgehen macht dann sogar doppelt Sinn. Denn nicht nur ist vertrauensvolles Delegieren nach obigem Muster die Chance zur mentalen und emotionalen Entlastung für Sie selbst, sondern auch zur großen Motivation für diejenigen, welchen Sie Aufgaben und Verantwortung übertragen. Die beste Voraussetzung für entspannte, stabile Beziehungen - und optimale Ergebnisse.




Edgars eigener Blog: www.trellisterium.de
Edgars Podcast: trellisterium.podbean.com 

Edgar Rodehack ist Teamwork-Enthusiast mit einem Faible für agile Formen der Zusammenarbeit. Da trifft es sich natürlich gut, dass er das beruflich macht. Er ist Organisationsberater, Business und Agile Coach, Teamentwickler und Moderator. Außerdem ist er ein Mensch mit Frau und drei Kindern, der viel Spaß am Musikmachen, Schreiben und Lesen hat. Mehr über ihn: www.rodehack.de



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